Eine Art Unbehagen – Kulturanthropologische Betrachtungen im Spiegel zeitgeschichtlicher Besonderheiten

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O tempora! O mores! Die längst im Rentenalter angekommene 68er Elite feiert, tatkräftig unterstützt von den nicht minder ergrauten Nachzüglern leidig jüngerer Jahrgänge, schon seit Jahren so schamlos wie schwachsinnig ´ihre´ 60er, 70er und 80er Jahre. Das Ganze bestens aufgehoben und aufgemotzt in den entsprechenden Systemformaten. Stets und ständig aus der Froschperspektive eigener Befindlichkeiten und Verrenkungen heraus. So einseitig wie täppisch also. Dogmen-dämlich und Dauer-ulkig. Die notorisch abgegriffenen Reizthemen und Rührseligkeiten bieten Ruhmesblätter oder Fremdschäm-Augenblicke, Flüchtigkeitsmomente und Ewigkeitspostulate. Es muss immer auf Anhieb ziehen. Die Quote zählt. Das funktioniert nur noch über derlei Inszenierungsorgien, denen das hastig aneinander gereihte oder flüchtig gegeneinander ausgetauschte Archivmaterial lediglich als schneller Aufhänger dient, je nach Zweck oder Laune, und ohne Berücksichtigung irgendwelcher Zusammenhänge, die den eklektischen Schnelldurchlauf nur unnötig irritierten. Dieser zielt auf propagandistische Vereinnahmung und Vereinfachung sämtlicher Inhalte, die über griffige Parolen umgehend vereinheitlicht werden. Klischee-lastig bis zur Schmerzgrenze, und dabei zwangsweise von belehrungskonformer, politisch korrekter Totalität: geht die Chuzpe, als dauernde Anbiederung, meist auf Kosten der seinerzeit Altvorderen, Hauptamtlichen – irgend Verantwortlichen, deren Vertreter, jenseits sorgsam aussortierter Idole und glatt gebügelter Heldengestalten, allenfalls als depperte Dösköppe oder Alt-Nazi auftauchen. Angestaubtes Altväter-Personal. Absolut diskreditierungswürdig, diese ´Muftis´. Allesamt von vor-vorgestern. Während man selbst aber sowas von zeitgemäß drauf gewesen ist. Und dementsprechend an den Schwanzflossen hipper Zierfische hing, die als kunterbunte Frischlinge schon damals ein seichtes Gewässer bevölkerten. Solcherart konnte der Restbestand abgelebter Populationen, deren plumpe Abarten im neu entstandenen Biotop auch heute noch wie klobige Fremdkörper wirken, sicher verdrängt werden. Lebten diese ´Urviecher´ noch: sie würden ´ihre´ Zeit, dermaßen dargeboten, kaum wieder erkennen. Auch ihr Blick, einseitig geschärft, trübt an den Rändern ab. 

Ganz gleich, welchen ´Inhalten´ sich die Nachkriegsgeneration auch widmet: es kommen, zwangsweise, immer die dieselben Ergebnisse heraus. In Summa: WIR waren – WIR sind die Zukunft. Denn einzig WIR wussten und wissen, wo es lang zu gehen hat. WIR schaffen das! Alles zielte ja, schon ehedem, an sämtlichen Widersprüchen und Widerständen vorbei auf den erwünschten, heiß und innig herbeigesehnten Aggregatzustand einer weltumspannenden Dauerbeglückung, die zwar durchweg nur in den Köpfen dieser ´WIR(r)linge´ existiert, nichtsdestotrotz aber mehr denn je absolute Gültigkeit für sich beansprucht und auf ihr Recht, wirklich immer im Recht sein zu müssen, sowas von pocht. Die großen Aufreger von einst, als Tiefpunkte und Schauerpistolen: waren nur lauter Proben auf´s Exempel – wie man es ein für alle Mal richtig zu machen hat. Derart geht Aufarbeitung – so funktioniert Geschichtsklitterung. UNSERE Sechziger, Siebziger und Achtziger Jahre: so haben WIR sie erlebt – so habt IHR sie zu verstehen – danach hat das LEBEN sich auch und gerade heute zu richten. Mit viel Klamauk, der das Recht auf dauernden Spaß so billig wie beiläufig bescheinigt, wird dem Anspruch als solchem die Bahn gebrochen. Ob hohe Politik oder niedere Unterhaltung, Wissenschaft oder Wirtschaft, im globalen Ringen so gut wie im kleinkarierten nationalen Gerangel, vom Jugendkult bis zum Altersschmerz, zwischen Rotz und Wasser, Weihrauch oder ´Wünsch dir was´: in allem lief das Leben, verführerisch vieldeutig oder dennoch deutlich bis zum Augenschmerz: in Richtung ´Schöne neue Welt´. Die freilich in sich total widersprüchlich ist und bleibt. Verlogen, vor allem. Und verkommen sowieso. Um Paradoxien schert sich  indes kaum, wer zu den Trittbrettfahrern life-styliger Launen und Lächerlichkeiten zählt, die in Endlosschleife ein zunehmend abgestumpftes Publikum berieseln, dessen stupide Empfangsbereitschaft dem unsäglichen Hirnschiss entgegen kommt, der auf sämtlichen Kanälen kursiert. Trash rules. Die Beastie Boys rieten schon Mitte der Achtziger:“ You gotta fight – for your right – to party!“

Neuerdings nerven die politisch gleichsam korrekten Enkel besagter Bagage als Nachrücker das Publikum mit eigenen, ebenfalls ´besten Jahren´: füglich aufgehoben im obercoolen, groovigen Neunzigerjahrzehnt. Als Outro eines ganzen Jahrtausends, wird es derzeit gnadenlos verherrlicht bzw. nostalgisch verklärt und mit entsprechend ´huldigenden´ Schlagzeilen versehen. Der Grundtenor all dieser Bemühungen: verglichen mit einer zunehmend als bedrückend und bedrohlich empfundenen Gegenwart sei es in der ´guten alten Zeit´ noch sehr viel ungezwungener und unbeschwerter, vor allem: sicherer zugegangen. Ja, da sind sich Rave-Boomer und Alt-Ökos sofort einig, da kommen sie aus dem Schwärmen nicht mehr heraus, da werden sie vom G-Punkt nostalgischer Verzückung bis zum Anschlag gerührt und geschüttelt: schön war´s gewesen, und so unschuldig irgendwie. Eine Art goldenes Zeitalter also? Die Frage danach, wer es dann eigentlich nachträglich ´verkackt´ hat, wird bezeichnenderweise gar nicht gestellt. Schuld sind immer die andern, das ´WIR´ (siehe oben) wütet ausschließlich in wohltätigen oder wohlmeinenden Zusammenhängen, deren Richtwerte über jeden Zweifel erhaben sind und bleiben. So entsteht ein auf wenige Allgemeinplätze herunter gekochter Einheitsbrei, den man uns als ´Superfood´ verkauft. Offenbar hakte es nur an der richtigen Verdauung. Unsere Zukunftsgläubigen Digitaloptimisten sind freilich nicht für ´Durchfälle´, mehr für die optimalen Durchläufe zuständig. Um beim Vergleich zu bleiben: Wie lässt sich die derzeitige ´Diarrhö´ erklären, warum sind wir jetzt mal so richtig ´am Arsch´? Den Apologeten einer multitoleranten, ökologisch nachhaltigen, ausdauernd super gut gelaunten und neuerdings auf staatlich verordnete und rundumüberwachte Pseudo-Gesundheit getrimmten Gaga-Gesellschaft scheint letzterer auf Grundeis zu gehen. Es verhärtet sich der Verdacht, dass in den Partylaunigen ´Zirkusjahren´ ein Erbe verspielt oder verhökert wurde, das weniger für Gottgegeben, mehr für selbstverständlich gehalten worden ist, wie denn etliches von dem, worauf man sich heute so viel einbildet, mit heißer Nadel gestrickt oder eilfertig über´s Knie gebrochen zu sein scheint. Da ist also wenig gestaltet, das meiste nur auf Kredit verwaltet und vor Ablauf un(v)erlässlicher Schonfristen schon wieder verschlampt oder verausgabt worden.

