In Berlin steht alles still. Busse, Bahnen, Straßenbahnen, nichts fährt außer den leeren Wagen, die nur verhindern sollen, dass die Oberleitungen einfrieren. Die Stadt steckt fest, und mit ihr viele Bürgerinnen und Bürger, die einfach nur zur Arbeit, zur Schule oder zu Terminen wollen.
Natürlich ist das Streikrecht ein hohes Gut. Doch wenn eine Gewerkschaft mitten in einer Zeit klammer öffentlicher Kassen eine Lohnerhöhung von 7 Prozent fordert, während Kommunen kaum noch wissen, wie sie ihre Pflichtaufgaben finanzieren sollen, dann drängt sich die Frage auf, ob das noch soziale Verantwortung oder schlicht Machtpolitik ist und die Kunden das Pfand gegen den Arbeitgeber benutzt werden.
Wer Solidarität ruft, darf nicht vergessen, dass sie in beide Richtungen gilt. Die wirtschaftliche Realität vieler Arbeitgeber, gerade der öffentlichen Hand, ist angespannt. Ein maßloser Tarifkampf trifft also letztlich nicht die „Reichen da oben“, sondern die Bürger selbst Eltern, die keine Kita erreichen, Pflegekräfte, die im Stau stehen, Betriebe, die lahmgelegt werden.
Ein fairer Interessenausgleich braucht Augenmaß, nicht Symbolpolitik mit der Brechstange. Gewerkschaften haben ihre Legitimation, solange sie sozial denken. Aber wer die täglichen Sorgen der Menschen aus dem Blick verliert, riskiert genau diese Glaubwürdigkeit.
