Moraloffensiven

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Am vergangenen Sonntag wurde, zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Profifußballs, eine laufende Begegnung infolge ´Publikumsbeschimpfung´ komplett abgebrochen. Die mutmaßlich rassistisch motivierte Beleidung betraf Aaron Opoku, Spieler des VFL Osnabrück. O-Ton:“ Du Affe kannst eh keine Ecken schießen.“ Der Beschuldigte gab zu, den Satz geblökt zu haben, bestritt indes, das Opoku damit gemeint gewesen sei. Geschenkt.

Rassismus, so versicherten die Verbände, habe im deutschen Fußball keinen Platz. Eine dreiste Lüge, das. Schon seit Jahrzehnten behauptet er, auf üble, richtig aufstoßende Art und Weise, diesen Platz unter lauten Platzhirschen, aber jetzt, so scheint es, soll und muss ein Zeichen gesetzt werden. Das geschah dann gleich vor Ort, nicht einzig mittels Beendigung des Spiels, sondern zusätzlich durch einen ´spontanen´ Einspieler des Ärzte-Songs ´Schrei nach Liebe´. Die Polizei ermittelt und, laut WDR 5, auch der Staatsschutz. Oha, liebe Leute! Soll da ein Netzwerk ausgehoben werden? Das könnte dauern – das mag schlauchen. Der Fall geht nun ans Sportgericht. Die Partie muss demnächst unter erheblichem Aufwand wiederholt werden. Auffallend: alle Beteiligten und sämtliche Medien pflichteten der Maßnahme, die vom Schiri getroffen wurde, umgehend und ohne lästiges Nachdenken bei. Aber was bedeutet eine solche Breitseite im Grunde, denkt man die sich anbietenden Konsequenzen nur kühl und nüchtern genug zu Ende?

In Zukunft wird es für Ultras und Konsorten ein leichtes sein, auf diese Art und Weise Spiele zu torpedieren, die nicht gerade gut für ihren Verein laufen. Liegt der nämlich Tore-mäßig gnadenlos zurück, dann kann er solcherart locker über die Partie gerettet werden. Deutsche Fußballmannschaften sind in den letzten Jahren enorm bunt geworden, wenn sie so wollen: farbiger. Das kommt allen  zugute  – am Ende eben auch den Spielverderbern. Grölen genügend Leute drauflos, hat sich´s auch mit der genauen Identifizierung der Unruhestifter, die ja üblicherweise immer in der tumben Horde parlieren. Zur Not schiebt man es dem gegnerischen Block in die Springerstiefel, der ja oft Seit an Seit die Stellung hält und seinerseits zum Endsieg bläst. Es liefe dann also, früher oder später, darauf hinaus, das bezahlte Kapos die Kurven dezent überwachen, also: den Fanblock bespitzeln. Derlei Praktiken werden dieser Tage, freilich weniger diskret, bis zum Anschlag praktiziert. Ordnungsamt und Polizei – die meist fehlen, wenn man sie wirklich braucht – sind da draußen omnipräsent, um mal sowas von genau die G-Regeln zu überwachen.

Nach Ablauf jener Phase, innerhalb derer wieder Geisterspiele stattfinden, kommt der nächste Lauschangriff. Sicher: sehe ich hier wieder Gespenster. Das ist mir oft zum Vorwurf gemacht worden – vorher meist. Nachher dann nimmer mehr. So bereits in den frühen Nullerjahren, als ich nach einem jecken Aufenthalt in Köln (Karneval gab´s damals noch in schräger Reinkultur) bemerkte, Veranstaltungen wie diese könnten einmal Attentäter aus Islamistan ´motivieren´. Weihnachtsschunkel durchaus nicht ausgenommen. Stichwort Breitscheidplatz. Gerade in den letzten 19 Monaten sah ich viele weitere Gespenster, die jetzt so richtig mit den morschen Knochen klappern. Nehmen sie den frisch gekürten Bundesgesundheitsminister, der ja auch, Hand auf´s Herz, rein optisch eher gruselig rüber kommt und einen Totentanz auf unsere Grundrechte vorbereitet…

…davon später mehr. Nun wünsche ich allen Lesern ein frohes Fest: Hygiene-firm und G-konform. Sie wissen schon: Gemeinschaftstauglich und Gemeinschaft meidend, so es denn ohne allzu lästige Verrenkungen klappt.

Über Trdic Shanto 114 Artikel
Studium der Sport-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften an derUniversität Bielefeld. Seit 2006 Lehrer an der Gesamtschule Stieghorst,Sekundarstufe 1. Ehemals aktives SPD - Mitglied, nach Austritt keine weiteren Partei, - oder Vereinstätigkeiten.