Dem entspricht der öde Leerlauf rauf und runter geleierter Anglizismen in besagten Inszenierungen. Die auf wenige begriffliche Worthülsen herunter gebrochenen Cash´n Crash Codes einer globalorientierten, als smart und sexy geltenden, richtig coolen, super-egomanen Finanzelite reichen dieser zwecks Kommunikation voll aus und entsprechen in punkto Schwachsinn den ziemlich artverwandten Halbsatzverrenkungen aus der Pop-Sprech-Sparte, die als ´Verbalspasmen´ längst sämtliche Räume gesellschaftlichen Verkehrs regeln und bis zum Abwinken signalisieren: es war und ist – ein einziges großes WOW! Die Neunziger, total trendy und perfekt gestylt, haben halt rundum gebockt und knalle gerockt, also allen Beteiligten ganz toll gefallen. Nur zu verräterisch kommt hier der Provinzialismus einer bis dato  enorm begünstigten Kaste Vollkasko-alimentierter Günstlinge zum Ausdruck, deren Angehörige ehedem aus sicherer Entfernung und in zunehmend künstlicher ´Scheinverweltlichung´ dem tollwütigen Treiben dieser aus den Fugen geratenen Welt zu sahen, ohne begreifen zu wollen, dass die Einschläge irgendwann einmal näher rücken könnten: bis vor den eigenen Gartenzaun, der als Plastik von der Stange oder Billigspan vom Ikea die heile Welt von der harten, Betonversiegelten, ätzend nachgeteerten Straße trennt.

Spätestens seit dem elften September häufen sich die Miseren, taumelt auch die westliche Welt wieder von einem Schlamassel in den nächsten. Ohnmacht und Ratlosigkeit machen sich breit. Jeder spürt: das Leben ist ein Risikogeschäft (geblieben). Mit oft hausgemachten, weil Interessegeleiteten Verlustgeschäften. Wer ständig auf die Zukunft zockt und in Krisenzeiten die Erträge verbrennt: guckt anschließend, kleckerlicher Ersparnisse ledig, nur noch dumm aus der Wäsche. Inflationäre Lebensweisen rächen sich grundsätzlich; früher oder später. Es reichen dann schon geringste Anlässe; ein winzig kleines Virus, von Wuhan aus der Welt als bloße Angstchimäre vererbt, durchaus nicht ausgenommen. 19 Monate Ausnahezustand bescheren uns jetzt erste Versorgungsengpässe und Preishypertrophien, wie denn die bunte Ampel (so sie denn zustande kommt) dafür sorgen wird, dass der Alarm-Modus bestehen bleibt und weitere Notstände feiert. Sie wissen schon: Klimaneutrales Wirtschaften, bis zum abwinken – bis in den Schrecken einer echten Inflation hinein, die dann Zustände zeitigen könnte, von denen uns die gesaubeutelten Griechen ein garstig Lied singen. Ganz zum Schluss wird jene Handvoll Ultra- Kapitalträchtiger Potenzprotze, deren Vertreter sich bereits wie Halbgötter fühlen und soeben die irdische Stratosphäre durchbrachen, auf den angehäuften Milliarden sitzen bleiben, weil die unentbehrlichen Verwertungsketten kraft eigener, nicht enden wollenden Maßlosigkeit dann nicht mehr existieren. Sie teilen sich den Kuchen Erde gerade untereinander auf, was freilich keiner so recht merken will.

Bis dahin: Panik allenthalben. Wo ist eine höhere, nein: höchste Instanz, an die man sich in miesen Zeiten, wenn alles drunter und drüber geht und nichts mehr abschätzbar scheint, ohne vertragliche Vorbehalte wenden mag? Einfach – als Mensch? Ein auf NDW-Retro getrimmter Song aus den frühen Nullerjahren – ´Die Reklamation´ von ´Wir sind Helden´ – bringt den Anspruch der naiv zukunftsgläubigen, von der Wiege an verwöhnten und nun recht eigentlich ´verlorenen´ Generation hübsch auf den Punkt:“ Guten Tag ich will mein Leben zurück!“ Bezeichnend, dass in dem affigen Text ständig Forderungen gestellt werden, der Adressat selbst aber völlig unbestimmt bleibt. Da macht nur noch in öder Beliebigkeit die hektische Runde, was vom Konsumgesteuerten Anspruch übrig ist – daneben oder darüber gibt es gar nichts mehr. Somit verpufft der Protest. Denn von den Gewissheiten der Alten, die noch Trost spendeten und der Hoffnung auf ein besseres Leben Treu und Glauben schenkten, blieb denen, die sich am Abglanz ständig mutierender Modernismen und Monstranzen in Phasen hektischer Betriebsamkeit nahezu besinnungslos berauschen, lediglich ein schaler Bodensatz. Die alten Götter sind zum Teufel gefahren; der Beelzebub prämiert nur goldene Kälber.

Die Welt mutiert zum Projekt. Der Einzelne ist, so gut es ihm in punkto Wellness und Komfort noch immer gehen mag, nur mehr Proband. Als Testperson hat er sich den Versuchsreihen zu fügen, die dem Fetisch reiner Effizienz entsprechen, von dessen Renten er jetzt lebt. Überfordert in allem, weil immerzu damit beschäftigt ´mitzuhalten´, um nur ja keinen der zahllosen Innovationsschübe zu verpassen, ähnelt der Homo Digitalikus einem gehetzten, restlos entwurzelten und dementsprechend Basislos gewordenen, leicht manipulierbaren, verlässlich abstumpfenden und gleichzeitig ungemein erregbaren Geschöpf. Das zu verinnerlichende Narrativ lässt sich all denen, die mangels echter Überzeugungen, Prinzipien und Grundsätze immer ´empfänglicher´ werden, leicht eintrichtern bzw. zum Sparpreis ´verabreichen´. Sei jetzt dabei – hole dir noch heute dein Update. Oder einen Piks. Der Mensch als betreutes, seiner selbst entmündigtes oder entfremdetes Käfigtier. Für jeden unnötig gewordenen Handgriff hat´s ein passendes Pendant. Analoger Alltäglichkeiten zunehmend entwöhnt, wird dieser Prothesen-Depp zunehmend empfänglich. Die Verlockungen kommen, als Sprüche, dämlicher denn je rüber – umso besser zieht es! Verstrickt in lauter Extravaganzen, vergaß der Typus Möchtegern-Mensch völlig, erst einmal das je Nächste oder Notwendige zu tun – den unverzichtbaren Grundbestand zu sichern. Vor allem: nicht gleich alles vom altmodisch Analogen über Bord zu werfen oder in die Tonne zu kloppen. Bricht das fragile System der Fern, – und Fremdsteuerung einmal dauerhaft in sich zusammen, hat´s kaum noch welche, die nach natürlicher Maßgabe den Weg zurück fänden, Richtung Anfang sozusagen, der meist am Ende steht und den Zusammenbruch markiert. Wellness-Individualisten sind jetzt nur noch total überrumpelte Tagelöhner schneller, längst verspielter ´Start Up´- Konjunkturen: die schenken den nutzlosen Sollwerten austauschbarer Statistiken mehr Glauben als ihrem eigenen, arg heruntergekommenen Urteilsvermögen. Wo man hinschaut: lauter Zöglinge! Dieser Tage stehen die ´vollständig´ (!) Gepimpten schon wieder wie Schafe Schlange, um sich ´ihren´ Booster abzuholen. 2G Plus (klingt wie ein Gutschein vom Aldi) wird dafür sorgen, das aus einer Pandemie der Ungeimpften eine der Geimpften wird. Dann kommt der Schock-down.

