Die bayerische Wirtschaft exportierte im November 2025 Waren im Wert von rund 19,2 Milliarden Euro ins Ausland, das waren 1,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Importe stiegen im selben Zeitraum um 4,4 Prozent auf 20,2 Milliarden Euro. Die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. bleibt angesichts der heute vom Landesamt für Statistik veröffentlichten Zahlen trotzdem vorsichtig. „Der leichte Anstieg der Ex- und Importe hat sich im November erfreulicherweise fortgesetzt, das macht Hoffnung. Zudem liegen auch die Zahlen für Aus- und Einfuhren in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres leicht im Plus. Der konjunkturelle Tiefpunkt scheint demnach vorerst erreicht zu sein, gleichzeitig dämpfen die Entwicklungen im Zollstreit mit den USA unsere Aussichten für dieses Jahr. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir weiterhin ein Außenhandelsdefizit aufweisen. Ein zusätzlicher Strafzoll von zehn und später 25 Prozent auf alle Einfuhren in unseren wichtigsten Exportmarkt, den USA, würde unsere bayerische Exportwirtschaft erneut hart treffen. Zudem riskiert die ungerechtfertigte Androhung des US-Präsidenten auch, dass der EU-US-Deal scheitert, was wiederum jegliche Planungssicherheit für die Unternehmen zerstört. Die EU muss nun entschlossen reagieren und darf sich nicht erpressen lassen. Gegenzölle dürfen aber nur das letzte Mittel sein – sie schaden immer auch dem Land, das sie erhebt“, so vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.
Die Betrachtung wichtiger Exportmärkte ist durchwachsen. „Die USA blieben in den ersten elf Monaten des Jahres 2025 unser wichtigster Exportmarkt mit einem Anteil an den gesamten bayerischen Ausfuhren von 11,6 Prozent. Umso bedauerlicher ist es, dass wir auch aufgrund der aggressiven US-Zollpolitik einen deutlichen Rückgang bei den Ausfuhren sehen, im November 2025 waren es knapp 28 Prozent. Die neu angedrohten Strafzölle verheißen daher nichts Gutes für unser Amerikageschäft. Erfreulicherweise zeigt sich zumindest etwas Entspannung beim Exportgeschäft mit der Volksrepublik China. Die Exporte in das Reich der Mitte stiegen im November um 11,3 Prozent. Weitere wichtige Exportländer im November waren Österreich, Italien, Frankreich und Polen. Lediglich die Ausfuhren nach Österreich gingen leicht zurück, beim Rest verzeichnen wir einen Anstieg. Insgesamt exportierte der Freistaat 6,6 Prozent mehr Waren in die EU-Länder, das entspricht 10,7 Milliarden Euro“, erläutert Brossardt weiter.
Auch bei den wichtigsten Exportgütern zeigt sich eine gemischte Lage. „Bei den Pkw und den Maschinen verzeichnen wir kräftige Rückgänge um 11,8 Prozent beziehungsweise 6,5 Prozent. Dabei sind beide Warengruppen zentrale Säulen der bayerischen Exportwirtschaft. Die Ausfuhren von Geräten zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung sowie von Kfz-Teilen stiegen hingegen leicht an. Die Lage bleibt aber weiterhin schwierig – und mit Blick auf die Entwicklungen der letzten Tage haben sich die Erwartungen sogar wieder eingetrübt“, erklärt Brossardt und ergänzt: „Die wirtschaftlichen Verwerfungen mit den USA bestimmen leider auch dieses Jahr. Für uns muss das bedeuten, dass wir dringender denn je die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts entschieden verbessern müssen, um trotz der schwierigen außenwirtschaftlichen Lage als Standort so attraktiv wie zu möglich bleiben.“
