Trump überzeugt die Deutschen nicht: Misstrauen, Zukunftsangst und der Verlust politischer Zuversicht

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Donald Trump bestimmt seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr die Schlagzeilen. Die Befragten in Deutschland überzeugt er nicht: Nicht einmal jeder Fünfte (18 Prozent) ist der Meinung, dass Trumps Politik gut für die USA ist. 69 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. 13 Prozent wollen oder können nicht darauf nicht antworten. Männer (23 Prozent ja zu 65 Prozent nein) und Ostdeutsche (25 Prozent ja zu 63 Prozent) geben häufiger an, dass der amerikanische Präsident mit seiner Politik gut für sein Land ist, als Frauen (13 Prozent ja zu 73 Prozent nein) und Westdeutsche (16 Prozent ja zu 71 Prozent nein). Nur bei freikirchlichen Christen (45 Prozent ja zu 37 Prozent nein) findet Trumps Politik mehr Zuspruch als Ablehnung. Die Wähler der AfD (42 Prozent ja zu 43 Prozent nein) sind gespalten, ob Donald Trumps Politik nun gut oder schlecht für die Vereinigten Staaten ist. Die Wähler aller anderen Parteien (5 bis 22 Prozent ja zu 60 bis 91 Prozent nein) sehen Trumps Politik mit deutlich überwiegender Mehrheit als schlecht für die USA an.

Im Durchschnitt aller Befragten, geben die meisten an (48 Prozent), dass Deutschland sich besonders um gute Beziehungen zu den Frankreich kümmern sollte. Die unter 30-Jährigen wünschen sich am häufigsten (38 Prozent) besonders gute Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, nur 27 Prozent nennen hier Frankreich. Die über 70-Jährigen geben wiederum besonders häufig Frankreich an (70 Prozent), nur 29 Prozent nennen die Vereinigten Staaten.

Neben dem Alter hat auch die aktuelle politische Präferenz Einfluss auf die Favoriten im Blick auf außenpolitische Partnerschaften. Es zeigt sich, Vertrauen muss immer wieder neu erarbeitet werden, nichts ist zwangsläufig von Dauer.

Gut jeder Vierte (26 Prozent) sagt, dass er ernsthaft überlegt, aus Deutschland auszuwandern. 57 Prozent beabsichtigen das hingegen nicht. Die unter 40-Jährigen (37 bzw. 35 Prozent auswandern zu 43 bzw. 42 Prozent nicht auswandern) erwägen deutlich häufiger das Land zu verlassen als die über 70-Jährigen (11 Prozent auswandern zu 76 Prozent nicht auswandern). Am häufigsten überlegen AfD-Wähler ernsthaft, auszuwandern (40 Prozent auswandern zu 45 Prozent nicht auswandern), am seltensten Wähler der FDP (8 Prozent auswandern zu 82 Prozent nicht auswandern).

Außen- und innenpolitische Themen überschneiden sich und zentral bleibt immer die individuelle Betroffenheit: 54 Prozent der Deutschen machen sich große Sorgen um ihre persönliche Zukunft. Auf fast jeden Dritten (32 Prozent) trifft dies hingegen nicht zu. Je jünger die Befragten sind, desto häufiger machen sie sich tendenziell Sorgen um ihre persönliche Zukunft (von 46 Prozent bei den über 70-Jährigen bis zu 58 Prozent bei den unter 30-Jährigen). In allen Altersgruppen, bei Männern und Frauen, in West und Ost und unabhängig von der Links-Rechts-Selbstverortung überwiegen diejenigen, die sich große Sorgen um ihre persönliche Zukunft machen. Ausschließlich bei Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro oder mehr (50 Prozent) und bei den Wählern von Union (49 Prozent) sorgt sich die Mehrheit nicht. Aber auch bei diesen beiden Gruppen äußern (fast) vier von zehn Befragten (38 bzw. 40 Prozent) große Sorgen um ihre persönliche Zukunft.

Wer eine Trendumkehr in der politischen Stimmung erreichen will, dem muss es gelingen, dass wieder Zuversicht einkehrt. Diese müssen die Menschen aber erst selbst spüren, bevor sie demoskopisch messbar wird.

Über Hermann Binkert 524 Artikel
Hermann Binkert ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Jurist ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts INSA-CONSULERE. Bevor er INSA im November 2009 in Erfurt gründete, war Binkert 18 Jahre im öffentlichen Dienst, zuletzt als Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund, tätig. Heute gehört er zu den renommiertesten Meinungsforschern Deutschlands und erhebt Umfragen für Ministerien im Bund und in den Ländern, für alle Parteien und Fraktionen, die im Bundestag und in den Landtagen vertreten sind. Wöchentlich stellt INSA die Sonntagsfrage für die Bild am Sonntag und die BILD. Das Meinungsforschungsinstitut arbeitet für viele großen Verlage, z. B. Springer, Burda, Funke, Madsack. Es führt aber auch Fokusgruppengespräche und Testkäufe durch.