Das vom Wohlstand bis in den Abgrund seiner Seele korrumpierte Wesen wird also wieder deutlich höriger; lässt sich entsprechend abrichten bzw. konditionieren, ´kundig´ beraten und banal ´berechnen´. Auch daher rührt die Sehnsucht nach dem Gestern: im Hier und Heute taucht das Original nur noch als Kopie auf, die Novität weicht dem Produkt von der Stange – das Besondere verflacht und wird rasend schnell gewöhnlich. Allem fehlt das Wesentliche, Einmalige – der allumfassende, unverkennbar transzendente ´Hauch´. Nach dem sich, im letzten, noch immer jeder, japsend bis zum Anschlag, verzehrt. Das liegt uns nämlich in den Genen, das gehört zur Stammesgeschichte, die im Analogen wurzelt; nirgends sonst. Darüber wachsen wir niemals hinaus. Jenseits aller Domestikationsversuche, die als clever ´geappte´ Angleichungsprogramme auf Abrichtung zielen und mit den Wünschen derer spielen, die wie Zombies an zahllosen Justierungen der Silicon Valley Clique baumeln: bleiben wir ´Kinder  vor dem Herrn´. In einer total sinnentleerten Welt herrscht daher eine ´seelische Hungersnot´ (Wolf Dieter Storl), deren Leidtragende den Fata Morganen sektenähnlicher Verheißungsprofiteure auf den Leim gehen, die ihre Gewänder pausenlos wechseln, wiewohl der Stoff immer derselbe bleibt. Vom alten, abgewetzten Bestand zehren, in letzten Resten, nur die recht Vorgestrigen. Solche zeigen sich sehr anfällig: für Manipulationen jeglicher Art. Mit denen kannst du, das merken wir jetzt, machen was du willst. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Lug und Trug also: und ganz viel Heuchelei. Das zieht sich so durch die Jahrzehnte; bis ins nostalgisch verklärte, allerletzte eines ganzen Jahrtausends.

Die Neunziger waren nicht nur Mauerfall und nachgeholter Malle-Urlaub, Techno-Fieber oder Love Parade, Nintendo, Macarena – Mambo Number Five. Schon zu Beginn des Jahrzehnts konterkarierte der Golfkrieg das krampfhaft fröhliche Ambiente einer permissiven, protzkackigen Überflussgesellschaft. Passend hierzu krachte die föderative Volksrepublik Jugoslawien auseinander, ein annähernd fünfjähriges, bluttriefendes Chaos nach sich ziehend, Schneisen der Verwüstung und Vernichtung zeitigend, die bis dato keiner mehr (auf europäischem Boden) für möglich gehalten hatte. Noch bevor die Waffen schwiegen, ereignete sich andernorts der größte rassistisch motivierte Genozid der Nachkriegszeit, im winzig kleinen Ruanda, begangen von Schwarzen an Schwarzen. Das Morden und Metzeln setzte sich im benachbarten Kongo fort, mit schätzungsweise bis zu drei Millionen Toten, auch hier ganz ohne ´weiße´ Beteiligung; und ohne, das es ´die´ Weißen irgendwie bekümmert hätte. In Afghanistan tobten zeitgleich blutige Stammesfehden, bevor dann die Steinzeitkrieger der Taliban ihr finsteres Regiment eröffneten (erinnert: es geschah vor gut einem Vierteiljahrhundert und deckt sich bis in letzte Einzelheiten mit den aktuellen Vorgängen, die ja auch – bis zuletzt – keiner für möglich halten wollte). Von alledem unberührt, wurde im ´freien Westen´ auch weiterhin so ausdauernd wie unermüdlich vom ´Weltfrieden´ und dem ´Ende der Geschichte´ philosofaselt. Man jubelte über das Abkommen von Oslo; Israelis und Palästinenser hatten sich gerade, auf dem Papier, über einen Status Quo im Heiligen Land verständigt. Wir wissen, was daraus wurde; was der Fetzen wirklich wert war. Das Jahrzehnt endete mit der Bombardierung Belgrads durch Kampfflieger der NATO, deren Einsatz alles andere als unumstritten war. Im Vorfeld wurde viel demonstriert und schwadroniert, aber als es dann losging, ebbte die Empörung erstaunlich schnell wieder ab, wie ehedem beim Golfkrieg des Herrn Bush sen., denn derlei Dreckskriege spielten sich ja irgendwo da draußen ab, jenseits der eigenen Komfortzonen also, zu viel Muffel hätte nur die gute Laune verdorben, die man mit dieser Zeit nun einmal bis heute verbindet, weil alles Übrige allenfalls als ´Fast Food´ in den Nachrichtenformaten auftauchte: man konnte den Frass entweder schnell runter würgen oder gleich auf dem Kompost entsorgen. Nicht wenige taten derlei lästige Ärgerlichkeiten mit einem unverbindlichen, arroganten Achselzucken ab. Oder bemoserten hochmütig, was sie nicht verstanden, frei nach dem Motto: die können sich halt einfach nicht vertragen, diese Leute da hinten oder da unten oder wo sich der mörderische Murks gerade abspielte. Als im kroatischen Ostslawonien die herrliche Barockstadt Vukovar in eine einzige Trümmerwüste verwandelt wurde und seine Bewohner wie aschfahle Gespenster in den zerbombten Kellerschächten vegetierten, vollkommen apathisch und vorzeitig ergraut, sogar Kinder und Neugeborene: kratzte das eigentlich keinen. Die Reaktion war immer dieselbe: die spinnen, deine Jugoslawen. Geh mir weg mit denen. Im benachbarten Bosnien-Herzegowina entdeckte man dann sein Herz für die dort ansässigen Muslime, deren Zivilisten aber in Srebrenica schmählich ans Messer geliefert wurden. So hart es klingt: sorgte das nur für die unentbehrliche Empathie-Spritze, mit der du nachträglich dein Gewissen impfst, das immer über jeden Zweifel erhaben bleibt und sich in später Empörung selbst genießt. Wellness für´s eigene Gemüt: für die entsprechenden Gedenkminuten und Mahnwachen, deren routiniert herunter geschleimte Inszenierungen umso übler aufstoßen, je rührseliger die falsche Begleitmelodie ausfällt. Der Internationale Strafgerichtshof urteilte im Laufe der Zeit böse alte Männer ab, aber wo war die UNO, als es wirklich darauf ankam, als man noch ohne viel Federlesen dem Spuk ein rasches Ende hätte bereiten können, wo war hierzulande der Protest, der Aufruhr – die Empörung?

