Rituels levantins

stacheldraht jerusalem heiliges land tempel israel, Quelle: rquevenco, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Das Corona Desaster hat die zu bestimmten Zeiten stattfindenden, traditionell begründeten und an volkstümliche Riten gebundenen Feste und Feiern verlässlich verhindert oder verhunzt, verunmöglicht oder ausgebremst. Freilich: gibt es ´Partys´, die trotzdem weiter laufen, und zwar um jeden Preis: je nach Anlass oder Bedarf. Stichwort Gaza. Es ist mal wieder soweit. Die Hamas feuert ´Spielzeugraketen´ Richtung Judenstaat, und der schießt zurück – präzise wie immer. Gleichzeitig regt sich im Rest der Welt und natürlich auch im Land der Supermoralisten und Pseudohumanisten das sorgsam gute Gewissen. Frau Merkel kritisiert die Angriffe der Hamas, und auch den aus dem Ruder laufenden Protestfuror daheim, ohne freilich zu erwähnen dass etliche derer, die jetzt auf deutschem Boden israelische Flaggen verbrennen, Synagogen belagern und mit grölenden Parolen eine zweite Endlösung der Judenfrage befeuern zu denen gehören, die sie vor Jahren großherzig eingeladen bzw. willkommen geheißen hat. Bis dato wurde im Zusammenhang mit antisemitischen Ausschreitungen oder Straftaten beharrlich unterschlagen, das hier nicht nur glatzköpfige Idioten aus der Nazi Ecke aktiv werden. Jetzt kommt man an der Tatsache nicht mehr vorbei, das vornehmlich arabisch, – und türkisch-stämmige Jugendliche solcherart ihre niedersten Instinkte austoben.

Israel wird eigene Tatsachen schaffen und den fast schon zur Routine verkommenen Dauerbeschuss aus Gaza nicht länger mittels kurzer, knapper Gegenschläge beantworten können; kein Staat täte das, griffe man ihn täglich mit tausenden von Raketen an. Dabei spielt überhaupt keine Rolle, dass die meisten wie kalte Fürze verpuffen, weil sie vorher in der Luft abgefangen werden können. Also muss eine kurze Bodenoffensive her. Shit happens.

Es wird dem israelischen Militär schon jetzt vorgeworfen, das bei den aus der Luft geführten Schlägen gegen Einrichtungen der Angreifer zunehmend Zivilisten und Kinder getötet werden. Nach wie vor informieren Hotlines die auf engstem Raum vegetierenden Anwohner über anstehende Bombardements in nächster Nähe; ein ´Luxus´, den sich die Strategen auf der anderen Seite natürlich nur in ganz eng gefassten Grenzen leisten können, weil sonst das Überraschungsmoment verloren ginge und die in Reichweite lauernden Spitzel auch den eigentlichen Übeltätern zur schnellen Flucht verhülfen. Unerwähnt bleibt ohnehin, dass zivile Opfer bereits zum Kalkül der Killer-Organisation zählen: sowohl deren Abschussrampen als auch zahlreiche ihrer Büros und Kommandostellen sind in Wohngebieten platziert bzw. untergebracht worden, deren Dichte die erwünschten Kollateralschäden verlässlich garantiert. Mit den eigenen ´Salven´ zielt die Hamas auf nämlichen Terror: an der israelischen Zivilbevölkerung.

