2028 sollte die Bayerische Landesausstellung das Leben von Kindern im Mittelalter zeigen. Nun gibt Rothenburg ob der Tauber das Projekt zurück. Die Stadt fürchtet ein Defizit, das ihre angespannte Haushaltslage nicht mehr trägt.
Der Vertrag war unterschrieben, dann änderte sich die Rechnung
Die historische Altstadt schien wie geschaffen für das Thema „Kinder im Mittelalter“. 2024 unterzeichneten Rothenburg und das Haus der Bayerischen Geschichte den Vertrag. Die Reichsstadthalle sollte Originalexponate und eine große kulturhistorische Präsentation aufnehmen. Nun stimmte der Stadtrat mit 16 zu sechs Stimmen für die Rückgabe. Oberbürgermeister Christoph Rösch erklärte, zusätzliche Maßnahmen und die finanzielle Lage der Stadt ließen ein Defizit von rund 700.000 Euro erwarten. Der Bayerische Rundfunk berichtete aus der Sitzung.
Touristen füllen die Gassen, nicht automatisch den Haushalt
Rothenburg zählt jährlich sehr viele Tagesgäste. Die berühmte Silhouette, die Stadtmauer und das mittelalterliche Erscheinungsbild sind wirtschaftliche Grundlagen. Trotzdem bedeuten volle Straßen nicht, dass eine Kommune über frei verfügbares Geld verfügt. Eine Landesausstellung verursacht zusätzliche Kosten für Gebäude, Sicherheit, Personal, Technik und Infrastruktur. Einnahmen aus dem Tourismus fließen zudem nicht vollständig in den städtischen Haushalt. Der Hinweis auf hohe Besucherzahlen ersetzt deshalb keine belastbare Finanzierung.
Eine Entscheidung gegen Kultur?
Kommunalpolitiker betonten, die Absage richte sich nicht gegen Kultur. Das klingt defensiv, ist aber sachlich nachvollziehbar. Eine Stadt muss bestehende Einrichtungen, Vereine, Schulen und Pflichtaufgaben finanzieren. Ein prestigeträchtiges Projekt kann kulturell sinnvoll und finanziell trotzdem nicht verantwortbar sein. Die Gegenfrage bleibt: Wie konnte eine Vereinbarung unterschrieben werden, deren Folgekosten später als überraschend hoch erscheinen? Großprojekte brauchen vor dem Vertrag realistische Szenarien. Sonst wird die Absage selbst teuer – finanziell, organisatorisch und für das Vertrauen in die Stadt als Partner.
Das Thema bleibt, der Ort fällt aus
Das Haus der Bayerischen Geschichte bedauert die Entscheidung und will nach der Sommerpause einen neuen Plan für 2028 vorstellen. Die Ausstellung über Kindheit vor rund 700 Jahren muss damit nicht endgültig sterben. Sie braucht jedoch einen neuen Gastgeber und eine neue Kalkulation. Rothenburg verliert ein Ereignis, das hervorragend zur sichtbaren Geschichte der Stadt gepasst hätte. Die Absage zeigt aber auch die Grenze kultureller Symbolpolitik. Eine mittelalterliche Kulisse bezahlt keine moderne Ausstellung. Am Ende entscheidet nicht das perfekte Motiv, sondern ein Haushalt, der die Rechnung tragen muss.
