Der Maler Günter Thiele ist im Alter von 95 Jahren gestorben – Ein stiller Meister der Leipziger Schule

Günter Thiele, Gohliser Straßenszene, 2015

Der Maler Günter Thiele ist im Alter von 95 Jahren am Dienstag, den 20. Januar 2026, im Kreise seiner Familie gestorben.

Günter Thiele, 1930 in Leipzig geboren, zählte zu jener Generation von Kunstschaffenden, die zwischen Nachkriegsrealität und künstlerischer Selbstbehauptung ihren eigenen Weg suchte. Nach einer Ausbildung zum Rundfunkmechaniker begann der junge Günter Thiele Ende der 1940er Jahre mit ersten eigenen zeichnerischen und malerischen Versuchen. Eine Zwangsverpflichtung zur Arbeit im Uranbergbau zwang ihn 1949 zur Flucht in die Bundesrepublik, aus der er jedoch im selben Jahr zurückkehrte.

Nach dem Abbruch eines Studiums an der Kunstgewerbeschule Leipzig entschied sich Thiele 1954 erneut für ein Studium und wurde mit Hilfe Karl Hofers an der Hochschule für Bildende Künste Berlin zugelassen. 1960 kehrte er nach Leipzig zurück, heiratete und arbeitete freischaffend, bevor er von 1975 bis 1993 einen Lehrauftrag an der HGB Leipzig erhielt.

In diesen annähernd 20 Jahren unterrichtete Günter Thiele alle Künstler der später so renommierten Neuen Leipziger Schule im Grundstudium und prägte sie maßgeblich. Viele von ihnen lernten von ihm eine Haltung zur Arbeit, einen künstlerischen Anspruch und einen Sinn für Genauigkeit.

Günter Thiele war kein lauter Vertreter seiner Zunft, sondern ein beharrlicher Beobachter, der das Wesentliche im Unspektakulären fand. Er war ein Zweifelnder, der wusste, dass man Vollkommenheit anstreben, aber nie erreichen kann. Bekannt wurde er vor allem für seine Leipziger Stadtbilder. In ihren perspektivisch genau geplanten Straßen- und Häuserschluchten offenbaren sich Nüchternheit und zugleich das Grandiose des Lebens.

Bis zuletzt arbeitete er unermüdlich in seinem Atelier in Leipzig-Eutritzsch und schuf nahezu 300 Gemälde. Sie bilden nicht nur sein künstlerisches Vermächtnis, sondern auch ein stilles Gegengewicht zu manch lauter zeitgenössischer Position der Leipziger Kunstszene.

Günter Thiele
Günter Thiele, Balkon in Plagwitz (Die Unentschlossenen), 1985, 1986, 2005, Tempera auf Hartfaser.
Günter Thiele, Selbstbildnis
Günter Thiele, Kirschbergstraße mit Figuren, 1988, Tempera auf Hartfaser.

Bildrechte: Galerie Schwind