Die Menschen in Gaza haben sich den eigenen selbst eingebrockt. Sie inszenieren ihresgleichen immerzu als Opfer der ´Besatzungsmacht´, und vergessen oder verschweigen bei der Gelegenheit, dass sie nur eine gegen die andere ausgetauscht haben. Es ist die von ihnen mit deutlicher Mehrheit ins Amt gewählte Hamas, deren Funktionäre von Anfang an das Existenzrecht Israels bestritten und zur Vernichtung des ´zionistischen Gebildes´ aufriefen. Haben das die ´Opfer´ damals nicht gewusst, als sie ihr Kreuz an der passenden Stelle hinterließen? Sie haben es, ganz im Gegenteil, in Mehrzahl ausdrücklich und heißinnig begrüßt. Und tun das übrigens auch weiterhin. Da mögen die Genossen von der islamischen Volksbefreiungsfront noch so sehr herunter gewirtschaftet haben, was in dieser monströsen Enklave ohnehin auf Sand gebaut bleibt: schuld an allem ist einzig der jüdische Todfeind. Da spielt es ferner keine Rolle mehr, das seine Amts, – und Mandatsträger eigene Siedler aus Gaza vertrieben und das Militär gleich mit nahmen. Noch weniger kratzt, das der andere ´Nachbar´, das militärisch hochgerüstete Ägypten, seine Grenze viel peinlicher abschottet als die verfluchten Israeli das im eigenen Sicherheitsinteresse tun – tun müssen.  

Je länger der Konflikt jetzt dauern wird, umso dezenter wird auch wieder öffentlich die Rede davon sein, das Israel nicht mehr verhältnismäßig reagiere und der eigentlich Schuldige am Schlamassel sei. Das zählt zum Narrativ – zur ´Nacherzählung´. Zu beidem möchte ich im Folgenden kurz Stellung nehmen.

Kein Staat der Welt kann sich einem Feind gegenüber, der seine Austilgung fordert und dies sogar über alle weitere programmatischen Belange stellt, nachgiebig oder kulant verhalten; erklärt dieser ihm den Krieg, muss er reagieren. Israel solle sich nun endlich, so heißt es, auch mit der Hamas an einen Tisch setzen und ´verhandeln´. Freilich: worüber eigentlich? Es sind vor allem deutsche Stimmen, die hier immer wieder mahnend auffällig werden. Aber der deutsche Staat hat sich in der Vergangenheit auch nicht mit den Kommandogruppen der RAF ins Benehmen gesetzt, die ihn bekanntlich als ´Schweinestaat´ diffamierten und im Grunde dasselbe wollten: seine Vernichtung. Auch diese Terrorgruppe hatte eine breite Unterstützer-Szene, doch ging sie nur selten soweit, Zivilsten in ihre Aktionen zu involvieren. Wie würde die Bundesrepublik heute reagieren, ballerte irgendeine Mord-Miliz von der dänischen Grenze aus tausende Sprengköpfe auf Flensburg oder Kiel, Hamburg oder Bremen ab?

Als ´Auslöser´ für die neuerliche Eskalation werden zwei Vorfälle geltend gemacht, die ganz wesentlich formaljuristisch greifen.

Im Stadtviertel Scheich Dscharrah kam es in den letzten Tagen zu schweren Auseinandersetzungen. Vor dem israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948 lebten dort vornehmlich Juden. Laut israelischer Rechtsprechung können sie hier Grundstücke zurückerhalten, die seinerzeit verloren gingen. Sie müssen dann allerdings lückenlos nachweisen, dass der Verlust infolge Vertreibung oder Lebensgefahr durch Kampfhandlungen von statten ging. Mehreren arabischen Familien droht infolgedessen eine Zwangsräumung.

Ferner lieferten sich auf dem Tempelberg Teile der arabisch stämmigen Bevölkerung Straßenschlachten mit der Polizei, nachdem einige Teilnehmer des Freitagsgebets in der Al-Aqsa-Moschee Sicherheitskräfte angegriffen. Die Lage spitzte sich dermaßen zu, dass Einsatzkräfte schließlich die Moschee stürmten und Rauchgranaten einsetzten. Tote gab es keine, aber an die dreihundert Verletzte.

Das reichte der Hamas, dem Staat Israel ein Ultimatum zu stellen. Darin wurde der sofortige Abzug sämtlicher Polizeikräfte gefordert. Eine Lappalie? Stellen sie sich vor, irgendeine ausländische ´Schutzmacht´  ermächtigte sich in ähnlicher Weise, den deutschen Staat zu nötigen. Wie reagierte die Bundesregierung wohl, diktierte man ihr den Abzug sämtlicher Polizeieinheiten aus Wohngebieten, in denen tagelang Straßenkämpfe toben und selbsternannte Tugendwächter Autonomien einfordern? Sieht das Prinzip der Gewaltenteilung noch eine zusätzliche, vierte Instanz als oberste vor?

