Pressemitteilung – Das Kammertheaterfestival „Die Starken – Anatomie eines Widerstands“ präsentiert Arbeiten herausragender ukrainischer Regisseurinnen und Regisseure in München. Die Stücke richten den Blick auf den inneren Widerstand der ukrainischen Bevölkerung: jene stille Kraft, die weit vor der Frontlinie beginnt. „Die Starken – Anatomie eines Widerstands“ ist die dritte Ausgabe des Theaterfestivals Soloway. Sie findet vom 17. bis 22. März 2026 in der Pasinger Fabrik statt und präsentiert vier ausgewählte Inszenierungen: reduzierte Kammerspiele, Zwei-Personen-Stücke und konzentrierte Monologe. Außerdem gibt es ein Konzert mit der Pianistin Mariia Yaremak und einem Streichquartett sowie eine Vorstellung des vielfach preisgekrönten Kinofilms „U Are the Universe“.
Die Stücke erzählen von Resilienz, Einsamkeit, Verlust, Verantwortung und dem Bewusstsein der eigenen Verletzlichkeit. Der Krieg ist in Klassenzimmer und Universität, in Berufe, Beziehungen und Familien eingedrungen. Er hat Momente des Verliebtseins zerschnitten und alle in ständige Sorge versetzt: um Kinder, um Alte, um das eigene Überleben. Kein innerer Ort bleibt unberührt – kein Raum der Seele, kein Winkel der Psyche.
Die vier Stücke und der Kinofilm machen diese innere Landschaft sichtbar, zeigen die kartografischen Linien eines Ausnahmezustands, zeigen Wunden – aber auch jenen Mut, der nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. „Die Starken – Anatomie eines Widerstands“ versammelt Geschichten, die daran erinnern, wie tief der Widerstand im Menschen verankert ist. Die Stücke sind in ukrainischer Sprache mit deutschen Untertiteln.
Das Programm:
Die Schneeballflöte (Guelder Rose Flute)
Di, 17. März 2026, 19.30 Uhr
Pasinger Fabrik / Kleine Bühne
Eintritt: 25 Euro, im Anschluss Künstlergespräch
Charkiwer Staatliches Akademisches Puppentheater, benannt nach V. A. Afanasjew
Textvorlage: Oksana Sabuschko, Gedichte von Dina Tschmusch
Regie: Oksana Dmytriewa
Mit: Viktoria Mischtschenko, Lilia Osseitschuk
Dauer: ca. 60 Minuten | Alter: für Erwachsene
Inspiriert von einer ukrainischen Volkssage und neu interpretiert durch Oksana Sabuschko wird die Geschichte zweier Schwestern zur weiblichen Variante der Kain-und-Abel-Erzählung. In einer Welt aus Aberglauben und archaischen Ritualen entfaltet sich ein düsteres Drama um Eifersucht, Schuld und den Ursprung des Bösen.
Die Inszenierung verbindet Bilder, rituelle Bewegung und hypnotische Gesänge. Die Texte von Dina Tschmusch verstärken die mystische Aufladung der Geschichte und verwandeln das Volksmärchen in einen zeitgenössischen „ukrainischen Horror“, der im Kontext des Krieges eine erschreckende Aktualität erhält.
Shevchenko in da house
Mi, 18. März 2026, 19.30 Uhr
Pasinger Fabrik / Kleine Bühne
Eintritt: 20 Euro, im Anschluss Künstlergespräch
Autorin: Olga Annenko
Regie: Tetiana Hubrii / Theaterstudio Soloway, München
Mit: Dmytro Balashov, Oleksandr Palamarchuk
Taras Schewtschenko – Dichter, Maler, Ethnograph, Revolutionär – gilt als „Vater der ukrainischen Nation“. In der Zeit vor einem ukrainischen Staat gab er dem unterdrückten Volk Stimme und Identität. Noch heute ist er eine der prägendsten Figuren des Landes.
Das Stück „Shevchenko in da House“ denkt ihn in die Gegenwart. Was wäre, wenn wir heute mit ihm sprechen könnten? Was würden wir fragen – und was würde er antworten? Zwischen historischer Wahrheit und zeitgenössischer Fiktion entsteht ein Dialog über Freiheit, Verantwortung und nationale Identität. Die Inszenierung zeigt kein Denkmal, sondern eine überraschend aktuelle Figur.
