US-Unterhändler Jared Kushner berichtet von „sehr positiven Gesprächen“ mit Teheran. Gleichzeitig droht Iran mit einer härteren militärischen Linie, und die Straße von Hormus bleibt weitgehend blockiert. Die widersprüchlichen Signale treiben auch die Ölpreise.
Am Dienstagmorgen klang aus Washington erstmals wieder deutlicher Optimismus. US-Unterhändler Jared Kushner sprach nach einem Besuch in Israel von „sehr positiven Gesprächen“ zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Tagesschau.de berichtete um 9.10 Uhr über seine Aussagen. Konkrete Vereinbarungen nannte Kushner allerdings nicht.
Er verwies zugleich auf das geringe Vertrauen zwischen Washington und Teheran. Präsident Donald Trump werde geduldig verhandeln und nichts überstürzen, sagte Kushner. Diese Formulierung ist bemerkenswert, weil die übrige Nachrichtenlage weit weniger entspannt erscheint: Noch am Vortag berichtete Reuters über neue iranische Drohungen und eine festgefahrene Auseinandersetzung um die Straße von Hormus.
Der Krieg begann Ende Februar mit gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf Iran. Nach Angaben der Tagesschau wurden dabei wichtige Mitglieder der iranischen Führung getötet, darunter der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei. Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Golfstaaten. Die Straße von Hormus ist seit Beginn des Krieges nahezu vollständig geschlossen, mit erheblichen Folgen für den internationalen Öltransport.
Zwei völlig verschiedene Signale aus den Verhandlungen
Nur Stunden vor Kushners optimistischer Darstellung meldete Reuters eine deutlich schärfere Tonlage aus Teheran. Ein hochrangiger iranischer Vertreter drohte demnach mit einer „voll offensiven“ militärischen Haltung, falls die Diplomatie scheitere. Der Streit dreht sich weiterhin um ein im Juni vereinbartes Übergangsabkommen, das sehr schnell auseinanderbrach.
Die Vereinbarung sollte die Kämpfe beenden und innerhalb von 60 Tagen den Weg zu einer umfassenderen Regelung öffnen. Die USA werfen Iran vor, die Straße von Hormus nicht wie vereinbart wieder geöffnet zu haben. Teheran wiederum erklärt, Washington habe eigene Verpflichtungen nicht erfüllt, darunter Zusagen zur Blockade iranischer Häfen und zu eingefrorenen Vermögenswerten.
In den vergangenen Tagen liefen Kontakte über Vermittler. Noch am 12. August hatte ein iranischer Vertreter Reuters gesagt, bei der Wiederbelebung des Übergangsabkommens gebe es keinerlei Fortschritt. Meldungen über eine Verlängerung der Waffenruhe wurden von iranischer Seite zurückgewiesen. Die USA erklärten ebenfalls, die ursprüngliche Regelung werde nicht einfach verlängert.
Dass Kushner nun dennoch von positiven Gesprächen spricht, bedeutet daher zunächst nur, dass Kontakte stattfinden und die US-Seite sie günstiger bewertet. Ein unterschriebenes neues Abkommen, eine Wiederöffnung der Meerenge oder ein bestätigter Zeitplan für ein Ende der Kämpfe wurden nicht bekannt gegeben.
Hormus bleibt der Schlüssel
Die Straße von Hormus ist der wirtschaftlich entscheidende Punkt des Konflikts. Durch die Meerenge läuft ein bedeutender Teil der weltweiten Öl- und Gasexporte aus der Golfregion. Seit der starken Einschränkung des Verkehrs müssen Reedereien und Energiehändler mit höheren Risiken rechnen. Angriffe auf Schiffe und die militärische Präsenz mehrerer Staaten verschärfen die Lage zusätzlich.
Am 18. August stiegen die Ölpreise den dritten Handelstag in Folge. Reuters meldete für Brent zeitweise 91,76 Dollar je Barrel und für US-Rohöl der Sorte WTI 85,55 Dollar. Als wichtigen Grund nennt die Agentur die sinkende Hoffnung auf eine schnelle politische Lösung und die Sorge vor weiteren Lieferausfällen im Golf.