Fehlanzeige. Denn das alles hatte null und nichts mit einem selbst zu tun. Die Welt, in der man zu leben glaubte, glich einer Blase. Die ist längst geplatzt. Trotzdem feiert der Party-Gau unvermindert fröhliche, immer peinlicher anmutende Notstände. Heute mehr denn je und trotz Corona. Die entsprechenden Auswüchse kulminieren jetzt in den seinerzeit erst im Aufbau befindlich gewesenen, nunmehr als digitale Parallelwelten dem Analogen ´nachhelfenden´, sogenannten ´sozialen Netzwerken´. Das allzu früh verkündete Ende der ´Spaßgesellschaft´ bestätigt also nur den notorischen, hochkonjunkturellen Fortbestand derselben im künstlichen Pendant, bis zum wirklich bitteren, dann wohl end-gültigen Strich, der jeden Schluss, gleich einer Ziellinie, markiert. Passend dazu übrigens die roten Linien: immer häufiger gezogen, um lästige Debatten, denen man früher eher aus Bequemlichkeit auswich, im Keim zu ersticken. Soll heißen: hier darf es gar nichts mehr zu diskutieren geben, denn hier steht längst fest, was falsch ist und was richtig. Hier hat man eben ´alternativlos´ einer einzigen Meinung zu sein. Das bezieht sich nicht nur auf Cancel Culture, das meint vor allem die großen Themen unserer Zeit. Ob Klimawandel, Flüchtlings-Schwemme oder Covid-Hysterie: da wird neuerdings ganz ungeniert zensiert, indem man einfach löscht, was nicht ins verordnete und vorgezeichnete Zerrbild passt. Da ist eine breite öffentliche Auseinandersetzung mit wirklich unterschiedlichen Ansichten und Anschauungen weder erwünscht noch irgend möglich. Wer den konsekrierten Allgemeinplätzen auch nur um Haaresbreite widerspricht wird umgehend ´geteert und gefedert´ oder, ist seiner Profession schwer beizukommen, totgeschwiegen. Ja, wahrlich und wahrhaftig: hier hört er auf, der nimmermüde, nie verzagende Dauerspaß!

Das tat er bereits in verräterischen Ansätzen betreffs Multikulti. Was darunter konkret zu verstehen sei, konnte dir damals noch keiner so genau sagen. Darum ging es auch gar nicht. Multikulti funktionierte zunächst als kunterbunter Kindergarten der Marke ´Habt euch lieb´ – Weltverbesserung  für Dummies. Der Fokus richtete sich früh auf jene vielzitierte kulturelle Bereicherung durch die ins Land gekommenen, außereuropäischen Menschen – ganz gezielt ohne Beimischung autochthoner Anteile. Als echte Mogelpackung sorgte der begriffliche Allgemeinplatz gerade in den 90ern für viel Furore und schlug einer Art gewendeten Kolonialismus scharfe Schneisen. Ab sofort durftest du sowas von stolz und traditionsbewusst als Nicht-Weißer auftreten, deine kulturellen Merkmale – ausdrücklich auch Hautfarbe und Religion – betonen und ausreizen: ´der´ Weiße – alt und männlich obenan – hatte dies infolge fünfhundertjährig schlechten Verhaltens definitiv nicht mehr zu tun. Multikulti graste, zunächst weniger als Anspruch, mehr in Form einer unverbindlichen Wohlfühl-Volte, früh sämtliche Felder öffentlichen und privaten Lebens ab, blieb per definitionem vieldeutig und wandelbar, was seiner raschen Verbreitung und baldigen Heimtücke sehr entgegen kam. Keiner sollte, keiner konnte sich den zunehmend aufdringlichen, auf Inhaltsarme Assoziationen herunter gekochten, im luftleeren Raum umherschwirrenden Parolen und Programmen entziehen. In einer nur vordergründig frischen, recht eigentlich künstlichen, mit viel Zusatz aufgepumpten, zunehmend schwül-gewittrigen Atmosphäre gedieh das unselige Kriecher, – und Schleimscheissertum unserer Tage. Der politisch korrekte ´Dauer-Mitläufer´ entstand. Er beruft sich im Zweifel immer auf die Geschichte (der letzten 500, zweihundert oder zwölf Jahre), spielt ständig mit dem schlechten Gewissen und hat das gute dauernd auf der eigenen Seite. Aus einer Wellness-Nummer wurde so ein zunehmend aggressiv und missionarisch auftrumpfender Kolossaldogmatismus, mit lauter Kampfansagen, die längst wie echte Dekrete anmuten. Heute ist Multikulti ´angekommen´: Verbote und Verwünschungen, Verordnungen und Verfahrensdiktate, Hetzkampagnen und Denunziationsorgien  regeln den öffentlichen ´Verkehr´ – wer sich nicht Eins zu Eins an die ´Schildsätze´ hält, wird mit ´Fahrverbot´ belegt. Kleinste Auffälligkeiten oder Unsauberkeiten werden von selbsternannten Tugendwächter*Innen umgehend registriert und schonungslos geahndet. Dieser der ´einfachen´ Mehrheit aufgezwungene, unsäglich rechthaberische Minderheiten-Imperialismus, regelt mittels permanenter Unterstellungen schon vorab das Kräfteverhältnis und hat sämtliche Räume des öffentlichen oder privaten Lebens in Windeseile vereinnahmt. Er stellt im Grunde eine vorweggenommene Flurbereinigung dar, der sich auf europäischem Boden hauptsächlich die Ost, – und südosteuropäischen Nationen noch immer hartnäckig widersetzen.

Seltsam, wie sich diesbezüglich Geschichte weniger wiederholt, mehr in verräterischer Affinität gefällt, die entlang kaum zu leugnender Divergenzen wahrhaft Wesentliches offenbart. Als das römische Imperium im Jahre 395 n. Chr. endgültig in einen östlichen und einen westlichen Teil zerfiel, schien die alte Einheit weiterhin gewahrt: das römische Staatsvolk (beiderseits der Demarkationslinie) glaubte trotz aller Streitigkeiten und Dispute ganz fest an eine Sacra Unita, weil seinerzeit noch keiner wirklich begriff, welche Konsequenzen sich für alle Beteiligten aus einer Konstellation ergaben, die den hergebrachten Bogen bereits überspannte. Ostrom wurde zum mächtigen, ein volles Jahrtausend seinen Bestand wahrenden und behauptenden mächtigen Block, Bollwerk wider anstürmende Muslime, mongolische Steppenreiter und slawische Einwanderer, welch letztere sich dem hehren sakral-zivilisatorischen Ideal bald freiwillig anglichen und eigene Reiche gründeten; die kroatischen Ankömmlinge neigten dem katholischen Westen zu. Wie auch immer: blieb das byzantinische ´Modell´ unverändert konservativ, eigentümlich versponnen und trotz hoher Gelehrsamkeit rigoros versiegelt. In seiner territorialen Ausbreitung ständig wachsend und schrumpfend, kultivierte der letztverbliebene spätantike Herrschaftsbereich eigene Präferenzen und Preziosen, die stets den Charakter heiliger Offenbarung in sich bargen und so im Laufe der Jahrhunderte einen Gesellschaftskörper ermöglichten, dessen reine Gestalt die Epoche des Mittelalters glanzvoll überstrahlte. Er wurde so zum Vorbild all derer, die drüben, als Nachfolger der Cäsaren, ein Erbe zu verwalten hatten, dem sie qua Herkunft nie gewachsen waren, wiewohl in einer fast eintausend jährigen Genese der Umschlag in das, was wir Moderne nennen, auf verblüffend vieldeutige, bis heute unerhört dynamische Art und Weise gelang.