Geschenkt. Es kommt ohnehin, wie es immer kam. Israel ist noch gar nicht in Gaza einmarschiert, da kündigt Bundesaußenminister Heiko Maas, der wegen Auschwitz in die Politik gefunden haben möchte, 40 Millionen Euro Soforthilfe für die notleidende Zivilbevölkerung an. Mal eben so. Dass der Schotter nie und nimmer beim Volk ankommen wird, liegt auf der Hand. Das meiste wird in den Taschen korrupter Funktionäre und Milizionäre landen. Das reicht für den eigenen Apparat, vor allem für die nächsten Kommando-Aktionen. Israel wird den jetzigen binnen weniger Tagen oder Wochen ein Ende bereiten. Dann tritt ein weiterer ´Waffenstillstand´ in Kraft. Vom Frieden war nie die Rede. Weitere Zuwendungen in Millionenhöhe werden fließen. Ein Bruchteil davon mag auch für den Wiederaufbau abgezweigt werden. Das urbane Zentrum spielt ja – siehe oben – eine unerhört wichtige Rolle. Solcherlei finanzkräftige ´Updates´ sorgen von allein dafür, dass alles beim Alten bleibt.

Wirklich ändern würde sich erst dann etwas (oder mehr), wenn irgendein Spielverderber auf die unerhörte Idee käme, die Party dauerhaft für beendet zu erklären. Soll heißen: es gibt ab sofort keinerlei Zuwendungen mehr, nicht für das Fußvolk und erst recht nicht für die oberen Zehntausend. Basta, aus und Ende Gelände. Macht mal selber, uns reicht es jetzt. Sie mögen es mir glauben oder nicht: die Menschen in Gaza hätten sehr bald keine andere Wahl mehr, als Asyl zu beantragen – und zwar in Israel selbst. Nirgends sonst, wohlgemerkt! Welche andere Nation in der Region käme auch nur im Traum auf die Idee, diese Leute aufzunehmen? Und keine andere käme für diese Menschen selbst in Frage, weil die Versorgungsgrundlagen großzügiger und verlässlicher nicht sein können als im demokratisch verfassten Judenstaat. In sämtlichen anderen Ländern der Levante regieren üble Autokraten oder sind die Verhältnisse insgesamt so mies, dass kein Flüchtling daran dächte, dorthin zu desertieren. Die arabische Halbinsel, vor Reichtum und Überfluss strotzend, nähme nicht einen einzigen palästinensischen Hungerleider auf. Europa schottet sich mehr und mehr ab. Bleibt nur Zion übrig. Die Hamas könnte mit den ihr zur Verfügung stehenden militärischen Mitteln kaum verhindern, dass diese Menschen in die Arme des Todfeindes liefen; sie diskreditierte sich mit jedem Toten, den ihr Eingreifen forderte. Das tat sie zwar auch sonst, aber dieses Mal sähe alles ganz anders aus, weil es für diese Menschenverächter ab sofort keine Auswege oder Ausflüchte mehr gäbe. Hier stellte sich zum ersten Mal überhaupt, auch innerhalb der Menschenverachtenden Meuchelgruppe, die eigentliche Machtfrage.

Aber dazu wird es doch nie kommen. Der Israel-Palästina Konflikt stellt ein Problem dar, dass sich kaum lösen, allenfalls beenden lässt. Eine solche ´Endlösung´ führte der zivilisierten Kulturmenschheit einmal mehr vor Augen, dass die Conditio Humana in Tiefenschichten wurzelt, die das bloß Machbare, als Ideal, ins Reich der Fabeln verweist.

Über Trdic Shanto 108 Artikel
Studium der Sport-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften an derUniversität Bielefeld. Seit 2006 Lehrer an der Gesamtschule Stieghorst,Sekundarstufe 1. Ehemals aktives SPD - Mitglied, nach Austritt keine weiteren Partei, - oder Vereinstätigkeiten.