Novak Djokovic – Hängt ihn höher

tennis spielen tennisplatz ball schläger, Quelle: hansmarkutt, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Novak Djokovic beherrscht am heutigen Sonntag die Schlagzeilen der Weltpresse. Der mutmaßlich größte Tennisspieler aller Zeiten hat das ´Match´ gegen den australischen Staat nach nur kurzer Verlängerung endgültig verloren. Die Richter fällten, von der Politik des Landes gehörig unter Druck gesetzt, ihr letztgültiges Urteil. Demnach muss der serbische Tennisprofi umgehend das Land verlassen. Zuletzt wurde er regelrecht für Vogelfrei erklärt: Australiens Einwanderungs-Minister Alex Hawke stufte ihn als Gefahr für die öffentliche Ordnung und Gesundheit ein. Die Pestilenz, die dem Störenfried anhaftet, scheint offenbar latent. Das Verbot wird sich wohl auf drei volle Jahre erstrecken, was bedeutet, dass er für die Dauer dieser Zeit nicht mehr an den prestigeträchtigen Australian Open teilnehmen darf; ein Turnier immerhin, das er bislang dominierte wie kein anderer. Aber alles halb so schlimm, es trifft ja keinen Hungerleider, man hört es dieser Tage dauernd, mit entsprechend Häme, Spott und biestig bratzigem Frohlocken: Bei den Millionen, die der hat!

Djokovic wird jetzt von einer Presse erledigt, die als großer Treiber in Zeiten der Pandemie gnadenlos für ´Stimmung´ sorgte. Zuletzt vor allem gegen ihn selbst. Vom ersten Tage an hat man den Mann gejagt und gedemütigt, verunglimpft und verleumdet, und damit an die niedersten Instinkte all derer appelliert, deren Gemüt in Zeiten wie diesen nach Sündenböcken dürstet. Hängt ihn höher! So hoch, dass jeder den Halunken sehen kann!

Gleich zu Beginn der Affäre, als die ersten Meldungen über den verräterischen ´G-Status´ durchsickerten, wurde seitens der Kampfpresse aus vollen Rohren gegen Djokovic gefeuert. Man schien nur darauf gewartet zu haben, den Ausnahmespieler fix und fertig machen zu dürfen. Wie konnte der es auch wagen, die Topspieler anderer Nationen so stur und unbekümmert aus dem Weg zu räumen, was fiel ihm ein, über Jahre hinweg ein Feld zu beherrschen, auf dem sämtliche Gegner ihm weit unterlegen blieben? Unerreicht die Perfektion, die Klasse – der Djoko-Stil. 

Derlei ´Gerüchte´ um besagten Status lagen noch keine 24 Stunden zurück, da wurde öffentlich bereits behauptet, das alle Welt sich an der Arroganz des Serben reibe. Die Leitmedien legten sich die Frage vor, warum dieser Vollblut-Profi weltweit (!) so unbeliebt sei (gab es hierzu eine repräsentative Befragung?) und was mit ihm charakterlich nicht stimme (frei nach Augenschein?). Er sei eben ein Esoteriker und Nationalist. Man ortete den Star und seine Familie in einer Parallelwelt. Ich will den ganzen Katalog an übler Nachrede nicht vollständig nachblättern, denn was ab sofort gegen Novak Djokovic losgelassen wird, übertrifft noch einmal beträchtlich sämtliche Bezichtigungen der letzten Tage. Einige wenige Auszüge aus den sogenannten Kommentaren vom Sonntag mögen reichen. Sie verdeutlichen nur zu genau: Wer den Verrücktheiten einer pandemieversessenen Gaga-Gesellschaft qua Überzeugung wiedersteht, gerät unfehlbar in die Bredouille.

