Argentinien
„In Argentinien zeigen sich bereits spürbare wirtschaftliche Auswirkungen des Irankrieges. Da das Land in den vergangenen Jahren zunehmend zum Ölexporteur geworden ist, profitieren insbesondere die nationalen Ölunternehmen von den gestiegenen Weltmarktpreisen. Gleichzeitig führt der Preisanstieg zu erheblichem Druck auf den Binnenmarkt: Die Verbraucher sehen sich mit höheren Benzinpreisen konfrontiert, und durch steigende Transportkosten verteuern sich zahlreiche Waren des täglichen Bedarfs. Für die Regierung ergibt sich daraus ein schwieriges Spannungsfeld zwischen der Aufrechterhaltung der Haushaltsdisziplin und der Vermeidung eines erneuten Inflationsschubs, sollte sie gezwungen sein, Kraftstoff stärker zu subventionieren.
Die Regierung von Präsident Javier Milei unterstützt den von den USA und Israel geführten Krieg gegen den Iran ausdrücklich und bezeichnet ihn als legitimes Instrument im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Diese Position fügt sich in das traditionell angespannte Verhältnis zwischen Argentinien und dem Iran ein, das auf die Anschläge auf die israelische Botschaft (1992) und das jüdisch-argentinische Kulturzentrum AMIA (1994) zurückgeht, die der Hisbollah mit Unterstützung des iranischen Regimes zugeschrieben werden. Nach Mileis öffentlicher Stellungnahme zugunsten Washingtons und Jerusalems kritisierte die staatliche iranische Presse die argentinische Regierung scharf und warnte davor, Argentinien habe „eine rote Linie überschritten“ und müsse mit Konsequenzen rechnen.
Im politischen Umfeld der Adenauer-Stiftung findet der Regierungskurs grundsätzlich Unterstützung, insbesondere aus Reihen der KAS-Partnerpartei PRO. Gleichwohl äußern mehrere KAS-Partner hinter verschlossenen Türen Sorge über die möglichen wirtschaftlichen Folgen eines länger andauernden Konflikts. Vor allem die fragile makroökonomische Lage wird als potenziell gefährdet angesehen. Zudem wird die starke Anlehnung an die US-Position kritisch betrachtet; zahlreiche Akteure aus der politischen Mitte wünschen sich eine eigenständigere außenpolitische Linie des Landes. In der Bevölkerung wächst derweil die Angst vor möglichen terroristischen Anschlägen, die Debatten in den Medien und im öffentlichen Raum prägen.
Ob Drittstaaten vom Irankrieg profitieren, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Sollte der Konflikt jedoch länger anhalten, könnte dies die ökonomische Abhängigkeit Argentiniens von China weiter erhöhen, etwa durch verstärkte Nutzung finanzieller Instrumente wie Währungs-Swaps. Eine wesentliche Stärkung russischen Einflusses erscheint hingegen wenig wahrscheinlich.
Chile
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Irankriegs für die Bevölkerung sind unmittelbar spürbar. Am 23. März kündigte Finanzminister Jorge Quiroz eine drastische Erhöhung der Kraftstoffpreise an, die ab dem 26. März wirksam wurde. Benzin verteuerte sich um rund ein Drittel, Diesel sogar um über 60 Prozent. Da Chile rund 99 Prozent seiner Kraftstoffe importiert, schlagen steigende internationale Ölpreise nahezu vollständig auf die Endverbraucher durch. Die Regierung hat bislang nur begrenzte Maßnahmen zur Abfederung angekündigt, darunter finanzielle Unterstützung für Taxifahrer sowie ein Einfrieren der Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr in Santiago. Die Erwartung eines breiten Preisanstiegs aufgrund höherer Transportkosten und der damit verbundenen Inflationsrisiken hat die Bevölkerung überrascht und in den ersten Schnellumfragen zu einem deutlichen Rückgang der Zustimmung zur neuen Regierung geführt.
Präsident Kast hatte sich bereits vor seinem Amtsantritt öffentlich für die Militärintervention der USA und Israels im Iran ausgesprochen. Seine Position orientiert sich eng an einer prowestlichen außenpolitischen Linie, die er im Wahlkampf angekündigt hatte.
Die KAS-Partnerpartei Renovación Nacional unterstützt als Teil des Regierungsbündnisses die Position der Exekutive offiziell, auch wenn in vertraulichen Gesprächen führende Vertreter der Partei eine differenziertere, weniger konfrontative Haltung erkennen lassen.
