Prachtkerl in Prachtvilla: Franz von Stuck

In seiner Prachtvilla ist Franz von Stuck (1863 – 1928, Foto: Hans Gaertner

Der Müllersohn Franz Stuck aus Tettenweis, der mit 26 seinen Durchbruch als bildender Künstler erlebt hatte, war schon Akademie-Professor, als er ein Mädchen, Mary, von der Münchner Bäckerstochter Anna Maria Brandmaier bekam. Das war 1896. Im Jahr darauf heiratete er die verwitwete Kaufmannstochter Mary Lindpaintner, und wieder ein Jahr später, also vor 120 Jahren, bezog er, Maler, Grafiker und Bildhauer von außergewöhnlichem Rang, die selbst entworfene Prachtvilla auf der Isarhöhe, heute Prinzregentenstraße Nr. 60. Die Villa Stuck war steingewordener Ausdruck des Lebensgesamtkunstwerks eines Künstlerfürsten, der hochverehrt und hochgeachtet, zudem geadelt und einer der bedeutendsten Kunstschaffenden seiner Zeit war: Franz von Stuck.
Es war klar, dass 2018 dieser Prachtkerl mit seinem Prachtbau in den Fokus bayerischen Kunst- und Kultur-Interesses zu rücken war. Nicht nur wegen 120 Jahre Villa Stuck, auch wegen 50 Jahre „Museum Villa Stuck“, denn am 9. März 1968 wurde das Museum „Stuck-Villa“ eröffnet. Drei Jahre zuvor hatten Amélie Ziersch und ihr Mann Hans-Joachim die Villa erworben und renovieren und in sie bald Galerien und ein Restaurant einziehen lassen. Erst schenkten die Zierschs die Villa samt Grundstück dem „Stuck-Jugendstil-Verein“, 14 Jahre später der Stadt München. 1992 konnte das Haus nochmals weitgehend renoviert und die historischen Räume restauriert werden.
Nicht gleich ein anderes Kultur-Gebäude der bayerischen Landeshauptstadt hat ein derart bewegtes Schicksal auf dem Dach. Es lag nahe, die Jubiläumsschau unter das Motto „Betreff: Schicksal Villa Stuck“ zu stellen. Wer will, kann die lange Chronik dieses einzigartigen architektonischen Juwels des Münchner Jugendstils detailliert verfolgen. Sie ist punktgenau an die Wand des Obergeschosses der für die Ausstellung noch einmal aufgefrischten Museumsvilla geschrieben. Über vieles, was da zu lesen ist, staunt man, über manches schüttelt man den Kopf. Etwa darüber, dass das 1944 stark beschädigte Gebäude, dessen Gemälde und Gobelins gottlob zuvor ausgelagert worden waren, knapp ein Jahrzehnt später nah dran war, abgerissen zu werden.
Größte Bewunderung gebührt nun der total neuen Präsentation. Abgesehen von den grandiosen historischen Räumen sind die beiden Hauptgebiete des Erbauers in neues Licht gerückt: Bildhauerei und Malerei. Neben die von der Straße ins Neue Atelier hereingeholte Bronze-Amazone, die Stuck 1913/14 in der Kunstakademie geschaffen hatte, sind kleine Stuck-Figuren platziert, darunter ein Modell der großen reitenden Lanzenträgerin. Im Obergeschoß brilliert der Maler Franz von Stuck. Er ist – er soll – durch die originelle Aufstellung einiger Gemälde neu – und anders – gesehen werden: Auf Staffeleien ließ Kuratorin Margot Brandlhuber genügend Platz zum Herantreten an die Bilder, deren Rückseiten mit Aufklebern und handschriftlichen Eintragungen hinter Glas erfahrbar werden. Stucks Bilder erhalten so eine tolle Plastizität und der Besucher die Chance, sie „von vorn bis hinten“ betrachten zu können. – Die Schau ist bis 6. Mai (Di – So, 11 – 18 Uhr) zu sehen.

Foto: Hans Gärtner

In seiner Prachtvilla ist Franz von Stuck (1863 – 1928) als Maler „von vorn bis hinten“ zu entdecken.

Hans Gärtner
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Prof. Dr. Hans Gärtner, Heimat I: Böhmen (Reichenberg, 1939), Heimat II: Brandenburg (nach Vertreibung, `45 – `48), Heimat III: Südostbayern (nach Flucht, seit `48), Abi in Freising, Studium I (Lehrer, 5 J. Schuldienst), Wiss. Ass. (PH München), Studium II (Päd., Psych., Theo., German., LMU, Dr. phil. `70), PH-Dozent, Univ.-Prof. (seit `80) für Grundschul-Päd., Lehrstuhl Kath. Univ. Eichstätt (bis `97). Publikationen: Schul- u. Fachbücher (Leseerziehung), Kulturgeschichtliche Monographien, Essays, Kindertexte, Feuilletons.