Es ist kaum anzunehmen, dass die nationalsozialistischen Faschisten, die vor 86 Jahren im Vorfeld der Volksabstimmung vom April 1938 anlässlich des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich die Parole „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ skandierten, sich hätten vorstellen können, dass diese totalitäre Logik Jahrzehnte später in einem anderen Teil der Welt ideologisch reproduziert würde. Gegenwärtig bemühen sich Anhänger des gestürzten diktatorischen Pahlavi-Regimes mit einer dezidiert autoritär-faschistischen Rhetorik darum, sich als alleinige Alternative zum System der Islamischen Republik zu inszenieren und durchzusetzen.
Dieses Phänomen zählt zu den beschämendsten Erscheinungen der neueren politischen Geschichte Irans. Machtorientierte Akteure, denen es oftmals an historischer Selbstreflexion mangelt, versuchen mittels Einschüchterung und Drohgebärden, eine absolutistische Herrschaftsform durch eine andere Form autoritärer Dominanz zu ersetzen. Angesichts der erheblichen Opfer, die die iranische Bevölkerung im Kampf um Freiheit erbracht hat, erscheint ein solches Szenario als zutiefst tragisch.
Der reaktionäre Charakter der Pahlavi-nahen politischen Strömung manifestiert sich insbesondere in ihrem Anspruch, sich als „selbsternannte Vertretung des Volkes“ zu deklarieren, während sie zugleich externe Mächte – darunter Israel und die Vereinigten Staaten – zu militärischen Interventionen gegen iranisches Territorium auffordert, um monarchische Restaurationsbestrebungen zu begünstigen. Eine solche Haltung steht in einem fundamentalen Spannungsverhältnis zu jedem Verständnis politischer Selbstbestimmung. Die Präsenz ihrer Anhängerschaft bei Demonstrationen in verschiedenen europäischen Städten, begleitet von einer Symbolik, die nationale wie ausländische Flaggen kombiniert, verdeutlicht die Ambivalenz ihres politischen Selbstverständnisses. Eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Strömungen und die Offenlegung ihrer anti-pluralistischen Tendenzen erscheinen daher unerlässlich.
Historisch betrachtet wurde die Parole „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ im Jahr 1938 nicht als Ausdruck integrativer Einheit, sondern als Instrument zur Eliminierung gesellschaftlicher Pluralität und zur Etablierung totalitärer Herrschaft im nationalsozialistischen Deutschland geprägt. Ihre gegenwärtige Wiederaufnahme durch monarchistische Kreise verweist auf eine problematische Relativierung historischer Kontexte. Der Versuch, ein Modell politischer Homogenisierung auf die heterogene Struktur der iranischen Gesellschaft zu übertragen, verkennt die historische und kulturelle Vielfalt Irans, die sich aus einer langen Koexistenz unterschiedlicher ethnischer, sprachlicher und kultureller Gemeinschaften speist.
Aus gesellschaftstheoretischer Perspektive lässt sich argumentieren, dass soziale Entwicklung – analog zu evolutionären Prozessen – durch Transformation und nicht durch Regression gekennzeichnet ist. Gesellschaften, die langjährige Auseinandersetzungen mit personalisierter Herrschaft durchlaufen haben, entwickeln in der Regel ein erhöhtes Bewusstsein gegenüber Formen monokratischer Führung und Personenkult. Restaurative Bestrebungen, die auf Reaktivierung vergangener Sicherheitsapparate oder autoritärer Strukturen setzen, stehen somit im Spannungsverhältnis zu langfristigen Modernisierungsprozessen.
Die historische Stärke Irans lag stets in seiner pluralen Struktur. Kurdische, belutschische, türkische, turkmenische, arabische, lorenische und persische Bevölkerungsgruppen haben über Jahrhunderte hinweg zur sozialen und kulturellen Dynamik des Landes beigetragen. Politische Konzepte, die auf erzwungene Homogenisierung abzielen, widersprechen dieser Realität. Autoritäre Strömungen – unabhängig von ideologischer Ausrichtung oder symbolischer Selbstdarstellung – teilen oftmals das Bestreben, gesellschaftliche Komplexität zugunsten einer normativen Einheitlichkeit zu reduzieren.
Besonders problematisch erscheint die Instrumentalisierung externer militärischer Interventionen als strategisches Mittel zur Machtgewinnung. Keine nachhaltige und gesellschaftlich legitimierte politische Bewegung kann die Zerstörung nationaler Infrastruktur oder die Gefährdung der eigenen Bevölkerung als legitimen Weg zur Transformation betrachten. Ein solcher Ansatz deutet vielmehr auf eine Priorisierung machtpolitischer Interessen gegenüber gesellschaftlicher Verantwortung hin.
Ein Übergang zu einer post-autoritären Ordnung erfordert daher nicht die Rückkehr zu restaurativen Modellen, sondern die Stärkung unabhängiger zivilgesellschaftlicher Organisationen – darunter Arbeiter-, Lehrer-, Studierenden- und Gesundheitsverbände –, die partizipativ, basisorientiert und demokratisch strukturiert sind. Ohne bewusste institutionelle Organisation und transparente Machtstrukturen besteht die Gefahr, dass politische Vakuumsituationen erneut autoritäre Dynamiken begünstigen.
Die Entwicklung einer progressiven Alternative setzt die Verknüpfung von Freiheit, Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit mit konkreten institutionellen Praktiken voraus. Zukunftsgestaltung erfordert kollektive Handlungsfähigkeit, politische Bildung und organisierte Partizipation. Geschichte zeigt, dass Phasen des Übergangs entscheidende Weichenstellungen darstellen, in denen entweder demokratische Konsolidierung oder erneute Autoritarisierung erfolgen kann.
