Zwei große Handelsketten, zwei Rückrufe und zwei verschiedene Viren: Bei Lidl geht es um mögliche Noroviren, bei einer Rewe-Beerenmischung wurden Hepatitis-A-Viren nachgewiesen. Betroffen sind nur bestimmte Produkte und Chargen – doch der Fall zeigt, warum tiefgefrorene Beeren roh nicht völlig risikofrei sind.
Wer Tiefkühlbeeren zu Hause hat, sollte derzeit einen Blick auf die Packung werfen. Lidl hat den Rückruf einer „Freshona Bio Beerenmischung erntefrisch tiefgefroren“ ausgeweitet. Nach Angaben des Unternehmens kann bei den betroffenen 300-Gramm-Beuteln nicht ausgeschlossen werden, dass Noroviren enthalten sind. Die Ware wurde deutschlandweit verkauft und kann in allen Lidl-Filialen zurückgegeben werden. Ein Kassenbon ist dafür nicht nötig.
Bei Rewe liegt ein anderer Fall vor. Dort wurde bereits Anfang Juli eine Charge der tiefgefrorenen „ja! Beerenmischung“ zurückgerufen, nachdem Hepatitis-A-Viren nachgewiesen worden waren. Betroffen ist der 750-Gramm-Beutel mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 15. März 2028 und der Charge L-26085. Die Verbraucherzentrale rät ausdrücklich vom Verzehr ab.
Betroffen sind nicht sämtliche Tiefkühlbeeren bei Lidl oder Rewe. Die Rückrufe beziehen sich auf klar benannte Produkte und Chargen. Wer eine Packung im Gefrierschrank findet, sollte Mindesthaltbarkeitsdatum und Chargennummer vergleichen. Über den ausgeweiteten Freshona-Rückruf berichtete auch t-online; den Rewe-Fall mit Hepatitis-A-Nachweis dokumentierte die Tagesschau.
Warum Einfrieren Viren nicht einfach verschwinden lässt
Tiefkühlen bremst viele Prozesse, macht ein Lebensmittel aber nicht steril. Das Robert Koch-Institut hat in der Vergangenheit wiederholt Ausbrüche untersucht, bei denen tiefgekühlte Beeren als mögliches oder bestätigtes Infektionsvehikel eine Rolle spielten. Für Hepatitis-A-Viren ist die lange Haltbarkeit solcher Produkte besonders relevant, weil die Erreger unter Tiefkühlbedingungen lange stabil bleiben können.
Auch Noroviren sind im Zusammenhang mit gefrorenen Beeren bekannt. Das RKI hält unverarbeitete tiefgekühlte Beeren mit Blick auf Norovirusinfektionen ausdrücklich für ein Risiko. Eine Verunreinigung kann bereits weit vor dem Supermarkt entstehen – etwa beim Anbau, bei der Ernte, durch Wasser oder während der Verarbeitung.
Kritisch wird es vor allem bei der beliebten kalten Zubereitung. Gefrorene Früchte landen direkt im Smoothie, im Müsli oder im Dessert. Sie tauen auf, werden aber nicht ausreichend erhitzt. Gerade weil das so schnell und unkompliziert ist, wird dieser Punkt leicht übersehen.
Welche Packungen betroffen sind
Bei Lidl wurde der Rückruf am 24. Juli erweitert. Auf der Unternehmensseite sind mehrere Mindesthaltbarkeitsdaten und Chargen aufgeführt. Kunden sollten deshalb die aktuelle Rückrufliste von Lidl prüfen. Das Unternehmen betont zugleich, dass andere Produkte des Herstellers und andere Freshona-Artikel nicht betroffen seien.
Bei Rewe ist die Zuordnung einfacher: „ja! Beerenmischung, tiefgefroren“, 750 Gramm, Mindesthaltbarkeitsdatum 15.03.2028, Charge L-26085. Die betroffene Ware wurde nach Angaben der Rewe Group aus dem Verkauf genommen.
Wer eine betroffene Packung besitzt, sollte sie nicht verzehren. Bei Lidl ist die Rückgabe ohne Kassenbon möglich. Für die Rewe-Ware gelten ebenfalls die Hinweise des Rückrufs. Wer nach dem Verzehr gesundheitliche Beschwerden entwickelt oder einen konkreten Verdacht auf eine Infektion hat, sollte sich medizinisch beraten lassen.
Warum ein Blick ins Gefrierfach lohnt
Die beiden Rückrufe erinnern an ein grundsätzliches Problem. Tiefkühlware wirkt besonders sicher, weil sie lange haltbar und sauber verpackt ist. Vor allen Viren schützt die Lagerung bei Minusgraden jedoch nicht.
Wer Tiefkühlbeeren roh essen will, sollte Rückrufhinweise ernst nehmen und nicht davon ausgehen, dass die Ware allein durch das Einfrieren virenfrei ist. Panik ist deshalb nicht nötig. Ein kurzer Blick auf die Packung kann aber sinnvoll sein.
