KI-Companions in Deutschland: Wie viele nutzen sie – und was bringen sie?

Künstliche intelligenz, Mathematik, Fantasie, Quelle: JuliusH, Pixabay. Freie kommerzielle Nutzung, Kein Bildnachweis nötig.

Wenn von „KI-Companions wie Joi KI“ die Rede ist, meinen viele nicht nur klassische Chatbots für Faktenfragen, sondern digitale Begleiter: Tools, die sich „menschlicher“ anfühlen, längerfristige Gespräche führen, sich an Vorlieben erinnern, Rollenspiele erlauben oder einfach da sind, wenn sonst niemand wach ist. Dienste wie Joi (und viele ähnliche Angebote) bewegen sich genau in diesem Spannungsfeld zwischen Unterhaltung, sozialer Interaktion und persönlicher Unterstützung.

Die ehrliche Vorbemerkung: Eine exakte, öffentlich verifizierte Zahl „wie viele Deutsche genau KI-Companion-Dienste wie Joi nutzen“ gibt es nicht, weil Anbieter in der Regel keine länderspezifischen Nutzerzahlen veröffentlichen. Was wir aber sehr gut einordnen können, sind (1) die Größe der potenziellen Nutzerbasis, (2) die Verbreitung generativer KI allgemein und (3) Indikatoren dafür, wie oft KI in Deutschland „emotional“ genutzt wird.

1) Wie groß ist die potenzielle Nutzerbasis?

Deutschland hat zum 30. September 2025 rund 83,497 Mio. Einwohner.
Für die digitale Reichweite ist entscheidend: In der Altersgruppe 16 bis 74 (im Mikrozensus-Kontext) nutzen 97 % das Internet zu privaten Zwecken. Die zugrunde liegende Bevölkerungszahl in dieser Gruppe liegt bei 61,442 Mio.
 Das heißt: Rein infrastrukturell ist die Basis riesig – KI-Companions sind kein Nischenphänomen, das „am Internet scheitert“, sondern eher an Akzeptanz, Use-Cases, Preis und persönlicher Motivation.

2) Generative KI ist in Deutschland längst Mainstream

Die wichtigste Kennzahl für „KI-Nutzung insgesamt“ kommt aus der TÜV-KI-Studie 2025 (Forsa, repräsentativ ab 16 Jahren): 65 % haben generative KI „bereits ausprobiert oder nutzen sie regelmäßig“. Besonders auffällig: 91 % der 16–29-Jährigen nutzen KI-Tools.
Und es bleibt nicht beim Probieren: 45 % nutzen KI täglich oder mehrmals pro Woche.

Bitkom kommt in einer eigenen Erhebung (anderer Zeitpunkt/Methodik) zu einem sehr ähnlichen Bild: 67 % der Menschen ab 16 nutzen generative KI zumindest hin und wieder.
Unterschiedliche Institute, ähnliche Größenordnung – das ist ein starkes Signal: Generative KI ist in Deutschland in der Breite angekommen.

3) „Wie viele nutzen sowas wie ChatGPT?“ als Näherung

Wenn wir KI-Companions betrachten, ist ChatGPT ein praktischer Referenzpunkt, weil es in Umfragen oft separat abgefragt wird. YouGov berichtet: Im April 2025 gaben 43 % der Deutschen an, ChatGPT zu kennen und schon ausprobiert bzw. genutzt zu haben.

Und Bitkom zeigt, wie sich Verhalten verschiebt: 50 % der Internetnutzer nutzen zumindest gelegentlich KI-Chats statt klassischer Suchmaschinen (und ein kleiner Teil sogar überwiegend oder ausschließlich).
Das ist relevant, weil viele Companion-Produkte genau dort „andocken“: weniger Suchmaschine, mehr Dialog.

4) Der entscheidende Punkt: Nutzung als Tool vs. Nutzung als „Begleiter“

Für die Frage „KI als Companion“ ist nicht nur wichtig, ob Menschen KI nutzen, sondern wie. Die TÜV-KI-Studie liefert dafür harte Indikatoren:

  • 80 % der KI-Nutzenden sehen KI vor allem als Werkzeug ohne emotionale Bindung.
  • 27 % beschreiben KI als eine Art Coach (für Lernen/Arbeit).
  • 6 % empfinden KI sogar als „guten Freund“, dem sie persönliche Gedanken/Probleme anvertrauen.