Der Abstand zum prächtigen Osten konnte anfangs kaum größer sein. Die immer wieder anbrandenden Einfälle barbarischer Stämme wurden von den ersten Statthaltern des zweiten Rom clever umgeleitet, ins ursprüngliche Reich hinein, deren angezählten ´Eliten´ nicht mehr gelang, das bunte Volk zu bändigen, zu ´echten´ Römern zu erziehen. Westrom, das alte Rom: zerbrach. Ostrom, als ein Neues von ehrwürdiger, ganz in der Überlieferung wurzelnder Substanz: hielt sich dauerhaft, bis in den Vorabend des Reformationszeitalters hinein.

Auch in der europäischen Union, deren Machtzentren Berlin und Brüssel darstellen, hat sich an dieser Ost-West-Teilung, die der kalte Krieg verlässlich einfror, kaum etwas verändert. Nihil sub sole novum. Der slawo-orthodoxe Osten, in der Abwehr des Islam seit je an vorderster Front, setzt weiterhin auf Abschottung und Konzentration. In den Visegrad-Staaten verwahrt man sich mit Nachdruck gegen eine völlig verfehlte Migrationspolitik, wie denn die quasi-absolutistische, als anmaßend empfundene Bevormundung und Vereinnahmung durch die EU Volk und Staat eint. Dieses mega-staatliche, Monozentristische Gebilde wird, machen wir uns nichts vor, gerade durch den hemmungslosen, irreversiblen Zustrom an Flüchtlingen vornehmlich muslimischer Konfession in seinem inneren Gefüge erschüttert und muss auf lange Sicht zerfallen. Ahmten die Barbaren noch das vorgefundene Modell nach, wird das den Rechtgläubigen, die einen eigenen, allzu späten Rigorismus exekutieren, kaum in den Sinn kommen. Ganz im Gegenteil. Man vergleiche das heutige Berlin mit dem gestrigen Rom, die Bundesrepublik mit dem Imperium der Soldatenkaiser: Anspruch und Wirklichkeit, Größenwahn und Machtverlust bedingten einander in füglicher Verrechnung. Von Hausgemachten Krisen geschüttelt und den nur bedingt loyalen Zuwanderern herausgefordert, scheiterte das späte Kaiserreich letzthin an eigenem Unvermögen und mangelnder Selbstbehauptung. Es fühlte sich indes, bis zuletzt: ewig während, ewig richtend. Der abgefallene Osten wurde vor allem als häretisch, abtrünnig – wiederborstig wahrgenommen. Doch wahrte Byzanz das Erbe abendländischer Couleur. Der Westen fiel weit dahinter zurück. „Alles, was zu groß geraten ist,“ fand Oswald Spengler,“ geht an der Kleinheit seiner Erben zugrunde.“ Das galt am Ende sogar für das übertausendjährige Großreich selbst. Während der entscheidenden Belagerung durch die Osmanen im Jahre 1453 disputierte man am Hof von Konstantinopel allen Ernstes über die ´Natur der Engel´.

Die Interessenhypertrophien mächtiger Konzerne geben heutzutage reif und dekadent gewordenen, in lauter Exzentrik verstrickten, orientierungslos vor sich hin dümpelnden oder lärmenden Gesellschaften des Westens verlässlich den letzten Rest (die sogenannten ´Entwicklungsländer´ hatten und haben sich den entsprechenden Diktaten seit je zu fügen). Im sich anbahnenden Pharma-Faschismus unserer Tage werden, das zeichnet sich dieser Tage in aller Deutlichkeit ab, die Möglichkeiten von Big Data mustergültig in die Tat umgesetzt. Es scheint, als hätte die meist in gebeugter Haltung parlierende Generation Smart Phone nur darauf gewartet, solcherart verlässlich ab zu buckeln; als atme sie nunmehr, mehr denn je auf ihre künstlichen Räume reduziert, ganz erleichtert und befreit auf: endlich dürfen wir das lästige Denken vollends aufgeben, endlich werden wir geholfen, endlich darf mal jeder ohne Ausnahme einfach nur los lassen und feste mitmachen, im großen Spiel das den vielen kleinen gleicht, denen man sich täglich in hirnerweichender Besinnungslosigkeit ergibt. Corona vermochte sogar ´Fridays for Future´ auszubremsen, die doofe Schule obendrein, aber die soll ja eh passend nachgerüstet, sprich: digital aufgemotzt werden. Das wird den ´Bildungsraum´ zusätzlich und nachhaltig prägen, also: die angestammten Aufträge (´Basics´) ´entsorgen´.

Wir alle sind ja längst unter eine uns fortlaufend entmündigende, Dauerüberwachende Total-Kontrolle geraten, die gesunde Menschen dazu zwingt, ihre ´Unschuld´ entlang vorgeschriebener Prozeduren permanent nachweisen zu müssen. Als immerzu Verdächtige – nicht Kranke – müssen wir ständig neu unter Beweis stellen, nicht ansteckend, also: keine ´Gefährder´ zu sein. Potentiell bleiben wir es aber ein Leben lang: bis zum nächsten Abstrich oder ´Piks´. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis man auch unsere ´geheimsten´ Gedanken unter Generalverdacht stellt und den wirklich bösen, die dann mittels neurotechnischer Befunde mühelos ermittelt werden, schon entgegen tritt, bevor sie Taten werden können? Asymptomatisch positiv Getestete stecken sie derzeit noch in Quarantäne, unschuldig gebliebenen ´Böse-Denkern´ könnte es in einer nicht mehr allzu fernen Zukunft ähnlich ergehen. Irgendwann ist man dann soweit, den ´ungesunden´ Menschenverstand passend und in widerkehrenden Zyklen ´nach zu impfen´,  bis mittels genetischer Updates die richtigen Ausgangslagen schon im Vorfeld sichergestellt werden: hier kann man noch einmal passend aussortieren oder nachbessern. Solcherart erübrigt sich alles Weitere. Die ´Brave New World´ der Herren Schwab und Co. ist damit endgültig aus dem Schatten zwielichtig gebliebener ´Pädagogik´ herausgetreten und uns allen mal so richtig in Fleisch und Blut übergegangen. Dieselbe dient aber der Festigung einer Macht, die mittels totaler Kontrolle unangreifbar wird. Sie soll erst recht und dann auch ziemlich endgültig dem Wohle der Allgemeinheit dienen; eben: der ´Volksgesundheit´ – so versichert man uns ja heute schon. Der Mensch von morgen wird sich gegen derlei ´Zwangsvollzug´ kaum noch zur Wehr setzen können. Volksschädlinge, wie es die Covidioten gegenwärtig sind, sieht das System nicht mehr vor. Big Data weiß alles, darf alles – macht alles: fertig. Wer so selbstherrlich und selbstvergessen in die altehrwürdigen Kreisläufe des Lebens eingreift, indem er seine wechselseitigen Bezüge nach Maßgabe hintertreibt, der entrechtet dieses Leben und bringt es derart verlässlich zur Strecke. Sie wissen nämlich gar nicht was sie tun – aber gründlich tun sie es. Und wie.

