Winkelzüge und Wendemanöver

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Die wesentlich auf Initiative Deutschlands angestrengten und betriebenen EU-Wirtschaftssanktionen gegen Weißrussland, das aus taktischem Kalkül nur noch unter der Bezeichnung ´Belarus´ in den hiesigen Propagandamedien kursiert, zeigen Wirkung. Machthaber Lukaschenko, dem ´freien´ Westen schon seit mehr als zwei Jahrzehnten ein Dorn im tränenden Auge, öffnete jüngst sein Land für ´Flüchtlinge´ aus Afghanistan, deren etliche der tadschikischen Ethnie angehören und gar nicht daran denken, im sozusagen um die Ecke gelegenen Stammland, dem nördlich gelegenen Tadschikistan, Asyl zu beantragen, wiewohl dort weder Krieg noch Hunger herrschen. Hierzulande war indes ganz schnell von ´Helfern´ die Rede, die man unmöglich im Stich lassen dürfe, aber so viele, wie es jetzt schon sind, können es in der Vergangenheit gar nicht gewesen sein. Freilich: wer kein Taliban ist, darf im Mindesten als ´Mithelfer´ gelten; den eigenen Familienclan mit eingerechnet. Das sich mittlerweile unter der Schirmherrschaft Ahmad Massouds (Sohn des legendären Stammesführers gleichen Namens) im Norden der Widerstand gegen das neue/alte Regime sammelt und formiert, wird hierzulande, wie so manches, was in Afghanistan ´sonst noch´ passiert, gar nicht publiziert. Gängige Berichterstattungen gefallen und genießen sich auch weiterhin so einseitig wie ermüdend in der Darstellung humanitärer Miseren, gern rührselig inszeniert oder mit kleinen Shocks garniert, um solcherart den unentbehrlichen Spendenreflex zu aktivieren. In notorischer Folge werden vor allem ´Frauenschicksale´ bemüht, als habe der Feminismus kontinentaleuropäischer Prägung in dieser abgeriegelten Steppenlandschaft feste Wurzeln geschlagen, die nun so jäh wie unerwartet von einer Horde Finsterlinge gekappt werden. Ausnahmen sollen hier eine Regel bestätigen, die sich am Hindukusch weder bewährt noch bewahrheitet hat. Westliche Lebensformen bildeten sich, so viel steht fest, in dem nie zur Nation gereiften Protektorat allenfalls oberflächlich heraus, wie denn die Paläste superreicher Clanchefs in der Metropole Kabul nur das Ausmaß an Korruption versinnbildlichen, in dessen Schatten sich wenig geändert, kaum etwas ´entwickelt´ hat. Die begleitenden Vorgänge werden ungern aufgearbeitet. Zwanzig Jahre lang hat man uns immer wieder eingeredet, wie toll alles liefe; mit derselben Selbstverständlichkeit ist jetzt davon die Rede, wie schlimm es gekommen sei. Folglich dominiert der moralische Appell, dem man am besten mittels Zurschaustellung niedlicher kleiner Kinder genügt. Widerlich. Aber wirksam. Denn dies alles signalisiert denen, die raus wollen, wohin die Reise geht, so zynisch das auch klingen mag. Wenn der Herr Lukaschenko nun von seinem Recht Gebrauch macht, die Grenzen zum eigenen Land zu öffnen (dies tat auch Deutschland anno 2015), mag das für jene, die ihm den Krieg erklärt haben ärgerlich sein, aber es ist eben ein Krieg, den man gegen sein Regime führt, da kann es doch kaum überraschen, dass er ´Flüchtlinge als Waffe´ einsetzt, wie jetzt sehr treffend formuliert wird. Es liegt im geostrategischen Interesse der USA, den Vorhof Russlands abzuwürgen, im Grunde erledigt das Moralbesoffene Deutschland nur die Drecksarbeit seiner Partner, und man fragt sich schon, warum Sanktionen nicht ferner gegen ein Dutzend anderer, gleichsam mittels Wahlfälschung an der Macht gehaltener, die Menschenrechte beugender Schurkenregime – auch und gerade verbündeter! – verhängt werden.

Böser Lukaschenko! Der hat den falschen Kumpel zum Freund. Folglich muss er weg. Die Alternative: ein ziemlich dubioses Amazonen-Trio, dessen schrille Vertreterinnen schon rein äußerlich unseren Queer-Spitzen entgegen kommen, die jeden bloßen Normalo – alte, weiße Männern voran – das Fürchten lehren. Wiewohl nur eine exklusive Minderheit innerhalb der Bevölkerung, hauptsächlich beheimatet in den urbanen Zentren, gewisse Sympathien für diese Casting-Truppe zweifelhafter Herkunft hegt, lässt die EU, allen voran Frau von der Leyen, nicht locker, einen Aufruhr anzuheizen, der einmal schwer nach hinten losgehen könnte. Gelänge es tatsächlich, diese Damen an die Macht zu putschen, wäre der Rest nur noch Formsache. Von gewissen, dem Zeitgeist entsprechenden Modeprojekten einmal abgesehen (wie wäre es mit einem Transgender-gerechten Super-Ministerium mit sowas von strikten Cancel Culture Befugnissen?) würden vor allem längst vorbereitete Vertragsvereinbarungen ratifiziert; solche also, die angloamerikanischen Konzernen freien Zugang zu den Kapitalträchtigen Staatsmonopolen verschafften. So kann das weiße Russland endlich dem blütenreinen Westen zugeführt und vom großen, pechschwarzen Russland abgetrennt werden. Vom bösen Putin also, dessen Nord Stream 2 Pipeline vor allem unseren GRÜNEN übel aufstößt, wiewohl ihr Anwärter aufs Vizekanzleramt, Robert Habeck, vor dem Hintergrund einer sich immer deutlicher anbahnenden Energiekrise  auf einmal ganz scharf auf das ´schlechte´ Gas ist und dem russischen Staatschef schon vorab ´Erpressung´ vorwirft. Dieser ´Pazifist´ hatte ja auch kein Problem damit, der Ukraine ´Defensivwaffen´ zukommen zu lassen.

