Ex-Botschafter Alexander Graf Lambsdorff schlägt Alarm: Was Putin als Nächstes planen könnte

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Drei Jahre lang war Alexander Graf Lambsdorff Deutschlands Botschafter in Moskau. Kurz nach seiner Rückkehr spricht er über Überwachung, Gespräche mit Regimevertretern und die Gefahr einer neuen russischen Eskalation. Seine Einschätzung fällt düster aus.

Ein Diplomat, der Moskau von innen erlebt hat

Alexander Graf Lambsdorff war von 2023 bis 2026 deutscher Botschafter in Russland. Er erlebte den Kreml während des Krieges gegen die Ukraine, diplomatische Eiszeiten und die permanente Kontrolle ausländischer Vertretungen. Nun ist er zurück – und sein Name gehört zu den stark steigenden Suchbegriffen bei Google Trends.

In einem langen Gespräch im Podcast von Paul Ronzheimer schildert Lambsdorff seine erste Begegnung mit Wladimir Putin, das Leben unter Beobachtung und die Atmosphäre in einem Staat, der politische Opposition weitgehend ausgeschaltet hat. Die Folge trägt den zugespitzten Titel „Putin plant eine böse Überraschung“ und ist unter anderem bei FFH abrufbar.

Lambsdorff beschreibt Russland nicht als einen Staat, der auf einen schnellen Kompromiss drängt. Er sieht bei Putin weiterhin keinen ernsthaften Willen zu Verhandlungen, die den Krieg tatsächlich beenden könnten. Schon Mitte Juli hatte er gegenüber n-tv erklärt, die Aussichten für Russland seien trotz seiner grundsätzlich optimistischen Haltung düster.

Die Gefahr einer neuen Mobilisierung

Im Gespräch geht es um die Frage, wie Moskau auf militärische Rückschläge und wachsenden wirtschaftlichen Druck reagieren könnte. Eine weitere Mobilisierung wäre innenpolitisch riskant, aber nicht ausgeschlossen. Der Kreml könnte zugleich versuchen, den Westen mit neuen Drohungen, Sabotage oder militärischen Signalen einzuschüchtern.

Lambsdorff weist darauf hin, dass die Ukraine inzwischen Ziele in Russland empfindlich treffen kann. Das verändert die Wahrnehmung eines Krieges, den der Kreml lange weitgehend von den großen russischen Städten fernhalten wollte. Je stärker die Folgen im eigenen Land sichtbar werden, desto größer wird Putins Zwang, Stärke zu demonstrieren.

Das bedeutet nicht, dass jede Drohung unmittelbar in einen Angriff auf die NATO mündet. Diplomaten unterscheiden zwischen Fähigkeiten, Absichten und Propaganda. Doch eine Fehleinschätzung kann gefährlich werden, wenn beide Seiten ihre roten Linien testen.

Russland schadet sich selbst – aber das macht es nicht harmlos

Der frühere Botschafter hält Putins Krieg auch aus russischer Sicht für zerstörerisch. Russland verliert Menschen, Kapital, internationale Kontakte und wirtschaftliche Zukunftschancen. Gleichzeitig richtet die Führung das Land immer stärker auf Rüstung und Repression aus.

Diese Schwächung darf nicht mit Ungefährlichkeit verwechselt werden. Ein Staat mit Atomwaffen, großen Streitkräften und der Bereitschaft zu hohen Verlusten bleibt ein Sicherheitsrisiko. Europa muss deshalb Abschreckung und Gesprächskanäle zugleich aufrechterhalten.

Lambsdorffs Warnung ist weniger eine konkrete Datumsprognose als ein Blick auf die Logik des Systems Putin. Solange der Kreml sein Überleben an den Krieg bindet, kann jeder Rückschlag den Druck erhöhen, mit einem neuen Schritt zu überraschen. Genau deshalb wird die Einschätzung eines Mannes gesucht, der Moskau nicht aus der Ferne beobachtet hat, sondern dort täglich verhandeln musste.