Sonnenfinsternis und 100 Sternschnuppen: Deutschland erlebt die Himmelsnacht des Jahres

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Am 12. August schrumpft die Sonne über Deutschland zu einer schmalen Sichel. Wenige Stunden später erreichen die Perseiden ihren Höhepunkt. Für gute Sicht braucht es den richtigen Standort – und bei der Finsternis unbedingt eine Schutzbrille.

Dieser Abend hat zwei Höhepunkte. Am Mittwoch, 12. August, schiebt sich zunächst der Mond vor die Sonne. Nach Einbruch der Dunkelheit folgen die Perseiden, der bekannteste Sternschnuppenstrom des Sommers. Dass beide Ereignisse in derselben Nacht zusammenfallen und der Mond selbst kaum stört, macht den Termin zu einem der stärksten Astronomie-Abende des Jahres.

In Deutschland ist die Sonnenfinsternis partiell zu sehen. Total wird sie über Teilen Grönlands, Islands und Nordspaniens. Dennoch fällt die Bedeckung hierzulande ungewöhnlich groß aus. Über Mitteldeutschland werden nach Berechnungen des MDR je nach Ort etwa 85 bis 87 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt. Eine so tiefe Finsternis war in Deutschland seit 1999 nicht mehr zu beobachten.

Der genaue Beginn hängt vom Standort ab. In vielen Regionen berührt der Mond den Sonnenrand zwischen 19.10 und 19.25 Uhr. Das Maximum liegt ungefähr zwischen 20.06 und 20.16 Uhr. Dann steht die Sonne allerdings bereits sehr tief. In mehreren Städten geht sie unter, bevor die Finsternis vollständig beendet ist.

Freier Blick nach Westen ist wichtiger als ein Teleskop

Häuser, Bäume oder ein Hügel am westlichen bis nordwestlichen Horizont können das gesamte Schauspiel verdecken. Ein erhöhter Standort mit freiem Blick ist deshalb wichtiger als starke Vergrößerung. Die Übersicht von ARD alpha zeigt, dass die Sonne beim Maximum vielerorts nur noch wenige Grad über dem Horizont steht. Wer erst kurz vorher einen Platz sucht, könnte trotz klaren Himmels nichts sehen.

Ohne geprüfte Sonnenfinsternisbrille darf niemand direkt in die Sonne schauen. Normale Sonnenbrillen, dunkles Glas, Rettungsfolie oder alte Filmstreifen bieten keinen sicheren Schutz. Auch die schmale sichtbare Sonnensichel ist hell genug, die Netzhaut dauerhaft zu schädigen. Ferngläser und Teleskope benötigen einen geeigneten Sonnenfilter vor der Öffnung; eine Finsternisbrille hinter dem Okular reicht nicht.

Nach Sonnenuntergang übernehmen die Perseiden

Wenn es dunkel wird, beginnt der zweite Teil. Die Erde durchquert die Staubspur des Kometen 109P/Swift-Tuttle. Kleine Teilchen dringen in die Atmosphäre ein und erzeugen die schnellen Lichtspuren der Perseiden. Unter sehr dunklem Himmel sind zum Maximum rechnerisch bis zu 100 Meteore pro Stunde möglich. In Städten, bei Dunst oder Bewölkung fällt die sichtbare Zahl deutlich geringer aus.

Die besten Chancen bestehen nach Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden des 13. August. In diesem Jahr liegt Neumond vor, sodass kein helles Mondlicht die schwächeren Sternschnuppen überstrahlt. ARD alpha nennt die Perseiden deshalb eines der wichtigsten Ereignisse am Augusthimmel 2026. Für die Beobachtung braucht es kein Instrument: Liegestuhl, warme Kleidung und möglichst wenig künstliches Licht reichen.

Trotz großer Bedeckung wird es in Deutschland nicht Nacht

85 oder sogar knapp 90 Prozent verdeckte Sonnenscheibe klingen nach fast vollständiger Dunkelheit. Bei einer partiellen Finsternis täuscht diese Vorstellung. Schon der verbleibende schmale Teil der Sonne ist noch so hell, dass die Umgebung eher ein blasseres, ungewohntes Licht bekommt. Eine richtige Nachtstimmung mit sichtbarer Sonnenkorona entsteht nur innerhalb der schmalen Totalitätszone. ARD alpha weist deshalb darauf hin, dass die Finsternis in Deutschland zwar eindrucksvoll ausfällt, aber nicht mit einer totalen Sonnenfinsternis vergleichbar ist. Auch die Schutzregel ändert sich dadurch nicht: Solange irgendein Teil der Sonne sichtbar ist, darf nur mit geeigneter Finsternisbrille hingesehen werden.

Die häufig genannten 100 Perseiden pro Stunde sind ebenfalls ein Idealwert. Er gilt für einen sehr dunklen Himmel, freie Rundumsicht und den theoretischen Höhepunkt des Stroms. In einer beleuchteten Stadt sieht man meist erheblich weniger. Das Auge braucht außerdem Zeit, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen; ein ständig aufleuchtendes Handydisplay macht diese Anpassung immer wieder zunichte. Der MDR erwartet in der Nacht vom 12. auf den 13. August dennoch außergewöhnlich gute Bedingungen, weil der Mond kaum stört. Wer nach der Sonnenfinsternis am Beobachtungsort bleibt, sollte deshalb nicht nur nach Nordosten zum Sternbild Perseus starren. Die Leuchtspuren können über den ganzen Himmel ziehen. Ein möglichst weiter Blick und Geduld bringen mehr als ein Teleskop.

Ob die doppelte Himmelsshow gelingt, entscheidet am Ende das Wetter. Für die Sonnenfinsternis ist ein klarer Westhorizont nötig, für die Sternschnuppen ein möglichst wolkenfreier Nachthimmel. Wer beides sehen will, sollte den Standort vorher auswählen und die Schutzbrille rechtzeitig besorgen. Am 12. August kommt die Sonne zuerst nur als Sichel – und danach scheint der Himmel Funken zu schlagen.