Konzert: Ukrainian Fantasy
Mariia Yaremak (Piano) und Streichquartett
Do, 19. März 2026, 19.30 Uhr
Pasinger Fabrik / Kleine Bühne
Eintritt: 35 Euro
Mariia Yaremak ist Komponistin und Klaviervirtuosin. In ihrem von einem Streichquartett begleiteten Programm verbindet sie eigene Stücke mit dem Echo alter ukrainischer Melodien. Mit über 60 Benefizkonzerten weltweit vermittelt ihre Musik eine kraftvolle Botschaft der Hoffnung.
Love Me Don’t Leave
Fr, 20. März 2026, 19.30 Uhr
Pasinger Fabrik / Kleine Bühne
Eintritt: 25 Euro, im Anschluss Künstlergespräch
Autorin: Olga Annenko
Regie: Tetiana Hubrii
Mit: Vitalina Bibliv
Dauer: ca. 60 Minuten | Alter: ab 12
„Love Me Don’t Leave“ erzählt vom Schicksal einer ukrainischen Frau, die infolge der russischen Invasion ihre Heimat verlässt und in Deutschland ein neues Leben beginnt. Ihr persönliches Erleben steht stellvertretend für Millionen ukrainischer Frauen, die durch Flucht, Trennung und Verlust geprägt sind.
Im Zentrum steht die Beziehung zu ihrem Sohn, der in der Ukraine zurückbleibt. Während die Telefonverbindung abreißt, setzt sich der innere Dialog fort – voller Hoffnung, Angst und Liebe. Das Stück ist eine dokumentarische Collage aus Fragmenten einer zerstörten Alltagswelt. Zwischen Realität und innerer Zwiesprache entsteht ein eindringliches Porträt kollektiven Schmerzes, das zugleich von Durchhaltewillen, Fürsorge und der Suche nach einem Weiterleben erzählt.
Squirrel, who has lived for 100 years
Sa, 21. März 2026, 19.30 Uhr
Pasinger Fabrik / Kleine Bühne
Eintritt: 30 Euro, im Anschluss Künstlergespräch
Autor: Oleh Michajlow
Regie: Stas Zhyrkov
Bühne: Olesja Holowatsch
Mit: Vitalina Bibliv
Dauer: ca. 80 Minuten | Alter: ab 14
Ein hundertjähriges Eichhörnchen blickt zurück auf ein Jahrhundert voller Umbrüche. Es lebt im Stockholmer Park „Skansen“ – umgeben von Menschen, die kommen und gehen, erinnern und vergessen. Im Gegensatz zu ihnen vergisst dieses Eichhörnchen nichts. Es beobachtet, liebt, verliert und überlebt. Durch seine Augen entfaltet sich eine poetisch-absurde und zugleich humorvolle Reise durch das 20. Jahrhundert. Was klein und unbedeutend erscheint, wird zur Metapher für das Überleben im Angesicht von Vergänglichkeit und historischem Wandel.
Durch Vitalina Biblivs Präsenz wird aus der Geschichte eines Tieres ein berührendes Sinnbild für das Menschliche im Unscheinbaren.
U Are the Universe
So, 22. März 2026, 12.00 Uhr (Deutsche Sprachfassung), 16.00 Uhr und 19.00 Uhr (Ukrainische Sprachfassung mit deutschen Untertiteln)
Pasinger Fabrik / Kleine Bühne
Eintritt: 15 Euro, im Anschluss Künstlergespräch
Spielfilm, Originaltitel: Ти – космос / Ti-Kosmos; Ukraine/Belgien 2024; FSK 12
Drehbuch & Regie: Pavlo Ostrikov
mit Wolodymyr Krawtschuk, Leonid Popadko und Alexia Depicker
Nach der Zerstörung der Erde ist der Astronaut Andriy Melnyk der vermeintlich letzte Mensch im Weltraum, dann erreicht ihn ein Funkspruch von einer französischen Kollegin. Entschlossen, sie zu finden, macht er sich auf eine gefährliche Reise. Der Film ist die preisgekrönte ukrainische Antwort auf existenzialistische Science-Fiction-Filme wie „2001“, „Solaris“, „Dark Star“ und „Moon“. Er berührt zeitlose Themen wie Sterblichkeit, Sehnsucht und das universelle Bedürfnis nach menschlicher Nähe – mit viel Gefühl, aber auch schwarzem Humor.
Auszeichnungen:
Leeds International Film Festival 2024 – Special Mention
Boston Science Fiction Film Festival – Bester Film
Trieste Science+Fiction Festival – Bester Film und Publikumspreis
Karten: pasinger-fabrik.de, muenchenticket.de
