Am 28. Januar 2026 hat der Landtag von Sachsen-Anhalt den CDU-Politiker Sven Schulze zum neuen Ministerpräsidenten des Bundeslandes gewählt. Die Wahl erfolgte nach dem Rücktritt von Reiner Haseloff (CDU), der das Amt seit April 2011 innehatte und seinen Rückzug einen Tag zuvor erklärt hatte. Mit der Wahl Schulzes endete die geschäftsführende Amtszeit der bisherigen Landesregierung und ein geplanter personeller Übergang an der Spitze der Exekutive wurde vollzogen.
Die Wahl des Ministerpräsidenten erfolgte gemäß der Landesverfassung in geheimer Abstimmung. Für eine erfolgreiche Wahl war die absolute Mehrheit der Mitglieder des Landtags erforderlich, also mindestens 49 Stimmen bei insgesamt 97 Abgeordneten.
Sven Schulze erhielt im ersten Wahlgang 58 Stimmen. Gegen ihn stimmten 38 Abgeordnete, eine Stimme war ungültig. Enthaltungen wurden nicht registriert. Damit überschritt Schulze die notwendige Mehrheit deutlich.
Die regierende Koalition aus CDU, SPD und FDP verfügt im Landtag über 56 Sitze. Das Wahlergebnis lag somit über der rechnerischen Koalitionsmehrheit, ohne dass öffentlich gemacht wurde, aus welchen Fraktionen die zusätzlichen Stimmen kamen.
Politischer Rahmen des Amtswechsels
Der Wechsel an der Regierungsspitze war langfristig vorbereitet. Reiner Haseloff hatte bereits zuvor angekündigt, bei der Landtagswahl im September 2026 nicht erneut als Spitzenkandidat antreten zu wollen. Mit seinem Rücktritt sollte ein geordneter Übergang ermöglicht werden, der der CDU erlaubt, mit einem amtierenden Ministerpräsidenten in den Wahlkampf zu gehen.
Haseloff hatte Sachsen-Anhalt über mehrere Legislaturperioden hinweg geführt und verschiedene Koalitionen gebildet. In der laufenden Wahlperiode stand er an der Spitze der sogenannten Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP. Diese Koalition wird unter Schulze fortgeführt, die Zusammensetzung der Landesregierung blieb zunächst unverändert.
Persönliche Daten und Ausbildung – Einstieg in die Politik und Parteiarbeit
Sven Schulze wurde am 31. Juli 1979 in Quedlinburg geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1998 leistete er Zivildienst. Anschließend nahm er ein Studium an der Technischen Universität Clausthal auf. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen und Umweltschutztechnik und schloss sein Studium 2007 als Diplom-Wirtschaftsingenieur ab.
Nach dem Studium war Schulze in der Wirtschaft tätig, unter anderem in mittelständischen Unternehmen. Seine berufliche Laufbahn vor dem Eintritt in die hauptamtliche Politik war auf technische und wirtschaftliche Fragestellungen ausgerichtet.
Schulze ist seit den späten 1990er-Jahren Mitglied der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU). Innerhalb der Partei übernahm er früh organisatorische Aufgaben. In den Jahren vor seinem Einzug ins Europäische Parlament war er in der CDU Sachsen-Anhalt unter anderem als Generalsekretär tätig.
2014 wurde Schulze erstmals in das Europäische Parlament gewählt. Dort war er bis 2021 Abgeordneter. In dieser Zeit arbeitete er in mehreren Ausschüssen und Gremien, insbesondere in Bereichen mit wirtschafts-, umwelt- und digitalpolitischem Bezug. Seine Arbeit im Europäischen Parlament endete mit der Europawahl 2021.
Nach dem Ende seiner Zeit in Brüssel wechselte Schulze zurück in die Landespolitik. Mit der Landtagswahl 2021 wurde er Mitglied der Landesregierung Sachsen-Anhalts und übernahm das Ministeramt für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten. In dieser Funktion war er bis zu seiner Wahl zum Ministerpräsidenten tätig.
Parallel dazu wurde Schulze im März 2021 zum Landesvorsitzenden der CDU Sachsen-Anhalt gewählt. In dieser Doppelfunktion als Minister und Parteivorsitzender prägte er die politische Ausrichtung der CDU im Land und koordinierte die Arbeit innerhalb der Koalition.
Seit 2024 gehört Schulze zudem dem Präsidium und dem Bundesvorstand der CDU Deutschlands an und ist damit auch auf Bundesebene in die Parteiarbeit eingebunden.
Amtsübernahme und Aufgabenlage
Mit der Wahl zum Ministerpräsidenten übernimmt Schulze die Leitung der Landesregierung in einer Phase struktureller Herausforderungen. Sachsen-Anhalt steht vor Aufgaben wie dem demografischen Wandel, der Sicherung von Fachkräften, der wirtschaftlichen Transformation, der Entwicklung ländlicher Räume sowie der Stabilisierung kommunaler Finanzen.
Die Landesregierung setzt ihre Arbeit bis zur Landtagswahl 2026 fort. Schulze erklärte nach seiner Wahl, die Regierungsarbeit verlässlich fortführen und die Zusammenarbeit innerhalb der Koalition beibehalten zu wollen. Eine grundlegende Neustrukturierung der Regierung wurde zum Zeitpunkt der Wahl nicht angekündigt.
Die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten wenige Monate vor einer Landtagswahl hat für Sachsen-Anhalt auch strategische Bedeutung. Schulze tritt sein Amt in einer Übergangsphase an, in der politische Stabilität und administrative Kontinuität im Mittelpunkt stehen. Zugleich wird seine Amtsführung maßgeblich durch den bevorstehenden Wahltermin geprägt sein.
