Die Kunsthalle Rostock richtet dem Leipziger Künstler Erich Kissing eine große Werkschau aus

Erich Kissing und Kerstin im Atelier, 1998, Quelle: Galerie Schwind
Erich Kissing und Kerstin im Atelier, 1998, Quelle: Galerie Schwind

 

Erich Kissing und Kerstin Maler und Modell

Laufzeit: 03.02.2018 – 01.05.2018 Ausstellungseröffnung: 03.02.2018, um 18 Uhr Pressegespräch: Freitag, den 02.02.2018 um 14 Uhr

Die Kunsthalle Rostock richtet dem Leipziger Künstler Erich Kissing vom 03. Februar bis 01. Mai 2018 eine große Werkschau aus. Unter dem Titel „Erich Kissing und Kerstin. Maler und Modell.“ werden etwa 60 Gemälde von Erich Kissing gezeigt und damit nahe- zu sein gesamtes malerisches Werk. Ein zweiter Teil der Ausstellung thematisiert die Bedeutung des Leipziger Modells Kerstin für Kissing und eine Reihe weiterer Künstler, darunter Michael Triegel und Günter Rössler.

Selten gezeigt: Erich Kissing

Die Gemälde Erich Kissings sind nur selten öffentlich zugänglich; die letzte große Ein- zelausstellung richtete 2010 das Panorama Museum Bad Frankenhausen aus. Nun ergibt sich in der Kunsthalle Rostock die seltene Möglichkeit der Entdeckung dieses ein- zigartigen Werkes. Kissing (* 1943) studierte Malerei an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer. Die Über- schaubarkeit seines 64 Gemälde umfassenden malerischen Oeuvres liegt begründet in der aufwendigen, feinmalerischen Technik, in der Kissing oft mehrere Jahre an einem Bild arbeitet. In ihnen entspinnen sich zumeist surreale Szenen: vom Künstler erfundene

Kontakt:

Kunsthalle Rostock, Hamburger Str. 40, 18069 Rostock Telefon: 0381 3817000, E-Mail: kunsthalle@rostock.de Internet: www.kunsthallerostock.de

Flugapparate, gezähmte Mischwesen, Mondlandungen und Kentauren bevölkern die Bilder. Erich Kissing steht mit seinem Schaffen zweifellos in der Tradition des Symbolis- mus, doch fehlt seinen Gemälden jenes Dunkle, Religiöse, Sündige und Halluzinative, welches so Charakteristisch ist für die Künstler jener Richtung. Vielmehr verhandelt er in seinen Bildern – mal sensibel, mal ironisch – die Beziehung zwischen Mann und Frau. Insbesondere wird dies in seinen Kentaurenbildern deutlich, wo aus den wilden, wollüs- tigen antiken Kreaturen, freundliche und umsorgende weibliche Mischwesen werden.

Kerstin. Ein Modell und seine Leipziger Künstler

Im zweiten Teil beschäftigt sich die Ausstellung mit der langjährigen Verbindung Kissings zu dem Leipziger Modell Kerstin: dieser zarte, ätherische Frauentypus, der in insgesamt 17 Gemälden Erich Kissings auftaucht: seit 1998 ist Kerstin sein Lieblings- modell. Seit jeher haben weibliche Modelle eine besondere Bedeutung für Maler, Bild- hauer und Fotografen. Die Kunstgeschichte kennt zahlreiche berühmte und teilweise berüchtigte Künstler-Modell-Konstellationen, in denen das Modell als ästhetische oder erotische Muse, als Maßstab des eigenen Schönheitsbegriffs, nicht selten als Lebensge- fährtin des Künstlers wirkte.
Die Besonderheit der Ausstellung liegt in der neuen Sichtweise auf Leipziger Kunst aus der Perspektive eines Modells. Leipzig und seine Kunstentwicklung nimmt dabei eine Sonderstellung ein: Die traditionelle Ausbildung an der dortigen Kunsthochschule, der Fokus auf gegenständliche, metaphorisch-fabulierende Malerei bildet die Voraussetzung für die Entwicklung der Bedeutung eines einzelnen Modells für eine Vielzahl Leipziger Künstler.

