Sascha Lobo an die Front!

marschieren soldaten heer parade militär krieger, Quelle: oleg_mit, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Woran erkennt man die widerlichsten Apologeten einer durchweg wohlbehüteten, von Komfort und Konsum dauerverwöhnten, sowas von selbstgerechten Spaßgesellschaft? Auch und gerade: An ihrer großen Klappe. Die sie einfach nicht halten können und stets im denkbar ungünstigsten Moment aufreißen, um so den Dunst und Mief ihrer ´Meinungen´ weiträumig verbreiten zu können: Das es nur so stinkt. Sascha Lobo ist so ein aus dem langen Rachen müffelndes Großmaul. Als ´Digital-Experte´ ständig in den ätzend gleichgeschalteten Mainstream-Medien präsent, die ihm und seinesgleichen goldene Teppiche ausrollen, zählt er zu denen, die pausenlos den Zeitgeist bedienen: immer im verordneten, immer erwünschten Sinne. Einmal kurz den Finger anfeuchten und in die Luft halten: der Rest läuft per Autopilot.

Pazifismus ist jetzt gnadenlos out, Verteidigung bis zum letzten Blutstropfen das Gebot der Stunde.  Der böse Russe macht´s möglich. Gleich denen, die als ungediente Zivilisten einem blindwütigen Bellizismus huldigen und die Ukraine am liebsten bis zum jüngsten Tag mit schweren Waffen vollstopfen möchten, wettert der Schwadroneur mit der politisch korrekt nachgefärbten Irokesenfrise gegen Ostermarschierer und Freunde des Friedens. In einem SPIEGEL Artikel hat er sich nun als Falke ohne Flügel geoutet. Frieden schaffen mit immer mehr Waffen – haut dem Putin die Eier platt! Lobo liest den Luschen die Leviten und lehrt die Pazifisten mal so richtig Mores.

Zur Info: Dieser Berufsjugendliche Mittvierziger wuchs in Berlin auf; einst begehrter Zufluchtsort für all jene, die als Wehrdienstverweigerer der alten BRD bequem (und auf Zeit) den Stinkefinger zeigten. Ich lese nirgends, dass der Verteidigungsexperte von der Bloggerfront seinerseits an der Waffe gedient hat. Er lebt noch immer in der Spreemetropole, am Prenzlauer Berg, wo die Friedensbewegung ja mal ganz feste am Start war. In seiner ´Der deutsche Lumpen-Pazifismus´ betitelten ´Betrachtung´ gibt sich Lobo, der wahrscheinlich die meiste Zeit seines Lebens in gekrümmter Haltung vor der Mattscheibe vertan hat, nunmehr richtig knorke und lässt es dementsprechend an markigen Worten nicht fehlen. Kostproben gefällig? Wer jetzt für den Frieden marschiert, so der ´Experte´, sei selbstgerecht; Partner Putins in Crime sozusagen. Natürlich darf der Vergleich mit den Juden nicht fehlen, das zieht bei den Deutschen immer, damit hat man die Guten sofort auf der richtigen Seite. In diesem Zusammenhang wird dann auch eine Jahrhunderterscheinung wie Mahatma Ghandi nachträglich vom Großkotz aus der Bundeshauptstadt zur ´Knalltüte´ degradiert.

Lesen sie sich die unsägliche Schmiere, auch wenn´s schwer fällt, einmal tapfer bis zum Ende durch. Sie trieft natürlich, typisch deutsch, vor moralischer Entrüstung; und beschäftigt sich keine lästige Sekunde lang mit den vielfältigen und verworrenen Hintergründen eines Scheißkrieges, der mutwillig und von langer Hand angezettelt worden ist, was im Schatten hektisch eingefangener Ereignisse ohnehin keinen mehr kratzt. Am wenigsten den Lobo selbst.