Folglich machen derzeit fast alle ganz unbedarft, eben: wie fremdgesteuert mit. Die Gemeinde der Treuhündischen darf demnächst ohne jeden Zweifel an den Richtwert weiterer, diskret nachjustierter PCR-Tests glauben, passend zu diversen Krankheitsbildern, – und Verläufen, die jenseits der Etikettierungen allesamt längst bekannt sind und womöglich durch Big Pharma passend verstärkt oder ausgelöst werden. So können diskret vorbereitete Gen-Präparate an Mann und Frau, an Spatz und Esel, an dich und mich und alle anderen verabreicht werden. Verschwörungstheorie? Die letzten 19 Monate waren eine einzige, nie für möglich gehaltene, global wirksam gewordene, multipel ausschlagende, nunmehr restlos akzeptierte und bis in die letzte Eingebung beglaubigte XXL-Verschwörung. Sie kommt nicht ohne ´kollektiven Koller´ aus. Ahnungslosigkeit macht gefügig. Und empfänglich. Kommt dann, passend geschürt, der Faktor ANGST ins Spiel, kannst du mit den Menschen machen was du willst. Sie werden zu allem nur noch Ja und Amen sagen. Wir erleben es in Reinkultur. Sämtliche Archetypen spielen verrückt. Als der Herr Spahn noch im Oktober, auf freilich eigene Art und Weise, Entwarnung gab, glaubten ihm die Menschen. Wie sie nun, kurz darauf, ganz fest an eine Apokalypse glauben, die man ihnen zum nunmehr zweiten Male vorgaukelt.

Was macht das mit uns allen? Während die Masse zunehmend höriger, das will heißen: fanatischer wird, gebärden sich ´die da oben´ immer rachitischer. Leute, die in leitenden Funktionen tätig sind und nicht ohne Grund da hingekommen sind, werden zunehmend herrisch, ungeduldig – rabiat. Achten sie drauf! Die meisten sind schon ganz heiß darauf, endlich sämtliche Hemmungen fallen zu lassen und im Söderschen Sinne knallhart durch zu regieren. Die nicht minder empfänglichen, wiewohl weniger temperamentvollen ´Statthalter´ quälen sich in selbige Richtung vor. Sie übernehmen die Schlagworte der vielbewunderten ´Tatmenschen´ und machen sich diese entlang vorgekauter Rechtfertigungen zu Eigen.

Zur begleitenden Propaganda hat einer ihrer Meister schon gesagt, was gesagt werden muss. Wir sehen seine Aussagen heute glänzend bestätigt. Corona macht´s vor.“Wenn du einmal angefangen hast zu lügen,“ so weiland Joseph Goebbels,“ dann bleibe auch dabei!“ Derzeit in dauernder Variation, um die wenigen Allgemeinplätze zu retten, an denen man stur festhält. Der Endsieg gegen Covid verlangt es ja. Hitlers zweiter Mann wusste:“ Eine Lüge muss nur oft genug wiederholt werden. Dann wird sie geglaubt.“ Von lebenswichtiger Bedeutung für den Staat sei es, so Goebbels ferner, seine gesamte Macht für die Unterdrückung abweichender Meinungen einzusetzen – das geschieht auf YouTube und in den übrigen ´sozialen Netzwerken´ sogar im Nanosekundenbereich. Gleichzeitig sei es das „Geheimnis der Propaganda, den, den die Propaganda fassen will, ganz mit den Ideen der Propaganda zu durchtränken, ohne das er überhaupt merkt, dass er durchtränkt wird.“ Erwähnten Allgemeinplätzen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu:“ Die brillanteste propagandistische Technik wird keinen Erfolg haben, wenn nicht ständig ein Grundprinzip beachtet wird – sie muss sich auf einige Punkte beschränken und sie immer wiederholen.“  Achten sie im derzeitigen Panikorchester auf die entsprechenden ´Stimmen´. Die sollen weniger überzeugen, mehr verlässlich betäuben. Goebbels:“ Es ist nicht die Aufgabe der Propaganda, intelligent zu sein; ihre Aufgabe ist es, zum Erfolg zu führen.“ Vor allem in der Beurteilung der Masse Mensch hat der große Hexenmeister voll ins Schwarze getroffen.“ Die niederen Massen sind meist viel primitiver als wir denken. Das Wesen der Propaganda ist deshalb unentwegt die Einfachheit und die Wiederholung. Es kann also gar keiner sagen, eure Propaganda ist zu roh, zu gemein oder zu brutal. Sie soll gar nicht anständig sein. Sie soll zum einen Erfolg führen.“

