Volksversagen

corona coronavirus covid covid-19 virus, Quelle: Matryx, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Diktaturen mögen mitunter vom Himmel fallen; doch selbst dann zeigen sie selten auf Anhieb ihr wahres, ihr wirkliches Gesicht. Der Prozess verläuft meist schleichend, schon vor Beginn der ´Machtübernahme´. Dann, irgendwann: läuft alles ganz von selbst – und die Masse läuft nur noch mit bzw. hinterher. Mögen die drei Affen nachträglich beklagen, nichts gesehen oder gehört zu haben: ihre Klappen konnten sie trotzdem nicht halten, denn sie haben, wie eine Herde Schafe, im entscheidenden Moment nur noch das verordnete Narrativ nachgeblökt. Die entsprechende ´Aufzucht´ ist dann also erfolgreich verlaufen. Sie werden es erleben, spätestens beim nächsten Lockdown, der den Rest der ´Unbelehrbaren´ endgültig dem gerechten Volkszorn ausliefert: Ihr seid schuld – die Impfverweigerer sind unser Unglück!   

Das Versagen von uns allen, die wir auf die eine oder andere Art und Weise mitgemacht haben und weiter mitspielen, vollzog sich unter den Konditionen einer Totalität, die bis zuletzt im Korsett eines bis dato mehr oder weniger bewährten Rechtsstaates steckte, den endlich keiner mehr zu verteidigen bereit war. Ausnahmen bestätigten von Anfang an die Regel. Peinlich daran ist, dass die Vorrausetzungen, den Schwindel zu durchschauen um entsprechend tatkräftig dagegen zu halten, noch nie so günstig waren. Gäbe es nur, wie ehedem, die drei Fernsehprogramme und sonst nichts, kein Internet also und damit die Möglichkeit alternativer Informationsbeschaffung (die freilich auch einen mündigen Bürger voraussetzt): wir bekämen gar nicht mit, dass hier vieles einfach nicht passt, nicht stimmt kann – das es um Gesundheit nie ging und auch nicht gehen wird, weil es eben knallharte Interessen sind und bleiben, die gnadenlos durchgepaukt werden, an jedem echten öffentlichen Interesse vorbei. Alle hatte die Gelegenheit, dahinter zu kommen, keiner kann sich später rausreden, aber genau das wird im kläglichen Moment wieder der Fall sein: dann werden aus Mittätern einfache Bauernopfer, frei nach dem Motto:“WIR konnten ja nichts machen – WIR haben DAS ja nicht gewusst. Eine verdammte Lüge. Man kann mittlerweile ALLES wissen und ich will an dieser Stelle nicht die Expertisen der Wodarg oder Bhakdi, Reuther und Koehnlein, Ioannidis oder Yeadon, Fuellmich und vieler, vieler anderer aufwärmen, nachbeten, wenn sie so wollen: ´nachblöken´. Und trotzdem: machen wir weiterhin, auf die eine oder andere Art und Weise, einfach mit. Augen zu und durch. Wie lange noch? Wer gibt UNS eigentlich das Recht, das Versagen eines ganzen Volkes (Drittes Reich) nachträglich so hochmütig wie selbstverständlich zu bemängeln? Warum, so muss man heute fragen, hätten die seinerzeit eigentlich nicht mitmachen sollen? Sie hatten ihre Wochenschauen und sonst gar nichts, Feindsender hören hieß Kopf ab und fertig. Wer aufmuckte kam ins KZ oder in den Kerker; mit etwas Glück (oder Pech): Frontbewährung im Osten. Wer konnte, haute ab ins Ausland. Die vorher schon warnten, standen bereits auf den entsprechenden ´Abschusslisten´. Fest steht: ausscheren konnten hinterher nur noch solche, die das eigene Ableben mutwillig in Kauf nahmen. Helden also, wenn man so will – Volksschädlinge aus Sicht der Volksgemeinschaft. Dieselbe ist dann am Ende, auch dies eine späte Vereinbarung, befreit und nicht besiegt worden.