In der breiteren Bevölkerung wird der Irankrieg zwar wahrgenommen, steht jedoch angesichts der akuten sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen deutlich hinter innenpolitischen Themen zurück. Die Regierung von Präsident José Antonio Kast hat erst vor rund zwei Wochen ihr Amt angetreten und ist derzeit vorrangig mit der Besetzung zentraler Regierungs- und Verwaltungspositionen beschäftigt. Parallel dazu ringt die Opposition noch um ihre neue politische Rolle. Vor diesem Hintergrund erscheint der internationale Konflikt für große Teile des politischen Systems wie ein entferntes Ereignis, das nur begrenzt Aufmerksamkeit erhält – unter stabileren innenpolitischen Bedingungen wäre das Interesse an der Entwicklung vermutlich deutlich größer.
Eine Einschätzung darüber, ob Drittstaaten wie China oder Russland vom Irankrieg profitieren könnten, ist derzeit kaum möglich. Die neue Regierung hat jedoch klar signalisiert, dass sie die Beziehungen zu den USA und Europa stärken möchte, was eine Priorisierung westlicher Partnerschaften in der Außenpolitik erkennen lässt.
Kolumbien
In Kolumbien zeigt der Irankrieg überwiegend indirekte wirtschaftliche Auswirkungen, die jedoch in mehreren Bereichen spürbar sind. Als Energieexporteur profitiert das Land kurzfristig von den gestiegenen Ölpreisen, die zu höheren Exporterlösen und zusätzlichen fiskalischen Einnahmen führen, was die Haushaltslage vorübergehend stabilisiert. Gleichzeitig treten deutliche Belastungsfaktoren auf, insbesondere durch steigende Energie- und Transportkosten, die Inflationsdruck erzeugen und die Verbraucherpreise erhöhen. Hinzu kommt das Risiko höherer Benzinpreise im Inland sowie die Verteuerung von Fracht und Versicherungen, was sich unmittelbar auf Importpreise und Lieferketten auswirkt. Besonders relevant ist der starke Preisanstieg bei Düngemitteln, von denen Kolumbien rund drei Viertel importiert. Die jüngste Preisentwicklung – etwa bei Harnstoff – belastet den Agrarsektor erheblich und führt zu steigenden Produktionskosten, die mittelfristig zu höheren Lebensmittelpreisen führen.
Die Regierung von Präsident Gustavo Petro bezieht klar Stellung gegen das militärische Vorgehen der USA und Israels im Iran und beruft sich dabei auf die Prinzipien des Multilateralismus, des Völkerrechts und die Notwendigkeit diplomatischer Lösungen. Petro fordert einen Waffenstillstand und eine stärkere Rolle der Vereinten Nationen und hat die Angriffe als völkerrechtswidrig bezeichnet. Politisch ist diese Haltung jedoch schärfer zu interpretieren: Petro nutzt den Konflikt sichtbar, um seine kritische Linie gegenüber Israel und seine Distanzierung vom Westen zu betonen. Auffällig ist, dass seine Kritik an den USA oftmals indirekt formuliert wird, indem er Washington auffordert, seine Allianz mit Israel zu überdenken. Trotz einer insgesamt angespannten Beziehung zu den USA vermeidet die Regierung jedoch eine offene Eskalation. Die Betonung des Multilateralismus dient vor allem dazu, eine kritische Haltung gegenüber dem Westen zu untermauern.
Im politischen Umfeld der Adenauer-Stiftung spielt der Irankrieg bislang keine hervorgehobene Rolle. Die politischen Partner aus dem Mitte-rechts-Spektrum, darunter Centro Democrático und Partido Conservador, vertreten traditionell pro-westliche Positionen und kritisieren den außenpolitischen Kurs der Regierung. Führende Persönlichkeiten, darunter Präsidentschaftskandidatin Paloma Valencia, lehnen Petros Haltung ausdrücklich ab und positionieren sich klar westorientiert. Zugleich wird die politische Agenda im Land vollständig vom Präsidentschaftswahlkampf dominiert, in dem innenpolitische Themen wie Sicherheit, Wirtschaft und Korruption im Vordergrund stehen. Außenpolitische Fragen spielen dabei kaum eine Rolle. Auch in der Bevölkerung herrscht weitgehend Indifferenz gegenüber dem Irankrieg; das Thema wird vor allem über seine wirtschaftlichen Folgen wahrgenommen, insbesondere über Inflation, Benzinpreise und Lebensmittelkosten.
Ein direkter politischer Vorteil für Drittakteure wie China oder Russland ist bislang nicht erkennbar. Beide nutzen den Konflikt derzeit nicht sichtbar, um ihren politischen Einfluss in Kolumbien auszubauen. Indirekte wirtschaftliche Effekte bestehen jedoch insofern, als Kolumbien bei Düngemitteln auf Importe aus Russland und China angewiesen ist und Preissteigerungen sowie globale Verschiebungen in Lieferketten diesen Akteuren zugutekommen können. Insgesamt verbleibt der Einfluss dritter Staaten jedoch im ökonomischen Bereich und hat bislang keine erkennbare politische Dimension.“
Mexiko
Quelle: Länderberichte der Konrad-Adenauer-Stiftung, © Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. 2026.