Mir freilich geht es in diesem Zusammenhang um ganz etwas anderes. Wenn all jene, die nun dem hemmungslosen Interventionismus das geifernde Wort reden, auch wirklich voll und ganz dahinter stünden – erinnert: diese Waffen werden töten, töten, töten! – dann müssten sie auch endlich einmal selbst die Konsequenzen daraus ziehen. Die jüngere Geschichte lehrt, wie so etwas im Ernst – und nicht im Zweifel – funktioniert. Erinnern Sie sich an den spanischen Bürgerkrieg, der zahlreiche Intellektuelle aus ganz Europa anzog. Persönlichkeiten wie Orwell oder Malraux, Hemingway und Brandt (Willy): kämpften an vorderster Front oder begaben sich als Verbindungsleute und Berichterstatter gleichsam in Lebensgefahr. Auch damals ging es um den Kampf ´Gut gegen Böse´, auch damals war das Pathos groß, aber diese Leute laberten eben nicht nur altklug herum: sie ließen den hehren Worten wirkliche Taten folgen.

Ein ähnliches, wiewohl patriotisch nachgefärbtes Bild bot sich nur wenige Jahre später jenseits des Atlantiks. Als die Vereinigten Staaten von Amerika in den zweiten Weltkrieg eintraten und so ganz wesentlich dazu beitrugen, den Faschismus in Europa niederzuringen, war eine nicht unbeträchtliche Anzahl Freiwilliger aus prominenten Kreisen schnell am Start, häufig Filmschauspieler (u.a Paul Newman, Lee Marvin, Glen Ford, Henry Fonda, Clark Gable oder James Stewart). Seltsam oder nicht: Superpatrioten wie John Wayne oder Frank Sinatra entzogen sich schon damals ganz geschickt dem Dienst an der Waffe, was übrigens später auch für G.W Bush und Dick Cheney galt, deren markige Worte uns noch jetzt in den Ohren nachklingen.

Sascha Lobo nennt Putin einen Faschistenführer, den Krieg in der Ukraine einen Vernichtungskrieg. Na, wenn das nicht reicht, den Worten sofort Taten folgen zu lassen! Zu alt ist er nicht, wie Gable und Fonda bewiesen haben. Aber es sollen sich eben doch lieber andere mit Waffen gegenseitig totschießen, die der Herr Lobo jetzt so energisch einfordert um seinen digital nachjustierten, Game-affinen Gelüsten ganz locker von Zuhause aus genügen zu können.

Es geht, wie immer: um die gute Sache. Daneben ist alles Weitere ziemlich egal. Also mal ordentlich Panzer und Abwehrraketen geliefert, nur immer rein mit dem Zeug: die humanitäre Katastrophe in der Ukraine zwingt uns zu beherztem Handeln. Vom Asow Regiment und seinen Schergen hat der Herr Lobo vermutlich nur am Rande oder gar nie gehört. Auch nicht davon, das in den letzten acht Jahren im Osten dieses Failed State mindestens vierzehntausend Zivilisten eines gewaltsamen Todes starben (laut OSZE zu annähernd 75 Prozent aufgrund des Einsatzes regulärer ukrainischer Streitkräfte, wohlgemerkt). Interessiert jetzt ohnehin keine Sau mehr. Der Autor dieser Zeilen kann sich noch ganz gut an die Kriege im ehemaligen Jugoslawien erinnern, auch und gerade an den in Kroatien, der mit meinen zwölf Monaten Wehrdienst zusammen fiel. Ich besuchte damals im Sommer das Land und konnte mir den einen oder anderen flüchtigen Eindruck verschaffen.

Sascha ´Blindbomb´ Lobo wird seinen müden Arsch niemals in irgendein Kriegsgebiet bequemen. Das, was er braucht, um durchblicken zu können, flimmert ja allabendlich in passender Inszenierung über den Bildschirm, der sein Zuhause ist und bleibt. Und die von ihm verlangten Mordinstrumente werden die Bilder am Laufen halten, zu denen er und seinesgleichen stündlich in die Luft onanieren.

Über Shanto Trdic 127 Artikel
Studium der Sport-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften an derUniversität Bielefeld. Seit 2006 Lehrer an der Gesamtschule Stieghorst,Sekundarstufe 1. Ehemals aktives SPD - Mitglied, nach Austritt keine weiteren Partei, - oder Vereinstätigkeiten.