Das in diesem Land und auf dieser Welt insgesamt vieles einfach nicht mehr stimmt, das bekommen wir tagtäglich analog und digital, von Mensch zu Mensch mit. Als Lehrer werde ich in ein paar Tagen wieder meinen Dienst an der Schule antreten. Meine KollegInnen sind, so versicherte mir einer von Ihnen bereits im Mai, wohl schon alle ´durch geimpft´. Nicht ganz, wie sich nun herausstellte. Ein anderer Kollege, tatsächlich noch ohne den Ergebenheitsnachweis, redete mir jetzt, ernsthaft besorgt, ins Gewissen. Ich hatte ihm mitgeteilt, dass ich der Schulleitung auseinander setzen werde, warum sie von mir nur den geforderten Test erhalten wird (es wird mein erster überhaupt sein). Seine Reaktion sagt alles. O-Ton: Tu das nicht! Gieß doch kein Öl ins Feuer. Bloß mit keinem darüber reden, mach ganz unauffällig deinen Unterricht und geh dann nach Hause: fertig. Er selbst habe sich bereits anhören müssen, an allem schuld zu sein – daran, das ´es nicht besser wird´. Und dabei ist das einer, der regelmäßig auf seinem Whats App Profil an die Fehler der Vergangenheit ´erinnert´.

Wehret der Anfänge? Halt bloß deine Klappe, Bruder. Ist es das, was jetzt von uns allen erwartet wird? Das wir nur noch Rudel konform mit den Wölfen heulen? Ist es also schon wieder so weit? Und wie weit kann man so ein Spiel im Zweifel treiben in einer Demokratie? Was meine Sie? Es komme mir niemand damit, man könne das eine unmöglich mit dem anderen vergleichen. Damit ist man fein raus, nicht wahr? Die resultierenden Schandtaten mögen Himmelweit auseinander liegen: die Abläufe sind schon jetzt dieselben. Irrtum ausgeschlossen. Wer die Genealogie leugnet, macht sich zum dummen August derer, die ihn billiger gar nicht kriegen können. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit wird ja die Vergangenheit entweder bequem bemüht oder geifernd unter Acht und Bann gestellt. Es kam und kommt also nur darauf an, wo man steht – soll heißen: es muss eigentlich nur die jeweils richtige, die von der ´guten´ Mehrheit geforderte Seite sein; sie erspart jeden mühselig erarbeiteten, also: freien Standpunkt. Dass der nicht zum Ramschpreis zu haben ist, und das er am Ende einiges kosten wird: steht fest – wird dieser Tage immer deutlicher.

 „Was geschehen ist,“ so heißt es schon im Buch Kohelet, Kapitel Eins,“ wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun, es gibt nichts Neues unter der Sonne.“ Das Drama Mensch, so scheint es, geht in seine nächste Runde. Jeder wird das eigene Gewissen befragen müssen, keiner kommt daran vorbei, und jeder, ausnahmslos jeder von uns hat zu verantworten, was er dieser Tage tut oder nicht. Eine Bürde, die uns keine Macht der Welt je abnehmen wird. Wer sich mit der Menge, der ´einfachen´ Mehrheit gemein macht, der wird auch mit ihr untergehen; wer ausschert und in den toten Winkel tritt, darf nicht auf Gnade oder Zuspruch hoffen. Die Zeit der faulen Ausreden, der billigen Kompromisse ist vorbei. Banal gesprochen: zeigt sich erst jetzt so recht, was einer taugt oder nicht.

Über Shanto Trdic 125 Artikel
Studium der Sport-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften an derUniversität Bielefeld. Seit 2006 Lehrer an der Gesamtschule Stieghorst,Sekundarstufe 1. Ehemals aktives SPD - Mitglied, nach Austritt keine weiteren Partei, - oder Vereinstätigkeiten.