Medienmurks

Kaffeetasse, Goto: Stefan Groß

Es ist noch keine Woche her, da frohlockten unsere Mainstream-Medien unisono: “Die Deutschen werden immer glücklicher!“ Ein Marktforschungsunternehmen IPSOS hatte das herausgefunden. Die Damen und Herren Forscher freilich vergaßen zu ergänzen, dass dies von den doofen Ossis offenbar bis heute die wenigsten gemerkt oder kapiert haben wollten. Auf die trifft dann vielleicht eher zu, was der ´Zukunftsforscher´ Opaschowski jetzt orakelte, dass die Deutschen immer einsamer und aggressiver werden. Wie passt selbiges zu nämlichem? Wer hat Recht, wer nicht? Man könnte auch fragen, in wessen Auftrag die Kaffeesatz-Lese jeweils erfolgte.

Wie auch immer: Der Herr Professor, Leiter des nach ihm benannten Instituts für Zukunftsforschung, ferner Publizist und Berater für Wirtschaft und Politik, hat offenbar kein Problem damit, seine Meinungen und Haltungen zu wechseln wie der Tennis-Crack die durchgeschwitzten Socken. Opaschowski zählte mal zu den Zukunftsoptimisten vor dem Herrn, und als Künder einer ´Brave New Freizeit World´ hat er, die entsprechenden Konzerne beratend, sicher eine Menge Taschengeld eingestrichen. Woher nun der Gesinnungswandel? Ich denke mal, es ist gar keiner. Zwar scheut der Gelehrte nicht davor zurück, heiße Eisen anzupacken, vor allem in punkto neue Medien, deren exzessiver Gebrauch eben trotz aller Vernetzung eher trennt und schadet, und sogar das Problem der Zuwanderung geht Opaschowski, man staunt nicht schlecht, direkt an: “Die Abwehrhaltung eines großen Teils der Bevölkerung in Deutschland nimmt bisher jedenfalls mehr zu als ab.“ Doch dann, sie ahnen es bereits, kommen die üblichen, allzu bekannten Allgemeinplätze zu ihrem Recht. Fremdenfeindlichkeit sei, so der große Durchblicker, nicht nur ein politisches, sondern vor allem ein emotional besetztes Thema. Besonders die Ostdeutschen sähen dem wachsenden Ausländeranteil mit großer Sorge entgegen und fürchteten sich vor Überfremdung. Soll heißen: Sind diesen Dummies da drüben erst mal die übertriebenen Wahrnehmungsstörungen auskuriert worden, dann können sie zu den glücklichen IPSOS-Deutschen wechseln, und wenn eine entsprechend großzügig nachfinanzierte Medienpädagogik den souveränen Umgang mit dem Smartphone sichert, dann sichert selbiges auch prekäre Arbeitsplätze und pralle Profite. Und so finden denn am Ende verlässlich all jene glücklich zueinander, die derzeit entweder ratlos oder rachitisch reagieren.

Wenn Massenmedien helfen, ´wissenschaftliche´ Erkenntnisse zu verbreiten, dann schert sie selten, dass sich deren Ergebnisse beißen, denn irgendwie kann man, die passende Gesinnung zugrunde gelegt, mit jeder dieser Handreichungen gut und richtig leben. Sie bedürfen oft der passenden inhaltlichen Aussparungen, schreiben andererseits aber eine lückenlosere Transparenz vor, wo dies vonnöten bleibt. Die tägliche Berichterstattung praktiziert das in öder Folge. Etwa wenn es, wie jüngst im Freistaat, mal wieder so richtig gekracht hat. Im Freibad vielmehr. Eischach heißt das Kaff. Gemäß einer Praxis, die der nordrhein-westfälische Innenminister Reul jetzt zu kippen gedenkt, wurden bislang keine Angaben zur Herkunft der Täter gemacht. Wiewohl schon der übliche Verlauf alles sagt. Knapp zusammengefasst: Rädelsführer einer Schlägerei im Pipi-Becken waren vier ´Buben´ im Alter zwischen zwölf und fünfzehn Jahren. So der bayerische MERKUR heute im eigenen Netzteil. Dort heißt es weiter: “…die Schlägerei zu viert war den Jugendlichen scheinbar nicht genug. Denn wie die Polizei angibt, holten zwei der Buben im Anschluss an die Prügelei offenbar noch Verstärkung.“ Obschon spätestens jetzt wirklich jeder Bescheid weiß, welcher Kulturkreis hier offenbar die Party initiierte, auch und gerade im Blick auf eine erdrückende Serie ähnlicher ´Events´, unterbleibt jede bloße Andeutung des vielzitierten Migrationshintergrundes. Dazu passt dann abschließend folgender Faktencheck: “Bei den meisten Beteiligten der Freibad-Schlägerei standen die Personalien am Dienstag bereits fest. Den Grund für die Prügelei im Becken will die Polizei im Beisein der Eltern ermitteln.“ Soll heißen: Was geht das denn den dummen Biodeutschen an? Friss, was wir dir vorsetzen; und stell bloß keine dummen Fragen.

Immerhin: Indem sie jeden halbwegs verdächtigen Hinweis tilgen, ersparen uns die politisch korrekten Berichterstattungen auch die entsprechenden wort- und satztechnischen Verdrehungen. Etwa, dass es sich um Täter mit ´südländischem Aussehen handelte´. Als wenn Spanier, Italiener oder Griechen, um nur die zu nennen, zur Klientel prügelgeiler Protzproleten zählten. Wenn den moralischen Instanzen dieses Landes die Diskriminierung von Minderheiten ein dauerndes, ernstes Thema bleibt, so haben sie selbst gar kein Problem damit, ihrerseits zu den entsprechenden Verallgemeinerungen zu greifen, um eine ganz bestimmte Zielgruppe schadlos zu halten. In jeder echten Diktatur läuft das so: Die Staatspresse verschweigt und verschwiemelt Fakten, deren Tatsächlichkeit solcherart umso deutlicher zutage tritt. Die Herkunft der Täter, so hörten wir jüngst, dürfe auch deswegen nicht genannt werden, weil dann die ganze Ethnie unter Generalverdacht geriete. Stell dir vor, der tägliche Klima-Krampf käme ohne den Zusatz aus, dass es ausschließlich Menschen seien, die ihn zu verantworten haben. Ich fände es überhaupt witzig, wenn das in einem freien Land zu einer Art Prinzip erhoben würde: Trennung von Individuum und Gruppe, vom Einzelnen und seiner Community. Dann müsste etwa, nach einer verkorksten Rede irgendeines AfD-Politikers der Hinweis auf seine Partei unterbleiben, um so nicht gleich den ganzen Verein unter Generalverdacht zu stellen. Aber Stopp! Die sind ja, Irrtum ausgeschlossen, eh alle Nazis und Rassisten. Weshalb sie unter gar keinen Umständen in Sachsen oder Brandenburg auch nur in die Nähe einer Macht gelangen dürfen, die der begleitenden Ohnmacht die passenden Stichworte liefert.

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Über Trdic Shanto 51 Artikel
Studium der Sport-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften an derUniversität Bielefeld. Seit 2006 Lehrer an der Gesamtschule Stieghorst,Sekundarstufe 1. Ehemals aktives SPD - Mitglied, nach Austritt keine weiteren Partei, - oder Vereinstätigkeiten.