Stupid Studis

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„You think you´re happy, and you are happy,

that´s what you´re happy for.“

Arthur Lee

Hurra, wir dürfen feiern! Heißt im konkreten Fall: das Asta-Sommerfestival an der Universität Paderborn findet, erstmals nach zwei Jahren, wieder statt. Gestern, am 03.06., fiel der Startschuss. Ein Datum, das in die Geschichte eingehen wird – bevor es im Mülleimer derselben verschwindet. Die Student*Innen konnten ihr Glück kaum fassen und kreischten vor laufender Kamera unisono um die Wette (Aktuelle Stunde, Regionalfernsehen), als habe man ihnen gerade einen 1000 Euro Verzehrgutschein von Lieferando in die feuchten Hände gedrückt (oder per App auf´s Verblöde-Phon geladen). Vielleicht war´s auch nur ein Ticket für´s nächste Ed Sheeran Konzert (gähn) oder ein Dating mit Greta (grusel). Aber von wegen: wer das Event Gelände betreten möchte, muss schlappe 19 Euro locker machen – das ist der Einstiegspreis. Den zu berappen bereits gestern annähernd 14.000 Partynasen bereit gewesen waren. Willkommen in ´Treu-Doofistan´.

Seltsam, wie sich die ´Spezies´ Student im Laufe der Zeit verändert hat. Galten Studis ´früher´ (wann immer das mal gewesen sein könnte) als frech und fordernd, aufmüpfig und kritisch, intellektuell belastbar und vor allem: bestens informiert – taugen sie jetzt nur noch als Befehlsempfänger unterster Fabrikation. Sorry! Aber so und nicht anders hat es sich in diesen wunderlichen zwei Jahren gezeigt. Eben so: zeigt es sich dieser Tage erneut.

Das Recht, wieder banal Fete feiern zu dürfen, wird von der Lernelite als Befreiung empfunden. Die man sich nun wirklich beharrlich erbuckelt hat. Der akademische Nachwuchs hielt nämlich in Zeiten globalpatriotischer Gesundheitsfürsorge ganz brav und tapfer die Klappe. Und ließ mit sich machen, was gemacht werden musste, sollte – auch nur konnte. Da kam einiges zusammen. Und etliches weg: nix mehr mit Party bis zum Morgengrauen, Club-Meeting oder Giga-Leinwand-Kino, Pauschal-Urlaub und Wellness-Power, Rudel-Chillen oder Gastro-Gammel; ging zwischenzeitlich und dann immer mal wieder: GAR NICHT. Auch der Öko-Gender-konforme Protest, zwecks Weltrettung und Minderheitenbeglückung, ehedem ganz lausig zu haben, fiel nun ins Wasser. Straßendemos waren, wie alles Übrige, nur unter strikten Auflagen möglich. Die der superkluge Nachwuchs selbstverständlich eingehalten hat. Experten-Rat befiel! WIR folgen dir…

Um irgendwann wieder an der (analogen) Vorlesung teilnehmen zu dürfen, mussten sich die Student*Innen brav piksen oder täglich testen lassen. Yes, we can! Ersteres fast ausschließlich, letzteres bis zur Kapitulation. Ganz und gar anstandslos geschah all dies; ohne Einspruch, Einwand – Wiederwort. Ohne kritisches Nachhaken oder berechtigten Protest. Ohne jede Gegenaktion also, für die der deutsche Student doch mal berühmt-berüchtigt gewesen ist. Doch gab es keine Anti-Covid Sit-Inns in besetzten Hörsälen, mit Aussprachen und Diskussionen, Forderungen und Basta-Statements: nichts dergleichen oder ähnlich mehr. Nix zu sabbeln, zu deuteln oder zu differenzieren! Wo kämen wir denn hin. Eins zu eins wurde umgesetzt, was von ganz oben so und nicht anders festgesetzt wurde. Die Jungs und Mädels von der Uni ließen sich drauf festnageln, als sei´s das Normalste von der Welt. Der Covid-Kanon als Patriot Act: Augen zu und durch. In allem gilt: die Masse macht´s. An ihr kommt keine Barbarei vorbei.

Jetzt erlaubt der Staat den öd-blöden Freiluft-Massen-Tanz. Schon steht die woke Nachwuchs-Elite Schlange. Nichts neues, das. Bis gestern waren es die Impf, – und Testzentren gewesen, an denen man nicht vorbeikam, um in die Bildungsfabrik reinzukommen; nun lockt das umliegende Festivalgelände. Bloß mitnehmen, was sich mitnehmen lässt! Wette drauf: werden die Spaßstudent*Innen in Zukunft umgehend ins Home-Office zurück kehren, sollte man das erneut von Ihnen verlangen. Davor bewahrt dann aber hoffentlich der x-te Piks, die ätzende Maske – das ´richtige´ Verhalten. Sie haben das drauf. Man hat´s Ihnen beigebracht. Sie haben: geliefert. So geht Leistungs-Student.