Als sturer Egomane, so die Neue Zürcher Zeitung, werde Djokovic in die Geschichte eingehen. Sein Kampf, am Turnier teilnehmen zu dürfen, sei zudem nutzlos gewesen. Die Beschäftigung damit, wann er außer Landes geschafft werden könne, deutet darauf hin, dass es sich eigentlich um einen Schwerverbrecher handelt, der es folglich nicht verdient hat, für Tage in ein Abschiebehotel eingesperrt zu werden (dann lieber bei Wasser und Brot?). Statt die Koffer zu packen und das Land freiwillig zu verlassen habe es Djokovic vorgezogen auf Zeit zu spielen. Natürlich darf nicht unerwähnt bleiben, das sich die Konkurrenten, denen das Ass stets einige Balltupfer voraus war, nun so artig wie aufatmend von ihm distanzieren. Und das der so Gescholtene doch tatsächlich versucht habe, über juristische Winkelzüge doch noch am Turnier teilnehmen zu können, darf nunmehr selbst in die Nähe eines gemeinen Vorsatzes gerückt werden. Natürlich wird er, der demnächst in Handschellen das Land verlassen muss (das wir andauernd betont!), zum Vorkämpfer militanter Impfverweigerer in aller Welt gekürt. Der Rädelsführer hat somit das eigene Erbe, das ihm so wichtig ist, eigenhändig und willentlich zerstört. Ob er nach dem jähen Karriere-Aus dazu übergehen mag, in den militanten Untergrund zu desertieren?

Ähnlich wie die Zürcher rechnen auch die andern ´Pressegrößen´ mit dem Größten ab. T-Online: Einreisewahnsinn um Djokovic – an alledem ist nur einer schuld! Man hat ihn aus dem Land geworfen. Zu Recht. Unglaublich, was der Kerl sich leistet: Seine Selbstdemontage setzt neue Maßstäbe. Denn: Es ist der vorläufige Höhepunkt einer unwürdigen, teilweise skurrilen Posse. Der Entzug des Visums sei die einzig richtige Entscheidung. Und noch einmal fett gedruckt: Djokovic hat kein Verständnis mehr verdient. Eine Art Fluch soll den Unsäglichen fortan begleiten: Jetzt aber wird über Djokovic stets mit einem „aber…“ gesprochen werden. Denn die sieben Tage seit Djokovics versuchter Einreise nach Australien werden nachwirken – es ist einfach zu viel zusammengekommen, als dass gnädig darüber hinweggesehen werden könnte. Denn dieser Novak Djokovic hat das Verständnis, die Nachsicht der Tenniswelt, des Sports, der Weltöffentlichkeit nicht mehr verdient. Er hat sie verspielt.

Express.de titelt: Eigene Regeln, mieses Verwirrspiel – Djokovic ist einfach nur unverschämt. Und damit auch von allen guten Geistern verlassen. Sich jetzt noch als vermeintliches Opfer von Fake News und politischer Hexenjagd zu inszenieren, setzt den laufenden Unverschämtheiten des Novak Djokovic die Krone auf und lässt vermuten (!), dass Fans und Öffentlichkeit von einem respektlosen Sportstar schlichtweg an der Nase herumgeführt werden.

Der Kölner Stadtanzeiger postet ein ganz besonders fieses Foto des Verfluchten, das ihn wie einen Irren vom Dienst aussehen lässt und wohl während einer hitzigen Debatte auf dem Platz geschnappschußt wurde. Im laufenden Text übt sich der Kommentator in Sachen eigener Rechtsprechung: Der einzige Straftatbestand (!) der dem beispiellosen Vorgang gerecht würde existiert nicht: Verhöhnung einer Pandemie und ihrer Opfer.“  Soll heißen: der Schuldige ist noch gar nicht richtig bestraft worden. Ob man da was drehen kann?

DER SPIEGEL wertet das Urteil als die einzig denkbare Entscheidung. Alternativlos also.

