Deutschland zwischen den Supermächten: Mehrheit der Deutschen will Neutralität – Merz verliert Rückhalt

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Der Angriff Israels und der Vereinigten Staaten auf den Iran und die Folgen des Krieges im Nahen Osten sind das bestimmende Thema dieser Tage. Wir wollten wissen, an wem sich Deutschland bündnispolitisch am ehesten orientieren sollte. Als Antwortoptionen gab es „gegenüber China und den USA neutral verhalten“, „Bündnis mit China forcieren“ und „Bündnis mit den USA forcieren“. Mehr als drei Viertel der Befragten wollten und konnten darauf eine Antwort geben. Fast jeder Zweite (49 Prozent) sprach sich für ein neutrales Verhalten gegenüber China und den USA aus, 15 Prozent möchten das Bündnis mit China forcieren und zwölf Prozent das Bündnis mit den Vereinigten Staaten forcieren. Die Zustimmung für ein neutrales Verhalten gegenüber den zwei Supermächten ist bei den über 50-Jährigen, den Befragten ohne Migrationshintergrund und den Westdeutschen (etwas) höher als bei den unter 50-Jährigen, den Befragten mit Migrationshintergrund und den Ostdeutschen. Auch bei den Anhängern aller Parteien überwiegt eindeutig die Zustimmung zu einem neutralen Verhalten gegenüber China und den USA. Nur bei den Wählern der FDP kommen an zweiter Stelle diejenigen, die sich dafür aussprechen, das Bündnis mit den Vereinigten Staaten zu forcieren. Bei den AfD-Wählern liegen die beiden Optionen in etwa gleichauf (16 bzw. 14 Prozent). Bei den Wählern aller anderen Parteien gibt es einen leichten Vorsprung dafür, das Bündnis mit China zu forcieren. Aus den Reisen des Bundeskanzlers, zunächst nach China und dann in die Vereinigten Staaten, könnte man schließen, dass er sich um diesen Balanceakt im Blick auf Neutralität bemüht.

Bei der Zustimmung zu seiner Politik hilft das Friedrich Merz (noch?) nicht. Die Mehrheit der Deutschen (53 Prozent) sind im Großen und Ganzen mit seiner Politik nicht einverstanden. Nur gut jeder Fünfte (21 Prozent) ist einverstanden und weitere 20 Prozent können sich weder mit der Politik des Bundeskanzlers einverstanden erklären noch ihr widersprechen. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der CDU/CSU-Wähler sind mit der Politik des Bundeskanzlers einverstanden, nur jeder fünfte Wähler der Union (20 Prozent) ist nicht einverstanden. Bei den Wählern aller anderen Parteien überwiegt die Zahl derer, die mit der Politik von Friedrich Merz im Großen und Ganzen nicht einverstanden ist.

Im Moment deutet wenig darauf hin, dass es dem Bundeskanzler gelingt, die Stimmung für sich und seine Partei zu drehen. Dass er die große Mehrheit seiner eigenen Wähler überzeugt, könnte sich aber zumindest zum Anfang einer Trendumkehr entwickeln. Dann aber müsste er eine Politik umsetzen, die seine Anhänger von ihm erwarten.

Über Hermann Binkert 539 Artikel
Hermann Binkert ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Jurist ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts INSA-CONSULERE. Bevor er INSA im November 2009 in Erfurt gründete, war Binkert 18 Jahre im öffentlichen Dienst, zuletzt als Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund, tätig. Heute gehört er zu den renommiertesten Meinungsforschern Deutschlands und erhebt Umfragen für Ministerien im Bund und in den Ländern, für alle Parteien und Fraktionen, die im Bundestag und in den Landtagen vertreten sind. Wöchentlich stellt INSA die Sonntagsfrage für die Bild am Sonntag und die BILD. Das Meinungsforschungsinstitut arbeitet für viele großen Verlage, z. B. Springer, Burda, Funke, Madsack. Es führt aber auch Fokusgruppengespräche und Testkäufe durch.