Autor: Maximilian Schreiber
Wenn Wachstum nicht mehr trägt
Viele mittelständische Unternehmen wachsen und geraten dennoch unter Druck. Umsätze steigen, Auftragsbücher sind gefüllt, doch die Ertragslage bleibt angespannt. Was auf den ersten Blick paradox wirkt, lässt sich häufig auf einen unscheinbaren, aber wirkungsmächtigen Faktor zurückführen: die Fixkostenstruktur. Während Großunternehmen Skaleneffekte gezielt nutzen, bleiben fixe Kosten im Mittelstand oft unangetastet. Sie entwickeln sich von einer notwendigen Grundlage zur dauerhaften Wachstumsbremse.
Fixkosten: mehr als ein Controlling-Thema
Fixkosten gelten in vielen Unternehmen als gegeben. Mieten, Personal, IT-Systeme, Verwaltung, Versicherungen oder langfristige Dienstleistungsverträge werden als stabile Rahmenbedingungen betrachtet, nicht als strategische Stellhebel. Entsprechend landen sie primär im Controlling – mit dem Fokus auf Überwachung, nicht auf Gestaltung.
Dabei entscheidet die Struktur der Fixkosten maßgeblich darüber, ob Wachstum zu höherer Profitabilität führt oder lediglich mehr Komplexität erzeugt. Steigen Umsätze, ohne dass fixe Kosten relativ sinken, verpufft der Skaleneffekt. Im Extremfall verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage trotz steigender Erlöse.
Historisch gewachsene Strukturen als Risiko
Im Mittelstand sind Fixkosten häufig das Ergebnis historischer Entscheidungen. Neue Mitarbeitende wurden eingestellt, als das Geschäft wuchs. Zusätzliche Flächen kamen hinzu, weil sie verfügbar waren. IT-Systeme wurden ergänzt, nicht ersetzt. Diese schrittweise Entwicklung ist nachvollziehbar – führt jedoch zu Kostenblöcken, die kaum noch hinterfragt werden. Das Problem: Was in einer bestimmten Unternehmensphase sinnvoll war, passt oft nicht mehr zur aktuellen Markt- oder Wettbewerbssituation. Fixkosten verlieren ihre Flexibilität, während Märkte volatiler werden. Die Organisation wird träge, Reaktionszeiten verlängern sich, Investitionsspielräume schrumpfen.
Fixkosten-Degression als strategischer Hebel
Fixkosten-Degression beschreibt den Effekt, dass fixe Kosten pro Einheit sinken, wenn Leistung, Output oder Umsatz steigen. In der Praxis wird dieses Prinzip jedoch selten aktiv gestaltet. Stattdessen entsteht Degression zufällig oder gar nicht. Ein strategischer Umgang mit Fixkosten bedeutet, Kostenstrukturen bewusst so zu gestalten, dass sie Wachstum ermöglichen. Nicht durch pauschales Sparen, sondern durch intelligente Skalierung. Das kann heißen, Fixkosten stärker zu bündeln, sie auf mehrere Geschäftseinheiten zu verteilen oder sie so auszurichten, dass sie bei höherer Auslastung effizienter wirken.
Von der Kostenreduktion zur Kostenlogik
In wirtschaftlich angespannten Zeiten greifen viele Unternehmen reflexartig zu klassischen Sparmaßnahmen. Investitionen werden verschoben, Budgets gekürzt, Personal abgebaut. Kurzfristig entlastet das die Liquidität – langfristig schwächt es Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft. Ein Perspektivwechsel ist erforderlich: Weg von der Frage „Wo können Kosten gesenkt werden?“ hin zu „Welche Kostenstruktur unterstützt unser Wachstum?“ Fixkosten-Degression setzt genau hier an. Sie zielt nicht auf Reduktion um jeden Preis, sondern auf eine Logik, bei der fixe Kosten mit zunehmender Leistung an relativer Bedeutung verlieren.
Transparenz als Voraussetzung
Der erste Schritt ist Transparenz. Viele Unternehmen kennen ihre Fixkosten zwar in Summe, aber nicht in ihrer Wirkung. Welche Kosten wachsen proportional mit? Welche bleiben konstant – unabhängig vom Umsatz? Welche blockieren Investitionen oder erhöhen das Risiko in Abschwungphasen?
Erst wenn Fixkosten nicht nur erfasst, sondern verstanden werden, lassen sich strategische Entscheidungen treffen. Das betrifft nicht nur Zahlen, sondern auch Prozesse, Verantwortlichkeiten und Organisationsstrukturen.
Spielräume schaffen – ohne Qualitätsverlust
Ein häufiges Missverständnis besteht darin, Fixkosten-Degression mit Verzicht gleichzusetzen. Tatsächlich geht es um das Gegenteil: um Spielräume. Wenn fixe Kosten pro Leistungseinheit sinken, entstehen Mittel für Innovation, Digitalisierung oder Markterschließung. Besonders relevant ist dies in Zeiten unsicherer Märkte. Unternehmen mit skalierbaren Kostenstrukturen sind widerstandsfähiger, können Schwankungen besser ausgleichen und schneller auf Veränderungen reagieren – ohne ihre Substanz zu gefährden.
Fazit: Fixkosten sind Chefsache
Fixkosten sind kein statischer Block, sondern ein strategisches Instrument. Wer sie ausschließlich dem Controlling überlässt, verschenkt Potenzial. Gerade im Mittelstand entscheidet der bewusste Umgang mit Fixkosten darüber, ob Wachstum trägt oder belastet. Fixkosten-Degression bietet einen Denkrahmen, um Kosten nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten. Der Nutzen für Unternehmen liegt nicht im Sparen an sich, sondern in der Fähigkeit, Wachstum wieder profitabel, flexibel und zukunftsfähig zu machen.
Maximilian Schreiber ist Unternehmer, Wirtschaftsjurist, Business-Coach und einer der führenden Gründungsberater und Fördermittelexperten im deutschsprachigen Raum. Nach Auslandseinsätzen bei der Bundeswehr weiß er, wie man in Krisen Chancen erkennt und klare Entscheidungen trifft. Als Geschäftsführer der RSC GmbH und der MX Logitcon GmbH mit dem Medienprojekt The Way of Business unterstützt er Gründer und Unternehmen dabei, Liquidität zu sichern, Fördermittel clever zu nutzen und neue unternehmerische Perspektiven zu entwickeln. Maximilian Schreiber ist ein Experte, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Sein Credo: „Krisen sind der Moment, in dem Gewinner gemacht werden.“ Website: https://wiegruenden.de/