Die weißrussische Defensivwaffe gegen Sanktionen aus der EU sind nun also Flüchtlinge, deren Angehörigen derlei Fremdsteuerung gefällt, weil ja gleich hinter der polnischen Grenze das gelobte Land beginnt. Die im Mittelmeer operierenden, auf Absprache mit Schlepperbanden angewiesenen und hauptsächlich unter deutscher Flagge stehenden Rettungsschiffe greifen ihrerseits Menschen auf um sie bequem ´durchzureichen´. Auch deren ´Kunden´ wollen ja nach Deutschland. Machen wir uns nichts vor: in einem 2,5 Quadratkilometer großen Meer bilden die jeweiligen ´Hotspots´ recht weitgefasste, im Ganzen unübersichtliche Regionen, weshalb die reibungslosen ´Übergaben´ klar erkennen lassen, dass hier ein kriminelles Netzwerk greift: Retter und Schlepper Hand in Hand. Unsere Eliten bemängeln wiederum, dass der im Mittelmeer organisierte Transport Schutzbefohlener an der bosnisch-kroatischen Grenze stockt, weil er hier robust abgewehrt wird. Wie kann man da dem weißrussischen Machthaber vorwerfen, dass er´s den Sea-Watch-Aktivisten auf dem Landwege gleich tut? Sagt, liebe Leute: wie hättet ihr´s denn gern? Noch-Vize-Kanzler Maas, der bekanntlich wegen Auschwitz ins politische Ellenbogengeschäft einstieg, droht nun weitere Sanktionen gegen Airlines des Landes an. Passend zu den bisherigen Verrenkungen moralinsauer deutscher Außenpolitik, die als Pädagogik weltumspannende Geltung beansprucht und doch über die üblichen Feindbilder nicht hinausgelangt, sollte der Herr Außenminister Airlines, die den afghanischen Flugraum abdecken, mit zusätzlichen Steuermilliarden ´auf Kurs´ bringen, Richtung Germania natürlich, denn „Deutschland hat noch eine Vielzahl an Ortskräften, die wir aus Afghanistan heraus bringen wollen“ (Angela Merkel, Noch-Mutti der Nation, neulich vor der Presse).

Ungereimt und unausgegoren, aber sowas von ´richtig´ ist auch das Konzept jener Energiewende, die in den entsprechenden Verlautbarungen eher einem Evangelium gleicht, mit entsprechenden Erlösungsphantasien und Glaubensfanatismen. Es hat sich mittlerweile herum gesprochen, das Deutschland demnächst auf die Kohle Polens angewiesen sein könnte, um infolge fest vereinbarter, mittels eigenem Ministerium exekutierter, klimaneutraler Radikalkuren eine auch nur halbwegs funktionierende Energie-Versorgung der eigenen Bevölkerung sicher stellen zu können. Die bunte Ampel setzt auf´s ´Fasten´ – das sorgt für ´Visionen´. Zuletzt ging´s, passend und sowas von wichtig, um´s kiffen – freies kiffen, wohlgemerkt. Cannabis als Wellness-Waffe.  In 20 Monaten Corona-Total hingegen ist, jenseits knallhart durchgezogener Maßnahmen und Agenden, nie von Gesundheit im eigentlichen, also eigenverantwortlichen Sinne die lästige Rede gewesen. Nun darf, pünktlich zur kalten Jahreszeit, wieder gelockert werden. Spahn hat erreicht, was er erreichen sollte: die Bevölkerung ist zwar nicht vollständig, wohl aber gründlich durch gepikst worden, der grüne (Überwachungs)Pass steht – sauber geliefert, Chef-Lobbyist! War ja alles nur zum Besten der Volksgemeinschaft – Volksgesundheit.

Im Schatten einer erdrückenden, zunehmend Nerv-tötenden Hypermoral werden die eigentlichen Projekte der Weltretter sorgsam ein gedunkelt und zur Not, fällt ein flüchtiger Fetzen Licht drauf, als Verschwörungstheorien abgetan. Deutschland leitet sein Recht auf Belehrung immerzu aus der eigenen Vergangenheit ab. Das taten ´die´ Deutschen aber auch schon vor über achtzig Jahren: eine tausendjährige Entwicklung einleitend, die am Ende kaum länger währte als jene Spanne Zeit, die man sich heute zwecks Realisierung jener Klimaziele setzt, an denen dieses Land, hielten seine Eliten unverzagt daran fest, einmal verlässlich zugrunde gehen muss.

Über Trdic Shanto 105 Artikel
Studium der Sport-, Sozial-, und Erziehungswissenschaften an derUniversität Bielefeld. Seit 2006 Lehrer an der Gesamtschule Stieghorst,Sekundarstufe 1. Ehemals aktives SPD - Mitglied, nach Austritt keine weiteren Partei, - oder Vereinstätigkeiten.