Der Parteitag als Wahlkampfbühne
Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat die CDU ihren Bundesparteitag demonstrativ nach Stuttgart gelegt. Die Botschaft: maximale Aufmerksamkeit für den Südwesten – und für ihren Spitzenkandidaten.
Journalisten aus dem ganzen Bundesgebiet und Pressefotografen sind in die Landeshauptstadt gereist, um Bilder und Botschaften dieses Parteitags zu senden. Neben Kanzler und Bundesvorsitzendem Friedrich Merz galt der Fokus vor allem einem Mann: Manuel Hagel. Er steht kurz davor, nach 15 Jahren die Nachfolge des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann anzutreten.
Gleich zu Beginn hielt Hagel ein Grußwort, anschließend leitete er als Tagungspräsident den Parteitag. Später übernahm er erneut die Regie – parallel zum Wahlkämpfer Gordon Schnieder aus Rheinland-Pfalz.
Als das Ergebnis der Wiederwahl von Merz verkündet wird, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Bühne. Langer Applaus im Saal, dicht umlagert von Kameras stehen die drei nebeneinander: Neben dem wiedergewählten Parteivorsitzenden strahlen Hagel und Schnieder – Bilder der Geschlossenheit, die über den Parteitag hinaus wirken sollen.
Der erfahrene Neuanfang
Der Wahlkampfslogan lautet „Neue Kraft für unser Land“. Gemeint ist damit kein politischer Neuling. Trotz seines vergleichsweise jungen Alters ist Hagel ein erfahrener Funktionär: seit 2021 Fraktionsvorsitzender im Landtag, seit 2016 Abgeordneter, ehemaliger Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg und seit 2023 ihr Landesvorsitzender. Zudem führt er die Konferenz der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden.
Sein größtes Defizit ist bislang nicht mangelnde Erfahrung, sondern sein im Vergleich zu Cem Özdemir geringerer Bekanntheitsgrad. Entsprechend ist die Kampagne konsequent auf seine Person zugeschnitten.
Auf den Plakaten erscheint Hagel in zwei Rollen: mit hochgekrempelten Ärmeln als zupackender Wahlkämpfer – und im Anzug vor den Fahnen Deutschlands und Baden-Württembergs als künftiger Regierungschef. Die Inszenierung ist eindeutig: Dieser Mann ist bereit für die Staatskanzlei.
Der lange Weg zurück
Nach eineinhalb Jahrzehnten in der Defensive drängt die CDU zurück an die Macht. Der Machtverlust 2011 gilt in der Partei bis heute als „Betriebsunfall“. Doch auch bei den folgenden Wahlen blieb nur die Rolle des Juniorpartners im Kabinett Kretschmann.
Entsprechend groß ist der Aufwand: 2.500 Großflächenplakate, dazu 30.000 kleinere und mehr als 100.000 Kandidatenplakate im Land. Auffällig ist vielerorts das Format – wo andere auf A1 setzen, hängt bei der CDU A0. Auch finanziell liegt die Partei deutlich vor FDP und SPD. Den Wahlkampf organisiert Generalsekretär Tobias Voigt.
Hagel selbst gilt als Wahlkampfprofi. In seinem Wahlkreis Ehingen erzielte er zuletzt das beste Erststimmenergebnis seiner Partei. Vor fünf Jahren steuerte er bereits den Wahlkampf von Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann.
Der Versöhner der Partei
Sein vielleicht größtes politisches Kapital liegt jedoch in der innerparteilichen Befriedung. Nach der Wahlniederlage 2011 brachen alte Konfliktlinien offen auf: Nord gegen Süd, Stadt gegen Land, konservativ gegen liberal – und persönliche Rivalitäten zwischen Thomas Strobl und Guido Wolf. Was in Zeiten der Staatspartei mit Ämtern überdeckt werden konnte, entlud sich in der Opposition öffentlich – nicht zuletzt im Streit über den Umgang mit den Grünen.
Als Generalsekretär begann Hagel, die verschiedenen Lager wieder zusammenzuführen; als Landesvorsitzender setzte er diesen Kurs fort. Dabei hilft ihm die realistische Aussicht auf die Rückkehr an die Regierung. Seine politische Sozialisation in der CDA und seine Mitgliedschaft in der Mittelstandsvereinigung ermöglichen ihm eine Brückenrolle, die in der CDU nicht selbstverständlich ist.
Rückenwind aus Berlin?
Vor dem Parteitag war im Südwesten nicht unumstritten, ob die geballte Präsenz der Bundespolitik im Wahlkampf eher hilft oder schadet. Rückenwind aus Berlin ist angesichts schwacher Umfragewerte der Bundespartei kaum zu erwarten, einzelne programmatische Debatten galten als riskant.
Doch die Bilder des ersten Parteitagstages zeigen vor allem Geschlossenheit. Das Ergebnis von 91 Prozent für Merz sendet ein Signal der Harmonie – und genau auf diese Geschlossenheit setzt Manuel Hagel im Endspurt seines Wahlkampfs.