Der Mensch von übermorgen wird die begleitenden Lügen als Wahrheiten längst anerkannt und zu den Akten gelegt haben. Es täuscht sich sehr, wer meint, man werde später mit einem Kopfschütteln auf all den Irrsinn zurück blicken, den wir uns derzeit leisten. Wer bleibt schon übrig, solches zu tun? Eine Handvoll Global Player, vom Geist des Globalkapitalismus infiziert und digital bestens gerüstet, schafft diese Art Mensch gerade in Rekordgeschwindigkeit ab. Und mit ihm alle übrig gebliebenen Freiheiten, die nicht mehr den grenzenlosen Vernetzungs, – und Verwertungsphantasien entsprechen, deren Lug und Trug immer im Maßlosen wurzelt. Luziden Planungshypertrophien Digitalbereichernder Couleur entspricht ein alter Fetisch. Der Wahn vom Halbgott auf Erden reicht zurück bis in die Zeit der Pharaonenhäuptlinge. Ihre Nachhut bleibt, auf eigene Weise, mit Blindheit geschlagen: für alles bloße Natürliche, Analoge – altmodisch Wirkliche. Die ultimativen Weltbeglücker folgen hier, seltsam gläubig, einem Ideal, das sich am perfekten, nicht länger stammesgeschichtlich ´geminderten´ Menschen orientiert, der als transhumanes Ungeheuer alles weiß und doch nichts kennt, alles beherrscht ohne noch irgendetwas zu begreifen – der alles kann und gar nichts ´schafft´. Die Sekte aus dem Silikon Valley beansprucht Weltgeltung für ihre real-utopischen Alpträume. Ihre Esoterik, deren Evangelien eine Absolutheit beanspruchen, die mittels weltweiter Vernetzung bereits das passende Gewebe zwecks Straffung spannt, gründet auf der Machbarkeit von allem – auf multidigitaler Durchdringung und restgültiger Umformung sämtlicher Lebensbereiche und Empfindungswelten. Die Novizen setzen, um den Wahn in die ständige Tat umsetzen zu können, auf eine immer lückenlosere Kontrolle. Ihre ´Kirche´ ist der keimfreie Raum, ihre Gewissheiten fußen auf den Zahlen 1 und 0. Sie halten das analoge Leben für erledigt, Perfektion für geboten und sämtliche bisherige Systemeigenschaften menschlicher Gesellschaftsentwürfe für angeranzt, überholt und überkommen. Im Grunde noch immer auf altmodische Verwertungsautomatismen setzend, darob die wechselseitigen Bezüge des Lebens nicht einmal kopierend oder nachäffend, nur in lauter Kausalien umbiegend: entmannen sie dieses Leben, indem sie sämtliche Bestandteile passend sterilisieren und damit ihren keimfreien Ersatzwelten gefügig machen. Eschatologisch im Anspruch, chiliastisch in der Erwartung: entwerfen die Smart People des Silikon Valley ein Modell der Zukunft, das paradoxerweise keine Wünsche mehr vorsieht und doch immer neue produziert: je vorgesehene oder perfekt nachfabrizierte. Die biologische Evolution gilt als abgeschlossen. Das Mensch-Maschine-Wesen zehrt vom Ertrag künstlicher Intelligenz, deren Potenz ins Unermessliche wächst. Exponentiell. Alles wird, diesem Irrwitz folgend, laufend optimiert und somit immer effizienter. Die je vorgefundenen Biotope müssen dementsprechend umgeformt bzw. transformiert werden – und mit ihnen jeder einzelne von uns. Raymond Kurzweil, Leiter der technischen Abteilung von Google, bringt den begleitenden Anspruch wie folgt auf den Punkt:“ Does god exist? Well, i would say, not yet.“ Diese Leute allein wissen, was uns frommt, was uns gut tut und was nicht, denn uns fehlen einfach Informationen, die sie, Halbgötter im Datenrausch, Milliardenfach abgreifen ohne je wieder damit aufzuhören zu wollen. Sie ordinieren eigene Priester und beschäftigen Ablasshändler in sämtlichen Bereichen öffentlichen und privaten Lebens. Uns alle möchten sie zu Jüngern erziehen, deren Ergebenheit nur den Anschein selbstbestimmten Mitmachens trägt. Der visionäre Überschwang reicht, als vollendete Selbstvergessenheit, bis zur transhumanen Unsterblichkeit, die sich in der Entropie einer Planungsirrsinnigen Perfektion verewigt und damit alle Aspekte des Lebens zu steuern glaubt. Äußerster Rationalismus paart sich hier mit einem Irrationalismus, der nur uns ´normal´ gebliebenen pathologisch erscheint. Die auf grenzenloses Wachstum abgestellten Optimierungs, – und Übertrumpfungsorgien, einseitig kommunikationstechnisch exekutiert, muteten noch vor zwanzig Jahren überkandidelt an. Freilich: ist ja schon jeder von uns in die Falle, sprich: ins Netz der posthumanen Tarantel geraten. Was sind grüner Pass, bargeldloser Verkehr oder die Einführung eines Grundeinkommens denn anderes als erste, wiewohl entscheidende Versuche (faschistoide ´Frühchen´ sozusagen), um uns alle in die Mangel zu nehmen, also: umfassend zu überwachen und notorisch zu gängeln, zu ´hegen und zu pflegen´, nach algorithmischer Methode? Ein Klimaneutraler Staat wird, nächstes Beispiel, mittels analoger Einlassschranken dafür sorgen, das nur noch ´woke´, also: C02-freundliche E-Cars in die ohnehin rundumüberwachte Smart City gelangen, wie denn das ganze öffentliche Leben ein dezent/diskret gescanntes sein wird: Big Brother is watching you. Die Entrechtung nationaler Gremien auf europäischer Ebene (Paradebeispiel Staatsrecht versus europäischer Gerichtshof) deutet ja bereits den begleitenden institutionellen Zentrismus an, der auf digitaler Ebene längst konkrete Formen angenommen hat. So können App-konforme Verhaltensweisen schon jetzt, mittels Amt und Würden, erzwungen werden. Richtiges Verhalten also. Verhalten nach Plan bzw. Vorgabe.

Sicher: wittern nicht wenige den Betrug, doch will den meisten dieser Tage noch immer nicht aufgehen, wie notwendig es wäre, gerade jetzt ein Zeichen zu setzen: gemeinsam Front zu machen. Wir sind aber nur lauter Einzelne geblieben, die gleich der einfachen Mehrheit im eigenen Saft gären. Das noch in den Grenzen überkommener Praktiken dilettierende Konditionierungsprogramm wird von wenigen durchschaut – und leidig hingenommen. Verglichen mit den oben angedeuteten Dystopien mag der Meinungsterror unserer Tage relativ harmlos wirken, doch zeigt er bereits deutlich an, wie wenig die Eliten mit einem ´mündigen´ Bürger rechnen. In Deutschland hat der Untertan vor allem reuig und rechtgläubig im Sinne einer Hypermoral zu sein, die dem Rest der Welt wärmstens oder warnend – je nachdem – empfohlen wird. Da ruft man drittes Reich und DDR-Unrechtsstaat mahnend und immer auch rechtfertigend in Erinnerung, passend zu den neuesten Notstands-Gesetzen in punkto Volkshygiene, deren Maßgaben kurz etwas abgemildert wurden, um das geschasste Pack halbwegs bei Laune zu halten. Jetzt werden die Menschen wieder in Angst und Bann versetzt. Der störrische Osten der EU darf schulmeisterlich abgekanzelt werden, das böse Russland obenan; noch passender zum ´Flächenfrass´, der dort schon einmal unter deutscher Führung stattfand und längst als Nato-Osterweiterung so unbekümmert wie selbstgerecht vonstattengeht. Einen entsprechenden Lebenserweiterungs-Raum blähen unsere ´Macher´ auch und gerade im eigenen Lande auf, um möglichst vielen Schutzbefohlenen bereicherungskultureller Herkunft großherzig genügen zu können. Schutzbedürftig bleibt auch ein vom Menschen gestörtes Weltklima, das nur gesunden kann, wenn es am ´deutschen Wesen´ genest, sprich: an den völlig irrwitzigen Zielvorgaben derer, die meinen, von Berlin aus wieder einmal den Rest der Welt in Rekordgeschwindigkeit retten zu müssen. Den alten ´Bonnern´ wäre solches nie in den geläuterten Sinn gekommen. Jeder halbwegs denkende Mensch muss erkennen: heute meldet sich schon wieder der Irrwitz zu Wort, wie denn die von mir angedeuteten ´Zukunftsvisionen´ gerade darauf bauen – das der Mensch verlässlich den Verstand verliert. Dem kann, dem wird gründlich nachgeholfen werden.

Der Wiener Nervenarzt Sigmund Freud widmete sich gegen Ende seines Lebens dem sprichwörtlich gewordenen ´Unbehagen in der Kultur´. Ganz gleich, wie man zum vieldiskutierten, im Buch noch einmal gründlich ausgeschlachteten Begriffsinventar dieses Denkers von Rang steht: hat er hier den unlösbaren Widerspruch zwischen Kultur und Triebstruktur, zwischen Vernunft und Freiheit  illusionslos, in auf, – und abgeklärter Altvatermanier erinnert. Er tat es ohne lästige Bekehrungsversuche (das holten seine Jünger nach). Die von ihm entwickelte Psychoanalyse blieb ein Experiment, das im sensiblen zwischenmenschlichen Umgang gründet. Therapeut und Patient bleiben im Zuge dieser Seancen stets Partner. Im Zeitalter der Massen, die bequem manipuliert werden wollen, muss folglich scheitern, was in der kultivierten Atmosphäre einer alten, abgelebten Gesellschaft von Mensch zu Mensch funktionierte und sehr feine Blüten trug. Der Ansatz als solcher hat unser Verständnis von den Tiefenstrukturen menschlicher Antriebe ungemein bereichert und befruchtet, wiewohl sich das Konzept en Detail, trotz aller Vermessung, die im Verständnis cartesianischer Beglaubigung wurzelt, in halbmythischen Vorstellungswelten verliert. Konnte solcherart  auch nur ein Patient wirklich ´geheilt´ werden? Ich denke: kein einziger. Beide freilich, Arzt und Kunde, errieten einiges von dem, was das ´Tier´ Mensch im Innersten zusammen hält. Doch liegt die Bestie selbst ewig auf der Lauer, um bei ´passender´ Gelegenheit mit Macht nach außen zu platzen. 