So zeigt die Ausstellung Arbeiten von Michael Triegel, Leif Borges und Dietrich Wenzel sowie Fotografien von Günter Rössler und Stefan Hoyer. Der Blick Leipziger Künstler auf Kerstin ist ein figurativer Blick, der sehr unterschiedlich ausfällt:

Die Arbeit Persephone und Orpheus (2012) von Michael Triegel (* 1968) zeigt Kerstin als Herrscherin der Unterwelt auf einem primitiven Holzthron. Michael Triegel kreiert seine Bildwelten aus Versatzstücken der Literatur, Kunst- und Kulturgeschichte, die von ihm neu kombiniert und interpretiert werden. So nimmt Kerstin nach den Kentauren bei Triegel die Rolle der kühlen Persephone ein.

Kontakt:

Kunsthalle Rostock, Hamburger Str. 40, 18069 Rostock Telefon: 0381 3817000, E-Mail: kunsthalle@rostock.de Internet: www.kunsthallerostock.de

Der junge Leipziger Maler Leif Borges (* 1988), beschäftigte sich 2017, anlässlich sei- ner Meisterschülerprüfung, in einem Zyklus von acht Gemälden mit dem Modell Kerstin. In seinen Bildern sieht der Betrachter das Modell in traumhaften, fast surrealistischen Szenen. Im Gemälde Lucid Dreamer beobachtet man eine surreale Szene: Hingestreckt auf einem Ausziehsofa lagert die nackte Kerstin in einer Pose, die an Tizians Venus, Manets Olympia oder Goyas Maja erinnert. Als würde sie sich selbst im Traum betrach- ten, tritt eine zweite Kerstin im Nachthemd an die Szene heran. Ihr Traumgefährte – ein Mann im lila Hasenkostüm – scheint sie durch diesen beunruhigenden Klartraum zu füh- ren und legt ihr den Arm um die Schulter.

Die Zeichnungen von Günther Wenzel (* 1943) sind akribisch und präzise ausgearbei- tete Porträts des Modells. Dem genauen Auge des Künstlers bleibt kein Makel, keine Unebenheit verborgen. Durch ein differenziertes Ausloten von Hell-Dunkel und
ein genaues Beobachten des Lichtspiels auf der Haut oder den Oberflächen der Gegen- stände entstehen Zeichnungen im naturalistischen Stil und von malerischer Qualität.

Die beiden Fotografen Günther Rössler (1926 – 2012) und Stefan Hoyer (* 1974) kre- ieren mit dem Medium der Fotografie einen weiteren Blickwinkel zum Thema Künstler und Modell. Anfang der 2000er entstehen die sehr kühl wirkenden Schwarzweißaufnah- me Stefan Hoyers. Kurze Zeit darauf fotografiert auch der berühmteste Aktfotograf der DDR, Günther Rössler, das Modell. Kerstin wirkt auf seinen Fotos fast wie eine Skulptur, die aus dem dunklen Hintergrund herausgearbeitet ist. Doch wider Erwarten besitzen die Fotografien nicht die Perfektion und Austauschbarkeit jener Modelle der Mode- und Kosmetikfirmen, sondern zeigen eine sehr individuelle Frau mit ausgeprägten Zügen. Kerstin ist für die Maler und Fotografen eine Projektionsfläche, eine Figur, die in ver- schiedenste Rollen verwandelt werden kann.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Kontakt:

Kunsthalle Rostock, Hamburger Str. 40, 18069 Rostock Telefon: 0381 3817000, E-Mail: kunsthalle@rostock.de Internet: www.kunsthallerostock.de

Begleitprogramm:

Führungen mit dem Kurator Paul Gathof:

04.2.2018 um 14 Uhr 18.3.2018 um 14 Uhr

Öffnungszeiten der Kunsthalle Rostock:

Dienstag – Sonntag 11-18 Uhr Montag geschlossen

Eintrittspreis:

8 Euro
6 Euro ermäßigt

Guenter-Roessler-Kerstin-2003-vintage
Leif-Borges-Lucid-dreamer-2017-Acryl-und-Öl-auf-Leinwand-170-x-200-cm
Michael Triegel, Persephone und Orpheus, 2012, Mischtechnik auf Maltafel, 200 x 110 cm

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