Diese Generationen haben unser Land geprägt

Jugendkultur, Foto: Stefan Groß

Um Normalität greifbar machen und verkörpern zu können, bedarf es einer Generation. Generationen sind besonders dann spannend, wenn sie noch jung sind. Man erkennt recht gut, wie sich ein Land entwickeln wird.
Hier ein Überblick über die Jungendkulte der letzten Jahrzehnte in der Bundesrepublik.

Die 68er:

Quatschten gern über Marcuse-Ergüsse, im Grunde ging es aber um Sex. Einige verhüten, bevor sie in die Straßenschlacht mit der Polizei gehen, indem sie Helme aufsetzen, wie ein späterer deutscher Außenminister. Fanden Andreas Baader knorke und wurden später Kulturbüroleiter in der Provinz. Halt, nein, einige Asta-Bosse sind heute noch im 98. Semester Soziologiestudium und müssten eigentlich verrentet werden.

Die Punks:

Konnten Dosenbier so weghauen, wie später nur die Skinheads der frühen 1990er in Meckpomm, hatten noch den größeren Igitt-Effekt als die 68er, wuschen sich schließlich weniger, hörten gern Musik einer Art frühen Castingband aus London, die auf Managers Geheiß Sicherheitsnadeln als Ohrringe nutze. Im Grunde der erste Modefranchise, heute auf den Grabbeltischen in T-Shirt-Form überall wiederauferstanden, wollten durch 0-Bock-Mentalität und Nichts-tun statt 68er-Soziologie-Studium die Welt zum Tanzen bringen.

Die Yuppies:

Schauten gern Oliver Stones Wallstreet und liefen als kleine BWL-Gordon Gekkos durch die Gegend, hielten sich bereits in den 1980ern die Riesenhandys an den Kopf, ohne Angst vor Elektrosmog oder Hirntumoren. Typische Kinder der Schulter-Polster-Neocon-Zeit zwischen Ronald Reagan, Margaret Thatcher und Helmut Kohl. Halsten sich das Pensum Arbeit zusätzlich auf, das die Punks liegen ließen, waren aber mit Kokain zugepumpt, weshalb die Steigerung des Bruttosozialproduktes in den 1980er Jahren im Westen hätte aberkannt werden müssen, wenn es schon flächendeckende Dopingkontrollen wie bei der Tour de France gegeben hätte.
Die Skinheads:

Schlugen gern friedliche Asylbewerber aus Südostasien und Jugoslawien zusammen, im Dosenstechen und Komasaufen hielten sie den Europarekord. Bomberjacken und Baseballschläger waren ebenso Accessoires wie Springerstiefel und zu helle Jeans, alles in den Ländern der Asylbewerber produziert, die sie verprügelten.

Die Raver:

Der kalte Krieg war gewonnen, das alte Jahrtausend ein vollgeschriebenes Blatt alter Leute und das noch nicht begonnene eine neue saubere Autobahn ins Spaßland. Flugzeuge flogen noch ordnungsgemäß von Flughafen zu Flughafen und noch nicht in Hochhäuser. Exxxxxxxxxtasy war Russisches Roulette in bunten Farben und dank Treibhauseffekt wurden die Sommer auch immer heißer. Mpfmpfmpf war das Lebensgefühl.

Die 00er Jahre:

Hier fiel die Jugend erstmals aus. Wer zu fleißig verhütet über Jahrzehnte, darf sich nicht beschweren, wenn statt Ravern, Punks, 68ern und Yuppies nur noch Rollatoren herumlaufen.

Der Hipster:

Eine echte Mogelpackung. Tut so als, sei er jung, aber ist bereits Anfang 30, ein lebendes Zitat, hat die säuselnde Intonation von Rudi Dutschke, Frisur und Bart aber von Adolf Hitler geklaut, ist gar kein junger Typ, jedenfalls nicht im Weltmaßstab. Jutebeutel ist ein ironischer Anachronismus, der an die 70er erinnern soll, dazu aber ostentatives Markenbewusstsein vom Yuppie geborgt plus viele Lebensmittelunverträglichkeiten. Hört aber im Gegensatz zu Mpfmpfmpf Ravern Musik mit Text, entweder pseudointellektuelle deutsche Texte oder irgendwas in einer Sprache, die er selbst nicht versteht, aber darauf vertraut, dass seine Bewunderer(innen) dies auch nicht tun und ihn deshalb für einen schlauen Typen halten. Trägt gern Opas Architektenbrille und lebt noch mit 35 bei Mutti.

Der Nafri:

Wohnt seit seinem 12. Lebensjahr nicht mehr bei Mutti. Da seit der Jahrtausendwende dem Land sichtbar die Jugendkultur in Ermangelung von Nachwuchs ausging, holte man sich sehr erfolgreich auf dem internationalen Transfermarkt junge Leute aus den nordafrikanischen Staaten und half diesen dabei, die Gefängniskosten signifikant zu senken. Aus Dankbarkeit führen sie alljährlich in der Silvesternacht Folkloretänze auf, organisieren sich hierbei gern mit Handys, die sie schwächlichen Hipstern vorher abgezockt hatten. Durch sie wurde die Rheinmetropole wieder weltweit bekannt. Tragen gern rote Schuhe, schlauchenge schwarze Jeans und Lederjacken italienischer Designer, wirken mit Undercutfrisur und Bart aber wesentlich maskuliner als Hipster. Sie können sich darauf verlassen, dass ihr Chauvinismus und Neofaschismus auf viel mehr Verständnis in einschlägigen verharmlosenden Publikationen trifft, die es als kulturelle Spezifika darstellen. Haben einen Stein im Brett bei linken Parteien, die ihre Abschiebung unmöglich machen.

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