Mutmaßungen und Mehrdeutigkeiten – Kommt der Terror zurück nach Europa?

Terror, Foto: Stefan Groß

In der Pariser Polizeipräfektur von Notre Dame hat am vergangenen Donnerstag ein 45 Jahre alter Mitarbeiter der Behörde vier seiner Kollegen kaltblütig totgestochen. Der Angreifer war nach Angaben des Chefermittlers mit extremer Gewalt vorgegangen. Das habe auch die Obduktion der Ermordeten gezeigt. Vermutlich wäre die Zahl der Todesopfer noch höher ausgefallen. Aber ein ´Kollege´ streckte den Killer schließlich mit der Dienstwaffe nieder.

Mag die Tat an sich schon bezeichnend genug gewesen sein, galt das erst recht für die anschließende ´Berichterstattung´. Eine, die im Anschluss an solche Massaker obligatorisch bleibt. Dass es sich um einen ´Terroranschlag´ handelte, dürfte dem ermittelnden Personenkreis schnell klar geworden sein. Dennoch zierte man sich, damit zügig herauszurücken. War zunächst noch von einem ´mutmaßlichen Angreifer´ die Rede, mutierte dieser schließlich zum ´mutmaßlichen Salafisten´. Der Mann sei bereits vor zehn Jahren zum Islam konvertiert und Anhänger einer radikalen Interpretation dieser Religion gewesen, so Chefermittler Jean-François Ricard am Samstag bei einer Pressekonferenz in Paris.

Angesichts solcher ´Erkenntnisse´ stößt die übliche Verzögerungstaktik umso übler auf. Warum dauerte es fast zwei Tage, bis man der Öffentlichkeit Fakten präsentierte, die im Zuge ubiquitärer digitaler Verfügbarkeit längst vorgelegen haben müssten? Was erhofften sich die Ermittler eigentlich davon? Mögliche mildernde Umstände?

Das können kaum solche sein, die jetzt zusätzlich publik geworden sind. Zusammengefasst: Keinem will etwas aufgefallen sein. Der Mörder sei als Informatiker bei der Polizei tätig gewesen und habe seit vielen Jahren dort gearbeitet, so Polizeipräsident Lallement. Ein Polizei-Gewerkschafter hatte ihn in einem Interview mit dem Sender BFMTV als vorbildlichen Beamten beschrieben, der von seinen Kollegen sehr geschätzt worden sei. So ähnlich liest sich das auch in meiner Tageszeitung (Neue Westfälische): demnach wurden der Täter und seine Frau von beinahe allen, die sie näher kannten, keineswegs als strenggläubige, geschweige denn als radikale Moslems angesehen. Der Autor wundert sich: “Unbedarfte Mitbürger und Bekannte mag man täuschen können. Aber die Geheimdienste?“ In der Tat hatte der Mörder Zugang zu vertraulichen und geheimen Dokumenten, was regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen voraussetzt. „Trotzdem heißt es, das Harpon nie auffällig geworden ist, da er andernfalls umgehend auf einen weniger sensiblen Posten versetzt worden wäre.“ Mit anderen Worten: Das war ein vorbildlich integrierter Mensch mit muslimischem Migrationshintergrund. Einer, den die Multikulti-Apologeten ohne lästige Einwände gern abgrenzen von den wenigen Ausreißern, den sogenannten Islamisten also. Sie tun das so lange, bis der Gärtner die Bockshörner in Bauchspieße verwandelt hat.

Das verordnete ´Sprachregeltum´ dient eigentlich nur der willkürlichen Verwendung abgenutzter Begrifflichkeiten, deren Widersinn weitere Fragen provoziert. Gelten demnächst die jugendlichen Schreihälse im Macker-Kostüm als Ausnahmen, während Typen wie der Herr Harpon zur Regel werden? Und wie lange hält das die schrumpfende Mehrheit friedliebender Muslime schadlos? Wüsste man wenigstens ohne zeitliche Verzögerung, wem von den ´Rechtgläubigen´ überhaupt noch zu trauen wäre – wäre man weiter. Wenn selbst solche, die in höchsten staatlichen Ämtern tätig sind, das Messer wetzen, dann sollten uns jene, die heute verzückt einem Hassprediger lauschen oder morgen aufgrund beruflicher Unstimmigkeiten vom heiligen Zorn gepackt werden, immerhin dubios vorkommen dürfen. Es lassen sich zahlreiche Anlässe finden, deren Ursachen man bequem den Ungläubigen in die Schuhe schieben kann, nicht dem eigenen Unvermögen, und wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir zugeben, dass im geheimen eine Hydra herangewachsen ist, die zu enthaupten unmöglich scheint, weil nur weitere Wirrköpfe nachwachsen werden.

