Friede sei mit euch!

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In einem kleinen Vorort nahe Paris ist ein Geschichtslehrer durch ´tödlichen Angriff´, den manche Leitartikler auch als ´Attacke´ werten, ums Leben gekommen. Tatsächlich hat der Killer diesen Mann förmlich geschlachtet, indem er ihn sorgsam seines Hauptes beraubte. Das machen die totalgläubigen Dschihadisten im Orient ganz genau so, das kann sich auch jeder auf den entsprechenden, nachträglich gelöschten Seiten ´reinziehen´, wie denn der Kopf des Paukers anschließend bei Twitter landete, als digitale Trophäe; eine Art Jagdnachweis. So weit, so schlimm? Ganz schlimm, da sind sich natürlich alle einig: wie anders auch? Im deutschsprachigen Raum wird dennoch niemand auf die kühne Idee kommen, den passenden Vergleich herzustellen – den fiesen also: den, der immer stört. Was in Frankreich möglich ist, kann auch in Deutschland möglich werden, denn Typen wie den, dessen hochheiliger Entrüstung drüben ein netter Pädagoge zum Opfer fiel, haben wir uns hüben auch schon ins Land geholt, und wir taten und tun dies unter dem Vorwand, sie schützen zu müssen – ihnen helfen zu wollen. Und einige von denen sind und bleiben nun einmal gefährdet. Allen Ernstes wird das, seitens der Berufenen, von den Gefährdern selbst behauptet, die ihrerseits als ´Enthaupter´ in die rechtgläubige Geschichte eingehen. Ihnen setzt man gleich doppelt zu, diesen Ärmsten: Von Islamisten und Ungläubigen in die Kneifzange genommen, proben sie den Befreiungsgriff, und wenn sie dementsprechend wild um sich schlagen, dann liegt das nicht zuletzt an mangelnder Empathie. Gleichwohl planen die Amokläufer ihre Schandtaten so minutiös, wie sie dieselben anschließend auch ausführen. Damit lösen sie Entsetzen aus. Dem folgt die übliche Schockstarre. Erinnert: Der Mord an einem afroamerikanischen Kleinkriminellen hat im Nu hunderttausende mobilisiert, auch und gerade hierzulande sind die progressiven ´Elemente´ unserer Bevölkerung umgehend auf die Straße geeilt, um zu demonstrieren (manche demolierten auch, was dort zu finden war). Werden wir solcherlei ´kämpferischen´ Sturm der Empörung im Anschluss an diese Tat erleben? Abzüglich der Mahnwachen und Teelichter, die keinen stören, keinem weh tun, keinerlei Verlegenheit zeitigen? Geschenkt.

Der ermordete Lehrer hat, so heißt es heute, den muslimischen SchülerInnen freigestellt, die Klasse zu verlassen. Unerträglich blieb offenbar, was er ihnen und anderen zumutete: eine Thematisierung der Mohammed Karikaturen. Freilich: Diese Art des Entgegenkommens mindert nicht die begleitende Schuld, deren Sühne frisches Blut fordert. Deswegen wird auch kein Aufschrei durch die islamische Staatenwelt gehen, nur auf Nachfrage einmal mehr die Beteuerung, dass der Islam eine Religion des Friedens sei. Ist er wohl auch – zu Ende gedacht. Eine Art Friedhofsruhe, totenstill, umwölkt und verdüstert diesen Frieden, der jedes falsche Geräusch im Keim erstickt. Schweig, Frevler! Knie nieder und friss Staub.

Der Mörder war noch sehr jung. Achtzehn Jahre alt. Natürlich stand er nicht allein hinter der Tat, so weit ist man im Zuge der Ermittlungen auch schongekommen. Im erwähnten Tweet wurde Frankreichs Präsident Macron als Führer der Ungläubigen gebrandmarkt, also ferner zum Köpfen freigegeben. Dass der junge Tschetschene auf Nummer Sicher ging und den unbewacht seines Weges gehenden Lehrer zwecks Bestrafung auserkor, versteht sich von selbst. Wer kommt schon an das französische Staatsoberhaupt ran. Noch mehr versteht sich, dass im Anschluss an die Tat, nicht vorher, das kehlige ´Allahu Akbar´ ertönte. Der feige Meuchelbruder hätte auch blöken können: Mein Job ist erledigt, ich komme ins Paradies. Dafür sorgte dann die französische Polizei. Beihilfe zur Glückseligkeit. Man wird noch gründlich untersuchen, ob hier alles mit rechtsstaatlichen Mitteln zuging. Derlei Anfangsverdacht darf sich seit einiger Zeit in ungleich harmloseren Zusammenhängen auch die Berliner Polente aussetzen. Qua Gesetz.

Wie auch immer, sind wir jetzt mal alle ganz fürchterlich verstört. Dann fangen wir uns wieder. Und suchen nach Gründen. Nach passenden Antworten auf falsch gestellte Fragen. Die richtigen sind zu direkt, zu vulgär – zu rechtslastig. Anhand der bewilligten Fragen lassen sich überzeugende Antworten umso willfähriger berechnen. Sie sprechen all jene frei, die als vermeintliche Mehrheit vernehmlich zur Tat schweigen und auch weiterhin nichts mit ihr zu tun haben müssen. Es hat mehr etwas mit uns zu tun, und das stimmt gleichwohl: in jederlei Beziehung. Europa ist feige, hündisch harmlos geworden. Das lud, unter anderen Bedingungen, durchaus zum Aufatmen zwecks Erleichterung ein. Die Bedingungen verschärfen sich aber. Gleichsam in jeder Beziehung. Noch erregt sich die Republik über das Wirrwarr divergierender Einreisebedingungen und Corona-Auflagen; vor allem, weil jetzt Schulferien sind. Aber auch die gehen, als eine Art Schonzeit, demnächst zu Ende. Passend zum bevorstehenden Weihnachtsfest sei dann bitte wieder Friede auf Erden. Vielleicht ist es das, wonach sich eine rastlose Wohlstands- und Konsumrotte verzehrt, hat sich die Hektik ihrer Alltags- und Freizeitaktivitäten aufgebraucht: einfach nur loslassen und den lieben Gott einen guten, alten Herrn sein lassen. Noch einmal der scheußliche Brecht, dessen Zitate mehr wert sind als sein ganzes, schleimscheißendes Werk:

„Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Na denn – –

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Über Trdic Shanto 74 Artikel
Studium der Sport-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften an derUniversität Bielefeld. Seit 2006 Lehrer an der Gesamtschule Stieghorst,Sekundarstufe 1. Ehemals aktives SPD - Mitglied, nach Austritt keine weiteren Partei, - oder Vereinstätigkeiten.