Freilich: geht da noch viel mehr. Das Konditionierungsprogramm läuft ja weiter. Jetzt erst Recht. Die Smart-Uni ist sicher schon in der Mache, wie denn der künftige elektronische Studentenausweis sowas von gnadenlos ab justieren wird, ob sich sein Besitzer auch wirklich konform verhält, im Sinne strikt einzuhaltender Maßgaben; mögen die einem Normalsterblichen auch noch so unsinnig anmuten. Es winken Boni, allenthalben! Wer eifrig Pluspunkte sammelt darf dann mal ganz vorne sitzen im Seminar, wer in den Miesen ist bleibt einfach draußen. Digital Justice, powered by Micro-Bill. Ich sehe die Eifrigsten unter den Servilen schon in tobsüchtige Verzückung geraten, wenn demnächst das Smartphone blinkt und bimmelt und solcherart ein Gratis-Menü in der Mensa offeriert – ja, man! Ich war richtig, richtig gut heute…

Stupid Studis, stunning slaves. Jetzt tanzen und turteln sie auf dem Campusgelände herum, mit Longdrink im Anschlag, und sowas von guter, mega-geiler Laune. Freilich: ohne die unentbehrlichen Ladestationen bräche auch hier eine ganze Welt zusammen. Wohl keiner, der nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit alberne Selfies fabrizierte. Spätabends, wenn die Party vor der Hauptbühne im dichten Gedränge ihren Massenkompatiblen Höhepunkt erreicht, muss auch der Hauptact ´eingefangen´ werden. Er landet dann, verwackelt und verdutzendfacht, im ´sozialen Netzwerk´.

Im Grunde treffen sich bei solcher Gelegenheit immer die Richtigen. Oben, auf der Bühne: das ´kritische´ Künstlerkonsortium, deren Angehörige nahezu treuhündisch den Anordnungen und Auflagen der Obrigkeiten Folge leisteten, um auf deren Signal hin wieder zaghaft weiter machen zu dürfen. Unten, im Graben vor der Rampe: die Rotte politisch überkorrekter Student*Innen, deren Dankbarkeit dieser Tage keine Grenzen mehr kennt. Schaut euch nur gegenseitig an, ihr Schafe: und blökt miteinander um die Wette. Gemeinsam habt ihr´s geschafft, gemeinsam werdet ihr auch alle weiteren ´Hirtenbriefe´ schlucken, da gibt´s nichts zu meckern. Wie echte Wiederkäuer grasen die Asta-Partylinge den Campus ab: eine Herde zum weglaufen.

Jetzt wäre wohl der passende Zeitpunkt gewesen, gleich vor Ort, mittels Demo, darauf aufmerksam zu machen, das man sich das Recht zu feiern kein zweites Mal mehr stehlen lässt – und zwar unter gar keinen Umständen! Begründen ließe sich dies glänzend. Bezeichnend und sowas von vorhersehbar: das gerade das eben nicht stattfand. Niemand, der auch nur auf die Idee gekommen wäre. Gender-Gaga oder Klima-Hype: bleiben die bestimmenden, routiniert herunter genudelten Themenkomplexe, denen sich der politisch überkorrekte Protest dauerhaft Wohlstandsverwöhnter Eliten-Anwärter in kollektivistischer Verblendung vorzugsweise widmet. Solcherart macht sich der spätpubertäre Jugendklüngel zur fünften Kolonne einer Regierungskoalition, die just damit beschäftigt ist, mittels Sanktionshypertrophie die halbe Weltwirtschaft lahm zu legen.

Nein – auch dagegen haben sie nichts einzuwenden. Sie sehen das gar nicht. Real-ökonomische Kollateralschäden sind kaum vorgesehen in einer heilen Welt, die sich in eigener Beschaulichkeit gefällt. Bisher lief alles halbwegs glatt. Corona hat manches auf den Kopf gestellt, aber die Hohlbirnen selbst zeigten sich davon ganz unbeeindruckt. Echte Härten blieben ihnen, deren Gehorsam Bände spricht, bisher erspart. Sie gehen auch weiterhin davon aus, als zukünftige Besserverdiener nichts mit dem Mäusedreck an der Peripherie zu schaffen zu haben. Mag der Rest der Welt ins Wanken geraten: Ihr Weltbild steht. Felsenfest. Für´s Klima gehen sie über Leichen, für´s Gendersternchen bis vor´s oberste Gericht.

Wie arm, das alles. Wie billig. Euch direkt ins Gesicht gespuckt: ihr seid erbärmlich! Und täppisch allenthalben.

Dann feiert mal schön.

Über Shanto Trdic 127 Artikel
Studium der Sport-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften an derUniversität Bielefeld. Seit 2006 Lehrer an der Gesamtschule Stieghorst,Sekundarstufe 1. Ehemals aktives SPD - Mitglied, nach Austritt keine weiteren Partei, - oder Vereinstätigkeiten.