So wie jetzt gerade. Eben kam es durch, auf sämtlichen Kanälen: Ein Syrer rast mit einem vorher gekaperten LKW mehrere Autos zu Schrott. Die Rede ist zunächst von einem ´Vorfall´ bzw. ´Zwischenfall´. Erstes aufatmen: Keine Toten. Glück gehabt? Neun ´Leichtverletzte´ hat´s gegeben, deren sichere psychische Folgeschäden derzeit keinen kratzen. Ansonsten: das übliche Geschwiemel. Die Sicherheitsbehörden gehen von einem Terroranschlag aus, die Generalstaatsanwaltschaft mag das bislang nicht bestätigen. Der ´mutmaßliche´ Attentäter, mittlerweile festgenommen, habe noch keine Aussage gemacht, folglich gäbe es für ein terroristisches Motiv auch noch keinen (!) Hinweis. Immerhin: Ausschließen will das auch niemand. Der Mann sei polizeibekannt. Drogendelikte, Gewaltkriminalität, sexuelle Belästigung kleiner Mädchen. Kontakte zu Salafisten und ähnlichen Extremisten habe er aber nach derzeitigen Erkenntnissen nicht gehabt. Etwas später dann: Es könne sich bei dem Crash-Test durchaus um einen ´Unfall´ gehandelt haben. Stand der Mann womöglich unter Drogen? Drückten auch ihn psychische Probleme? Die Polizei warnt indes vor ´wilden Spekulationen´. Der Bürgermeister von Limburg, Marius Hahn (SPD), teilt der Deutschen Presse-Agentur mit: „Ich bin geschockt und in meinen Gedanken bei den verletzten Unfallopfern und deren Familien.“ Fest steht: Der Syrer (Jahrgang 87) kam als ´Flüchtling´ 2015 nach Deutschland, ist also einer von Muttis Schutzbefohlenen. Irrtum ausgeschlossen.

Natürlich wird sich Mutti auch zu diesem Fall nicht äußern. Sie überlässt das den Beschwichtigern vom Dienst, deren übervorsichtiger sprachlicher Umgang unerträglich bleibt. Um nichts Falsches zu sagen, verbreiten sie schon vorab lauter Lügen und Legenden. Die Taten von Paris oder Limburg bestätigen immer wieder die traurige Regel und kommen doch in der begleitenden Berichterstattung nicht ohne besagte Ausnahmen aus. Wir kennen sie mittlerweile auswendig. Ob mutmaßlich integrierter Staatsdiener oder vermeintlich flüchtender Verzweifelter: Bis zuletzt gilt der Unschuldsverdacht, und ist der endlich aus dem Weg geräumt, dann werden die so krampfhaft Überführten zu bedauerlichen Einzeltätern erklärt. Und deren Missetaten in beruhigende Zusammenhänge überführt. Erinnert: Der U-Bahn-Schubser von Frankfurt litt unter Paranoia, aber da ist er nicht der einzige, viele haben einen Knall in der Birne, und wenn auch keiner fragt, warum denn von den übrigen Spinnern noch keiner kleine Kinder gemeuchelt hat, dazu noch auf so feige, niederträchtige Art und Weise, so bleibt doch klar: Der Typ war selbst nur ein Opfer.

Ob der syrische Amokfahrer den Herrn Amri übertreffen wollte und dabei aus vollem Herzen Allahu Akbar schrie, wissen wir (noch) nicht. Allein: Was macht das schon? Die Erbauung selbst, das Wort des Einzigen: ermächtigt jeden, der darin sein Heil sucht, zu jeder noch so boshaften Tat. Den sogenannten Gutmenschen will sie stets unbegreiflich scheinen. Auch das wäre zu hinterfragen. Je fassungsloser wir auf Exzesse solcher Art reagieren, umso wehrloser ergeben wir uns in ein vermeintliches Schicksal. Schon heute rangiert der Fall von Limburg hinter Wilke Wurst, Seenotrettung und Klimaklatsch. Das ist wichtiger, da drückt der Schuh.

Wer von denen, die demnächst zu Zehntausenden aus der Türkei qua Deal nach Deutschland kommen, überlegt es sich noch mit der Schlachtung Ungläubiger, wer tüftelt schon ein wenig dran herum und wer denkt vielleicht erst übermorgen drüber nach? Bei dem, was der Herr Erdogan jetzt vorhat, werden noch etliche Hunderttausende mehr nachkommen. Wette drauf.

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Über Trdic Shanto 50 Artikel
Studium der Sport-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften an derUniversität Bielefeld. Seit 2006 Lehrer an der Gesamtschule Stieghorst,Sekundarstufe 1. Ehemals aktives SPD - Mitglied, nach Austritt keine weiteren Partei, - oder Vereinstätigkeiten.