Freuds Werk erschien anno 1929, pünktlich zur Weltwirtschaftskrise. Auf fürchterliche Art und Weise sollte sich schon bald darauf bewahrheiten, was jenseits theoretischer Befunde zur vielzitierten Conditio Humana zählt und schon die gute alte Bibel wusste: das wir selbst gar nicht wissen, was wir tun. Banal gesprochen: stammt auch der Freudsche Mensch von Mördern ab, ist er kaum Herr im eigenen Hause geworden und wird es niemals sein können. Er lernt nur aus Fehlern, dieser Mensch. Meist etwas – selten mehr. Dann muss es aber richtig weh tun. Den Rest erledigt eine Geschichte, die Schmerz und Schmauch entsorgt. Es gibt, vor diesem Hintergrund, keine Vernunftgarantie! Für wirklich niemanden von uns. Wer in bestimmten Zusammenhängen oder Situationen richtig, sagen wir: angemessen reagiert (noch genauer: geduldig prüft oder in immer neuen Anläufen vorsichtig errät, was zu tun sei – mehr ist es nicht), der mag schon in anderen, durchaus unverfänglich scheinenden voll daneben langen. Vielleicht lag´s dann am Gemüt, an der Biografie, an persönlicher Verstrickung oder an irgendeiner so beiläufig wie täppisch anmutenden Banalität. Endlich: liefert manchmal gerade ein auf Anhieb unvernünftiger Einfall den passenden, der Vernunft posthum schmeichelnden Hinweis; einen, der in wiederum ähnlichen, dezent variierenden Zusammenhängen schon wieder völlig falsch sein kann. In allem fehlt uns die Erfahrung, der Überblick, das Wissen um wechselseitige Bezüge: Halbwilde, die wir geblieben sind. Es mangelt kaum an allem, nur immer am meisten. Das je Nötige lässt sich nur schwer ermitteln. Unser Erkenntnisapparat lebt, so paradox das klingt, vom ständigen Defizit. Versuch und Irrtum – Zufall und Notwendigkeit: spielen uns dauernd üble Streiche. Ergebnisoffene Prozesse lassen sich nicht berechnen, mit keiner App und keinem noch so gut gemeinten Rat, der ohnehin im Irrationalen gründet. Wir verlassen uns leider zunehmend auf die Expertisen der Techniker, die von reiner Intuition nichts wissen wollen. Auf die wir aber niemals ganz verzichten können, so problematisch ihr Gebrauch in fortlaufend künstlichen Zusammenhängen auch sein mag. Diese bedürfen eines passenden Ausgleichs. Auf die richtige Mischung kommt es an. Heerscharen von Spezialisten haben den Menschen in den vergangenen zweihundert Jahren Himmel und Hölle beschert. Wir bleiben nun einmal dazu verdammt, auf jener ´thin red line´ herum zu balancieren. Sie trennt, willkürlich gezogen, den Abgrund vom Himmel, das Maß vom reinen Überschwang – jede noch so hergeholte, meist fragile Ordnung von den Unwägbarkeiten unserer Anfänge. Den Geschöpfen des 21. Jahrhunderts, die ihren alten Glauben für erledigt halten, will das nicht mehr einleuchten. Wer kommt schon damit klar begreifen zu müssen, dass sein Leben von der Wiege bis zur Neige eine einzige Gratwanderung bleibt?

Arthur Koestler hat uns als ´Irrläufer der Evolution´ bezeichnet. Womöglich ist das Wesen Mensch auch nur ein phasenweise verrücktes, sich dann wieder fangendes, ganz und gar unausgegorenes und gefährdetes, immerzu am Abgrund irrlichterndes, an Leib und Leben so lasterhaft wie verzweifelt laborierendes, um die eigene Mitte feilschendes, hektisch nervöses Geschöpf. “Ein Seil, gespannt zwischen Thier und Übermensch“ (Nietzsche). Wir täten gut daran, derlei Befunde, wie immer man sie bewerten oder gewichten mag, nicht voreilig zu den (Kranken)Akten zu legen. Die nur in Bruchstücken überlieferte Kulturgeschichte der letzten vier bis fünf Jahrtausende, halbwegs verlässlich sprudelnd seit ein paar hundert Jahren, legt nahe, dass den Blütenträumen der Aufklärung, gipfelnd in fatalen, welterlösenden Ideologien neuzeitlicher Prägung, selbst Schlacken einer dunklen, im Irrationalen wurzelnden Urzeit anhaften, die wir so schnell nicht loswerden. Der ´Machbarkeits-Wahn´ unserer Tage verdeutlicht, dass die begleitende Hybris das Herrentier in ein technokrates Ungeheuer umzumodeln sich anschickt. Jeder einzelne von uns verhält sich ja danach, unser ganzes sogenanntes Anspruchsdenken beweist es schon im Kleinsten. In magische Bezüge und überschaubare territoriale, vor allem naturverbundene Zusammenhänge eingebettet, funktionierte einst, als wir noch recht wenige auf Erden waren, was unter den Bedingungen einer anthropomorphen Hypermoderne, da der Homo Sapiens die Erde bereits Milliardenfach bevölkert, schief gehen muss.

Im Gleichschritt in den Untergang? Nirgends wird der Trend als solcher kenntlicher als in den total aufgeblasenen, digital-vermurksten Formaten moderner Pop Kultur, die den Zusammenhang von Konformität und Konsum brennscharf spiegeln. Im Musikvideo zu ´Chained to the Rhythm´ (Katy Perry) bevölkern krampfhaft gutgelaunte Menschen einen vom blendend blauen Himmel gleißend angestrahlten, gigantisch vergrößerten Vergnügungspark. Sie tun dies uniform, mit ruckartig gleichlautenden Bewegungen, in Reihe oder Formation, stromlinienförmig und Ameisenhaft; was nur zu fatal an Aufmärsche und Festorgien faschistischer oder realsozialistischer Regime erinnert. Die begleitenden Berieselungstheater ähneln gigantischen Konditionierungsprogrammen. Eine Art Hamsterrad symbolisiert den sinnentleerten Gleichschritt; als Leeerlauf. So funktioniert der Mensch mittlerweile, soll heißen: die unterwanderte, fremdgesteuerte Denke – der Algorithmus im eigenen Oberstübchen. Solche Leute können und wollen nur noch abgeholt werden. Der Irrwitz hat Methode.

Unsere ´Eliten´ heizen, als Volksbeauftragte, einen Wahnsinn nach dem anderen an. Corona und das Klima – was kommt als nächstes?

Die Mehrheit: fügt sich und ´dampft´ mit. Eben dies kennzeichnet moderne Massengesellschaften, in denen noch das Triebleben der Ur-Horde pocht: das sie mit Blindheit geschlagen bleiben, in ihrem Anspruch immer maßlos sind und manisch reagieren, wo echte Gelassenheit angebracht gewesen wäre.

Über Trdic Shanto 114 Artikel
Studium der Sport-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften an derUniversität Bielefeld. Seit 2006 Lehrer an der Gesamtschule Stieghorst,Sekundarstufe 1. Ehemals aktives SPD - Mitglied, nach Austritt keine weiteren Partei, - oder Vereinstätigkeiten.