Diese 6 % sind keine „Joi-Nutzerzahl“ – aber sie sind ein brauchbarer Proxy für „Companion-ähnliche“ Nutzung in Deutschland.

Wenn man das grob in Größenordnungen übersetzt: Ausgehend von der Bevölkerung und dem Erwachsenenanteil (Destatis: 2023 waren 83,1 % der Bevölkerung 18+; Größenordnung bleibt ähnlich) und kombiniert mit 65 % KI-Nutzung und 6 % „Freund“-Wahrnehmung, landet man überschlägig bei rund 2–3 Mio. Erwachsenen, die KI nicht nur funktional, sondern spürbar emotional nutzen könnten. (Wichtig: Das ist eine abgeleitete Größenordnung, kein offizieller Messwert.)

Zusätzlich sagt Bitkom: 18 % können sich eine freundschaftliche Verbindung zu einem KI-Sprachassistenten vorstellen.
Das ist eher „Einstellung/Offenheit“ als echte Nutzung – zeigt aber, dass die Idee sozialer KI in Deutschland nicht exotisch ist.

5) Was sagen Webdaten zu Angeboten wie Joi?

Auch ohne offizielle Nutzerzahlen kann man „Interesse“ über Reichweitenindikatoren einordnen. Similarweb schätzt für Dezember 2025, dass Deutschland 4,7 % des Desktop-Traffics einer großen Companion-Plattform (joi.com) liefert; zudem zeigt Similarweb dort ein Publikum, das überwiegend männlich ist und häufig in jüngeren Altersgruppen liegt.
Das ist keine Nutzerzahl (Traffic ≠ Personen, Desktop ≠ Mobile, Mehrfachbesuche möglich), aber es bestätigt: Deutschland ist als Markt sichtbar, nicht nur „Randnotiz“.

6) Was geben KI-Companions den Nutzern? (Pluspunkte)

Emotionaler Nutzen (ohne Anspruch auf Therapie):

  • Gefühl von Verfügbarkeit: jemand „antwortet“, auch nachts.
  • Weniger Einsamkeit im Moment (gerade bei Schichtarbeit, Umzügen, Trennungen).
  • Gesprächspraxis: Smalltalk, Dating-Kommunikation, Konfliktsätze üben – ohne peinliche Folgen.

Pragmatischer Nutzen:

  • Ideen, Struktur, Texte: vom Flirt-Opener bis zur Entschuldigung (die man natürlich anpassen muss).
  • Sprachtraining: Schreiben, Korrigieren, Formulieren.
  • Unterhaltung & Rollenspiel: Eskapismus, Kreativität, Storytelling.

Sozialpsychologisch interessant: Viele Menschen nutzen KI als „Coach“ (27 % in der TÜV-Studie). Das passt gut zu Companion-Mechaniken: nicht nur Antworten, sondern „Begleitung“.

7) Risiken und Minuspunkte (die man realistisch einkalkulieren sollte)

  • Datenschutz & Intimität: Wer sehr Persönliches teilt, erzeugt ein Risiko (Accounts, Chatlogs, Zahlungsdaten). Die TÜV-Studie zeigt zudem, dass ein Teil der Nutzenden sogar sensible Infos in KI-Systeme eingibt.
  • Emotionales Over-Investing: Wenn KI immer zustimmt, kann das echte Beziehungen nicht ersetzen – und manchmal sogar unbemerkt verdrängen.
  • Verzerrte Erwartungshaltung: Eine KI ist optimiert auf „gute Gespräche“, nicht auf echtes Gegenüber. Das kann reale Dating-Dynamiken komisch wirken lassen.
  • Kostenfallen/Monetarisierung: Companion-Angebote arbeiten oft mit Abos, Credits, Add-ons – das kann sich schleichend summieren.
  • Halluzinationen & falsche Sicherheit: KI kann überzeugend klingen und trotzdem falsch liegen. (Für Ratschläge mit echten Konsequenzen: doppelt prüfen.)

Fazit: „Wie viele Deutsche?“ – die beste seriöse Antwort

  • Generative KI nutzen in Deutschland grob zwei Drittel (65 % laut TÜV; 67 % laut Bitkom).
  • Companion-ähnliche/emotionale Nutzung ist kleiner, aber messbar: 6 % der KI-Nutzenden empfinden KI als „guten Freund“ (TÜV).
  • Für konkrete Dienste wie Joi gibt es öffentlich eher Indikatoren (z. B. Traffic-Anteile), aber keine belastbaren „X Millionen Deutsche“-Zahl.
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