Die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran seit Samstag, den 28. Februar 2026, und die anschließenden iranischen Vergeltungsschläge auf derzeit zehn Länder haben den Nahen Osten und Nordafrika innerhalb weniger Stunden in einen erneuten Krisenmodus versetzt. Nahezu alle Länder im Nahen Osten sind bereits von diesem Krieg betroffen: Regierungen sahen sich gezwungen, Position zu beziehen, diplomatische Krisenstäbe wurden aktiviert, und in den Gesellschaften entfaltete sich eine intensive öffentliche Debatte über Ursachen, Verantwortung und mögliche Folgen der Eskalation. Die Spannbreite der Reaktionen reicht von geschlossener Solidarität mit den Golfstaaten über vorsichtige diplomatische Äquidistanz bis hin zu scharfer Kritik an Israel, den USA oder dem Iran – je nach innenpolitischer Lage, sicherheitspolitischer Betroffenheit und geopolitischer Ausrichtung.
Im Zentrum dieses Berichts stehen drei Leitfragen, die die Dynamiken in den Ländern der Region strukturieren: (1) Wie fiel die erste Reaktion auf die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran aus? (2) Wie werden die iranischen Gegenangriffe bewertet? (3) Welche Erwartungen und Befürchtungen prägen aktuell die Politik und Gesellschaft der Länder?
Der Bericht zeigt aus der Perspektive der Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung im Nahen Osten und in Nordafrika, wie unterschiedlich die Staaten mit der neuen Unsicherheit umgehen: Einige rücken eng an ihre arabischen Partner am Golf oder an die USA, andere bemühen sich demonstrativ um Neutralität und Deeskalation, während wieder andere innenpolitische Konfliktlinien durch die Ereignisse verstärkt sehen. Zugleich wird deutlich, dass die Frage nach den langfristigen Folgen der Eskalation – für regionale Stabilität, innenpolitische Verhältnisse und bestehende Konflikte – überall im Raum steht.
Israel
Dr. Michael Rimmel und Pascal Franz
Premierminister Netanjahu erklärte in seiner Ansprache am 28. Februar, das Ziel der US-israelischen Militäroperation sei das Ende des iranischen Regimes. Der Krieg im vergangenen Jahr habe den Iran stark geschwächt, aber die Haltung des Regimes nicht verändert. Das Regime töte weiterhin seine Bevölkerung, rüste weiterhin Terrororganisationen aus, plane weiterhin eine Atombombe; das Ziel sei unverändert, Israel auszulöschen. Auch die iranische Opposition und große Teile der Bevölkerung nehmen das eigene Land als Bedrohung wahr und unterstützen die Operation.
Israelische Oppositionspolitiker haben sich überwiegend und demonstrativ an die Seite Netanjahus gestellt. Auch eine große Mehrheit der Bevölkerung unterstützt den Krieg und begrüßt die Eliminierung von Ajatollah Ali Khamenei und Teilen der Staatsführung. Gleichwohl ist klar, dass das Regime damit nicht gestürzt und der Krieg nicht beendet ist.
Seit Beginn des Krieges nimmt der Iran die israelische Zivilbevölkerung ins Visier. Mehrfach am Tag und in der Nacht herrscht Raketenalarm und die Menschen müssen in Schutzräume eilen. Raketeneinschläge führten bereits zu Todesopfern, Verletzten und umfangreichen Zerstörungen. 70.000 Reservisten wurden einberufen, der Luftraum gesperrt und das öffentliche Leben heruntergefahren. Das Land bereitet sich auf wochenlange Kämpfe und auf Interventionen von weiteren vom Iran finanzierten Terrororganisationen in der Region vor. Ob nach Ende der Kämpfe die Region längerfristig stabil bleiben könnte, ist die größte Frage wie auch Hoffnung.
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Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung
