Rückenwind für die Grünen – CDU weiter vorn

Wird es im baden-württembergischen Wahlkampf doch noch einmal spannend? Weniger als zwei Wochen vor der Landtagswahl sorgt eine neue Umfrage für leichte Bewegung: Die Grünen und ihr Spitzenkandidat Cem Özdemir erhalten Rückenwind.

In der aktuellen Erhebung des Instituts Insa für die Bild kommen die Grünen auf 22 Prozent. Die CDU liegt bei 28 Prozent. Damit schrumpft der Vorsprung der Christdemokraten auf sechs Prozentpunkte.
Ende Januar hatte eine ebenfalls von Insa – damals im Auftrag des Nachrichtenportals Nius – durchgeführte Umfrage noch einen Abstand von acht Punkten ausgewiesen. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Grünen bei 21 Prozent, die CDU bei 29 Prozent. Der Vorsprung der CDU ist damit weiterhin komfortabel, er wird jedoch sichtbar kleiner.

Ein Zweikampf um die Staatskanzlei

Der künftige Ministerpräsident im Land wird aller Voraussicht nach entweder der christdemokratische Senkrechtstarter Manuel Hagel oder der grüne Ober-Realo Cem Özdemir sein.

Özdemir profitiert derzeit auch von hoher medialer Aufmerksamkeit. Die Bilder seiner kurzfristig anberaumten Hochzeit in der vergangenen Woche – mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer als Standesbeamten – transportierten ein bürgernahes und zugleich über die klassischen grünen Milieus hinaus anschlussfähiges Signal. Damit erreicht er offenbar auch unentschlossene Wähler.

CDU verliert den Schwung aus dem Herbst
Hagel und seine CDU können derzeit nicht mehr an die sehr hohen Zustimmungswerte aus dem Herbst des vergangenen Jahres anknüpfen. Im Oktober hatte Insa für die Schwäbische Zeitung noch 31 Prozent für die CDU gemessen – bei vergleichsweise niedrigen 17 Prozent für die Grünen.

Belastend wirkt zudem die anhaltend schlechte Bewertung der CDU geführten Bundesregierung, die auch den CDU-Wahlkampf im Südwesten nicht völlig unberührt lässt. Welchen Effekt Hagels Auftritt auf dem CDU-Bundesparteitag am vergangenen Wochenende hatte, ist noch offen: Der Parteitag fiel mitten in den Umfragezeitraum.

StabileWerte bei AfD, SPD und Linken

Bei drei Parteien verfestigen sich derweil die Umfragewerte. Die AfD liegt in der neuen Erhebung bei 20 Prozent, die SPD erreicht 10 Prozent, und die Linke kommt auf 7 Prozent. Damit hätte sie erstmals realistische Chancen auf den Einzug in den Landtag von Baden-Württemberg.
Die Mehrheitsbildung wird dadurch nicht einfacher – im Gegenteil.

FDP über der Fünf-Prozent-Hürde

Gute Nachrichten gibt es hingegen für die FDP. Nachdem sie in den vergangenen drei Umfragen verschiedener Institute jeweils nur knapp an der Fünf-Prozent-Marke lag und ein Ausscheiden aus dem Landtag drohte, stabilisiert sie sich nun bei 6 Prozent.

Für die Liberalen um Hans-Ulrich Rülke bleibt die Lage dennoch angespannt. Entscheidend wird sein, ob es ihnen gelingt, genügend Wechselwähler zu mobilisieren und Stimmen aus dem konservativen Lager zu gewinnen.

Kampf um jede Stimme im bürgerlichen Lager
Dass die CDU am Wochenende landesweit neue Plakate mit der klaren Botschaft „Beide Stimmen CDU“ aufhängen ließ, ist vor diesem Hintergrund mehr als eine Routineentscheidung. Leihstimmen für die FDP kann sie sich aus heutiger Sicht kaum leisten.

Denn vieles spricht derzeit für eine einfache Logik: Ministerpräsident wird, wer am Wahlabend vorne liegt. Für alternative Koalitionen fehlen nach jetzigem Stand die Mehrheiten.Die Schlussphase des Wahlkampfs wird damit zu einem direkten Wettbewerb zwischen CDU und Grünen – und zu einem Kampf um jede einzelne Stimme.

Über Aljoscha Kertesz 11 Artikel
Aljoscha Kertesz ist Kommunikationsberater und politischer Autor. Er studierte Betriebswirtschaft und International Relations in Brighton, New York, Wellington und Wuppertal. Seit den späten 1990er-Jahren veröffentlicht er regelmäßig Beiträge in Fachzeitschriften und überregionalen Tageszeitungen. In seinen Texten analysiert er politische Entwicklungen in Großbritannien und Deutschland, mit besonderem Schwerpunkt auf Wahlkämpfen und strategischer politischer Kommunikation. Er beschäftigt sich mit Kampagnenführung, Parteienstrategien und politischer Sprache.