Das selbstfahrende Elektroauto und die Religion der erneuerbaren Energien

Tesla-Ladestation, Foto: Stefan Groß

Vor sieben Jahren reißt ein Tsunami an der japanischen Küste 20.000 Menschen in den nasskalten Tod. Binnen Stunden und Tagen erhält auf der anderen Seite des Globus die Sekte „Die Religion der erneuerbaren Energien“ einen derart regen Zulauf, dass sie heute in Deutschland Staatsreligion ist. Selbsternannte Priester verfassen Glaubenssätze, Ketzer werden verdammt und wegen Klimaleugnung exkommuniziert, was manche in den einsamen Tod treibt, da es den politisch korrekten Anhängern der erneuerbaren Energie-Religion verboten ist, mit einem Klimaleugner zu kommunizieren. Vor allem im Fernsehen und unter der Journaille finden sich religiöse Eiferer, die eine treue Anhängerschaft generieren, welche ihnen ein gutes Auskommen garantieren. Auch ausgebildete Physiker springen auf den davoneilenden Zug. Politiker geben unwissenschaftliche Lippenbekenntnisse ab, um ihre Parlamentssitze nicht zu verlieren.

Um die Religion der erneuerbaren Energie finanziell zu unterstützen, erfindet das deutsche Finanzministerium Steuern mit wohlklingenden Namen. Einer inneren Gerechtigkeit folgend steigen die Energiepreise. Der bis dahin gepredigte Naturschutz, der es nicht in den Rang einer Religion geschafft hat, wird im Namen der neuen Religion der Vernichtung anheimgegeben. Wälder werden gerodet, seltene Raubvögel dezimiert, um Sakralbauten in Form hässlicher Windräder überall in Deutschland zu bauen, gegen die nicht einmal Don Quijote gekämpft hätte.

Um die tumbe Anhängerschaft der polytheistischen Religion der erneuerbaren Energien nicht zu überfordern, gar abzuschrecken, werden die Glaubenssätze sehr einfach postuliert. Halal sind Wasser, Wind, Sonne, Raps- und trotz (wegen?) der weiten Entfernung indonesisches Palmöl, haram sind Kohle, Erdgas, Erdöl und Kernkraft. Wer im Tank zum Erdöl etwas Palmöl aus Indonesien zusetzt, erhält eine Absolution in Form einer kleinen Münze pro getanktem Liter Sprit.

Die Religion der erneuerbaren Energien breitet sich aus und macht auch nicht vor dem Individualverkehr Halt. Mit massiven, vom Volk aufgebrachten staatlichen Subventionen werden Autos entwickelt, die mit Strom statt dem verbotenen Erdöl fahren. Dass der größte Teil des Stromes aus verbotenen Energien besteht, wird dem Plebs verschwiegen. Jetzt kommen die gut bezahlten Märchenerzähler zum Zuge. Überall vernimmt man: Es wird einmal …

Deshalb werden riesige Kabel ober- und bei Gegenwehr unterirdisch kreuz und quer durch die Republik verlegt, da man im 21. Jahrhundert immer noch nicht weiß, ob und wo morgen die Sonne scheint und übermorgen ein ausreichend starker Wind weht. Das Legen der Trassen verschwendet derart viel Energie, dass zusätzliche Erdgasrohre von Russland nach Deutschland am Boden der sterbenden Ostsee verlegt werden.

Doch der Absatz von Elektroautos in Deutschland stagniert trotz religiöser und marktschreierischer Aufrufe. Da beschließt die halbstaatliche Post, die sich gerade rechtzeitig durch Lohndumping und Leiharbeit gerade saniert hat, ihren gesamten Fuhrpark umzurüsten und Elektroautos getrennt für Pakete, Päckchen und Briefe zu ordern. Die Energie abhängige Bevölkerung Deutschlands muss für ihren Energieverbrauch die höchsten Preise in Europa bezahlen, damit der Anteil an erneuerbarer Energie, die jetzt nachhaltige Energie heißt, erhöht wird, koste es, was es wolle. Trotzdem werden die religiösen Klimaziele nicht erreicht. Der Ausstoß des klimaschädlichen CO2, ohne dem es kein Leben im Universum gibt, steigt und steigt.

Die Schmerzensschreie der verarmten Deutschen erreichen das Ohr des Gottes der erneuerbaren und nachhaltigen Energien, der sich der deutschen Regierung erbarmt. Flugs lässt der Gott der erneuerbaren und nachhaltigen Energien die chinesischen Parlamentsabgeordneten einen Beschluss fassen, immer mehr Elektroautos zu importieren. Es stört die chinesische Regierung nicht im Geringsten, wenn der Strom für die Autos aus Kohle, Erdöl oder Atomenergie gewonnen wird. Es sind die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen des starken Smogs, den die chinesische Regierung meidet. Die meisten Autos im Riesenreich sind in den großen Millionenstädten konzentriert. Wenn es – wie so oft – windstill ist, verdunkeln sich die Städte Chinas bereits zu Mittag, wenn die dunklen Abgase der Autos den Himmel schwärzen. Die Regierung muss auf die hustenden und kranken Städter Rücksicht nehmen, um nicht wie einst in der sozialistischen Sowjetunion schimpflich verjagt zu werden. Die Sorgen der zersplitterten Landbevölkerung werden vernachlässigt. Der Ruß wird sich mit Hilfe der Elektroautos im ganzen Land verteilen und sich nicht mehr allein in den großen Städten Chinas konzentrieren: aus den Augen, aus dem Sinn.

Die chinesische Regierung beschließt, beim Import von Autos den Anteil von Elektroautos langsam, aber stetig zu erhöhen. Jedes Land, welches auf dem großen Markt im großen Reich Chinas Autos verkaufen will, muss zusätzlich eine bestimmte Mindestmenge an Elektroautos liefern, die mit elektrischer haram-Energie betankt werden kann.

Für die deutsche Regierung ist dies eine nachhaltige Subvention. Deutschland ist bereit, den Chinesen günstigste CO2 Sorglos-Pakete zu besorgen. Der Gott der erneuerbaren und nachhaltigen Energie hat sich bereits verabschiedet.

 

Nachtrag:

Um das elektrische Auto besser zu verkaufen, soll es zudem ohne fremde Hilfe selber fahren können. Deshalb bricht in Deutschland die hochinteressante und für die Zukunft der Menschheit relevante Diskussion aus, ob der menschliche Begleiter des selbstfahrenden Autos einen Führerschein benötigt. Um die Frage politisch korrekt zu beantworten, werden selbstfahrende Leichenwagen entwickelt. Der Führerschein des Toten erhält seinen Ehrenplatz mitten auf dem Sarg.

 

Nathan Warszawski
Über Nathan Warszawski 197 Artikel
Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.