DW.com spricht von einer verdienten Niederlage für Djokovic und wirft ihm mangelnde Bodenhaftung vor: er scheint in einem eigenen Universum zu leben, in dem er die Sonne ist, um die sich alles dreht. Dass man ihn in seiner Heimat Serbien wie einen Heiligen verehrt und dass öffentlich für seine Freilassung demonstriert wurde, hilft sicherlich nicht dabei, die Bodenhaftung zu bewahren. Ob er es mal mit einer eigenen Sekte versuchen sollte?

Watson.ch stellt fest, dass Djokovic empathielos, egoistisch und elitär gehandelt habe. Ihm fehle jedes Unrechtsbewußtsein. Er spricht wie ein Verschwörungstheoretiker, und er verharmlost seit Monaten ein Virus, das 5,52 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Spätestens jetzt ist jeder Einspruch zwecklos und vor jeglicher Instanz verboten.

Laut NDR.de habe Noval Djokovic als Vorbild versagt. Sein Auftreten sei ein Schlag ins Gesicht aller Australier, die in den vergangenen anderthalb Jahren harte Corona-Beschränkungen über sich ergehen haben lassen. Soll heißen: quält ein Staat seine BürgerInnen, dann ist am Ende der Schuld, dem derlei Restriktionen selber gar nie eingefallen wären, eben: der Sündenbock. Djokovic´ Situation sei selbstverschuldet. Denn wenn man sich nicht impfen lassen will, dann kann man Probleme bekommen (hört, hört!). Das wußte auch der Serbe seit Monaten. Doch anstatt sich nun den Maßnahmen der Regierung zu beugen (sic!) geht Djokovic juristisch gegen die Entscheidung vor (was DER sich rausnimmt, unglaublich!). Und eben das mache ihn zur persona non grata.

Das soll reichen, das muss genügen. Da wird dieser Tage noch etliches nachkommen. Sei´s drum.

Frage: Was war Djokovic´ Vergehen, wessen machte er sich schuldig, was ging dem unsäglichen Kesseltreiben, das an übelste Hetze erinnert, eigentlich voraus? Antwort: Er war nicht geimpft. Und versuchte aufgrund der recht widersprüchlichen Einreisebestimmungen des australischen Staates trotzdem ins Land zu kommen. Ex Tennisprofi Michael Stich kritisierte denn auch, eher kleinlaut, die verwirrenden Regeln von Tennis Australia, deren Wust für reichlich Interpretationsspielraum gesorgt hätte. Djokovic nutzte die sich bietenden Spielräume, bis zum bitteren Ende. Er hat eben alles versucht, um als Ungeimpfter am Turnier teilnehmen zu können und in seiner Verzweiflung schreckte er, zugegeben, auch vor unlauteren Mitteln nicht mehr zurück. Behandelt wurde er wie ein Verbrecher; wie ein Aussätziger, der Pest und Cholera heimholt. Die ganze Macht der Staatsräson brach über ihn herein, die Macht der Plandemie vielmehr, welcher man in Australien mit ´Zero Covid´ und anderen Verordnungsmanien Nachdruck verlieh. Dem entsprach die ganze Unverhältnismäßigkeit des Umgangs. Hier sollte offenbar ein Exempel statuiert werden. Um jeden Preis.

Das hat geklappt. Der Mann ist erledigt. Sein Ruf ruiniert. Die Karriere am Ende. Er wird den Makel des Trickbetrügers und Spielverderbers nie wieder los werden. Djokovic´ Gegner werden aufatmen. Die Frage danach, warum sich einer wie er, der in Punkto Rekord-Laufbahn so viel zu verlieren hatte, den ´harmlosen Piks´ bis zuletzt eben nicht verpassen ließ und stur blieb, wird gar nicht erst gestellt. Seine Schuld stand schon vorher fest. Einspruch zwecklos. Hängt ihn höher!

16.01.22

Über Trdic Shanto 120 Artikel
Studium der Sport-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften an derUniversität Bielefeld. Seit 2006 Lehrer an der Gesamtschule Stieghorst,Sekundarstufe 1. Ehemals aktives SPD - Mitglied, nach Austritt keine weiteren Partei, - oder Vereinstätigkeiten.