TRIEST TRIFFT MÜNCHEN – Fotoausstellung in der Pasinger Fabrik

Die Fotografin Lara Perentin in der Pasinger Fabrik

Eine Reihe eindrucksvoller Aufnahmen aus der mitteleuropäischen Hafenstadt Triest in ihren „unzähligen Schattierungen von Schwarz bis Weiß“ zeigt die gebürtige Triestinerin Lara Perentin in der Galerie 3 der Pasinger Fabrik.

Lara Perentin: Sturm

Enthüllt wird das außergewöhnliche urbane Gebilde an der Schnittstelle zwischen Ost und West in seinen vielen, faszinierenden Facetten. Der ins Meer hinaus ragende Kai „Molo Audace“ an Tagen, in denen die kalten böigen Bora-Fallwinde Triest in ihrem Würgegriff halten, neben den imposanten Palästen um die „Piazza dell‘Unità d‘Italia“ als Zeugnis einer glorreichen habsburgischen Vergangenheit. Und das „Bagno alla Lanterna“, das Strandbad – einzigartig in Europa -, wo Frauen und Männer getrennt ins Wasser gehen. Einstiege Grandeur und heutiger Verfall am Alten Hafen, der noch nach einer Neubestimmung sucht. Und wieder Momente des Stolzes, wenn die Stadt sich einmal jährlich anlässlich der „Barcolana“, der größten internationalen Segelregatta mit über 2.000 Teilnehmern, in eine Welthauptstadt verwandelt. Zwischen den Bauten – in ihrem Glanz oder in ihrem verwahrlosten Zustand – die Menschen. Menschen mit Gesichtern, die in ihren tiefen Falten die Spuren der Zeit zur Schau stellen und ihren Seelenzustand zugleich. Wie der alte Mann, der mit seiner Mundharmonika ein Lied spielt. Ein trauriges, ist man geneigt zu glauben. Stumm begleitet es die Bilder, in denen sich „Rauheit“ und „Melancholie“ mischen, die „Grundgefühle“, die Lara Perentin schon seit ihren Kindertagen mit Triest assoziiert.

Eine Auswahl der Bilder ist in dem 2017 beim Mailänder Morellini Verlag erschienenen Stadtführer aus weiblicher Sicht „Trieste – Guida al femminile“ enthalten, in dem die ansprechenden Texte der aus Rjeka/Fiume stammenden Autorin Florinda Klevisser erschienen sind.

Lare Perentin: Triest 

Eröffnet wurde die Ausstellung von Francesco Ziosi, Direktor des IIC-München, der unmittelbar danach in die Präsentation von „La Città Interiore“, dem neuen Roman des Triestiner Schriftstellers Mauro Covacich einführte. „Mein Roman“ – sagt Covacich – „füllt sich nicht aus Figuren, sondern aus Menschen“. Er gleicht einer gedanklichen Kartierung der Erfahrungen und Begegnungen aus einem ganzen Leben. Aus der Befürchtung, in die tiefen Schichten des Gedächtnisses einzutauchen, bleibt er „auf Fußspitzen“ in der Gegenwart verankert, was ihn auch dazu veranlasst, seine Erzählung in der Präsensform zu führen. Die Erinnerungen an einzelne Personen – an seinen slowenischen Großvater, der überzeugter Kommunist war, oder an seinen italienischen Opa, der während des Faschismus in der italienischen Marine gedient hatte, – vermischen sich mit literarischen Reminiszenzen, woran – wie bekannt – Triest reich ist. Mal geht es um James Joyce, der in einem benachbarten Haus gewohnt hatte, wo der erste Teil seines „Ulysses“ Konturen angenommen hat. Mal sind es die großen Triestiner Dichter Umberto Saba und Italo Svevo, vor denen sich der Schriftsteller verneigt. „Das Schreiben“ – sagt er weiter – „rettet ihn vor der Angst vor der Erinnerung.“ . Stilistisch orientiert er sich mal an W.G. Sebalds Ausschweifungen, mal an Elias Canettis Autobiographie, „wie ein Schiffbrüchiger, der eine Leuchtkugel am Himmel verfolgt.“ Seine Werke ähneln manchen leicht verschwommenen Porträts des Malers Gerhard Richter, für den er seine Vorliebe nicht verbirgt. „Wenn Du erzählst,“ – hören wir von ihm – gehst Du zu Orten zurück, wo du niemals gewesen bist“. Protagonistin seiner „Innerlichen Stadt“ ist aber Triest, die Stadt an der „Verschmelzungslinie zwischen zwei kulturellen Universen“, in der lateinisch-mediterrane Elemente mit dem nördlichen habsburgischen Erbe fusionieren. Eine Stadt, in der heftige Konflikte ausgetragen wurden, nicht anders als Belfast, Jerusalem oder Johannesburg, die in seinen Augen Schwesternstädte sind. Eine in der zweiten Hälfte vom 20. Jahrhundert vom Hass zwischen Slowenen und Italienern verseuchten Stadt, die nun in einem neuen europäischen Kontext ihren inneren Frieden gefunden hat. Ein Beispiel heute für ein harmonisches Zusammenleben einer   dynamischen Bevölkerung, die warmherzig ist und sich ihrer Lebensfreude nicht wegnehmen lässt.

Veranstalter: Istituto Italiano di Cultura – München   und   Pasinger Fabrik

www.iicmonaco.esteri.it

www.pasinger-fabrik.com

Bis zum 29.September 2017

Di-Fr von 11:00 bis 17:00 Uhr

 

 

 

Anna Zanco-Prestel
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Dr. Anna Zanco-Prestel, hat Literaturwissenschaften (Deutsch, Französisch und Italienisch) und Kunstgeschichte in Venedig, Heidelberg und München studiert. Publizistin und Herausgeberin mit Schwerpunkt Exilforschung. U.d. Publikationen: Erika Mann, Briefe und Antworten 1922 – 69 (Ellermann/DTV/Mondadori). Seit 1990 auch als Kulturkoordinatorin tätig und ab 2000 Vorsitzende des von ihr in München gegründeten Kulturvereins Pro Arte e.V.

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