Damit schlägt die militärische Auseinandersetzung unmittelbar auf die Weltwirtschaft durch. Solange die Passage durch Hormus eingeschränkt bleibt, betrifft der Konflikt nicht nur Iran, die USA und deren regionale Verbündete. Er verändert Transportwege, Versicherungsrisiken und Energiepreise weit über den Nahen Osten hinaus.
Für Iran ist die Meerenge zugleich ein zentrales Druckmittel. Für Washington geht es neben der freien Schifffahrt vor allem um die iranische Nuklearpolitik. Trump erklärte zuletzt erneut, Iran dürfe keine Atomwaffe erlangen. Teheran wiederum verlangt Garantien und die Umsetzung der aus seiner Sicht bereits zugesagten amerikanischen Schritte.
Kushner verhandelt zugleich über Gaza
Kushners Reise nach Israel hatte noch einen zweiten Schwerpunkt. Nach einem mehrstündigen Gespräch mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte er, beim amerikanischen Gaza-Friedensplan könnten innerhalb eines Monats Fortschritte bei der Entwaffnung der Hamas möglich sein. Netanjahu hatte dem Plan zuletzt mehrfach widersprochen.
Nach Angaben eines israelischen Regierungsvertreters soll ein US-General eine mögliche Entwaffnung der Hamas überprüfen. Bis dahin werde Israel seine Streitkräfte nicht aus dem Gazastreifen abziehen. Kushner hatte zuvor in Ägypten Präsident Abdel Fattah al-Sisi getroffen und dort auch mit Vertretern der Hamas gesprochen.
Damit laufen zwei der schwierigsten Konfliktdossiers der Region bei demselben Unterhändler zusammen. Kushners optimistische Wortwahl verändert die Lage aber noch nicht. In Iran stehen positive Gesprächssignale neben militärischen Drohungen, einer blockierten Meerenge und hohen Ölpreisen. Im Gazastreifen stehen amerikanische Pläne weiterhin gegen erhebliche Vorbehalte der israelischen Regierung.
Reuters beschrieb am Vortag, wie weit beide Seiten bei der Interpretation des Juni-Abkommens auseinanderliegen. Teheran verlangt die Rückkehr zu den damaligen Verpflichtungen und droht, bei ausbleibender Bewegung militärisch offensiver vorzugehen. Washington wiederum hält Irans Verhalten in der Straße von Hormus für einen zentralen Vertragsbruch und will die alte Vereinbarung nicht einfach verlängern.
Die 60-Tage-Frist, die ursprünglich für einen umfassenderen Friedensschluss vorgesehen war, ist damit praktisch verstrichen, ohne dass der Konflikt gelöst wäre. Kontakte laufen über Vermittler weiter, doch selbst die Frage, welche Teile des alten Memorandums noch gelten, ist umstritten. Kushners positive Bewertung steht vor diesem Hintergrund für Gesprächskanäle, nicht für eine bereits vereinbarte Waffenruhe.
Reuters meldete am Dienstag zugleich steigende Energiepreise. Brent erreichte den höchsten Stand seit Ende Juli. Händler reagieren damit nicht auf einzelne diplomatische Formulierungen, sondern auf das konkrete Risiko, dass die Passage durch Hormus länger eingeschränkt bleibt oder neue militärische Angriffe den Transport weiter behindern.
Das macht den Konflikt ungewöhnlich unmittelbar messbar. Ein Satz eines Unterhändlers kann Hoffnungen auf eine Verständigung wecken; eine iranische Drohung oder ein Zwischenfall an einem Schiff kann dieselbe Erwartung wenige Stunden später wieder drehen. Solange weder die Schifffahrt normalisiert noch eine überprüfbare Waffenruhe vereinbart ist, bleiben Diplomatie und Eskalation gleichzeitig Teil derselben Nachrichtenlage.
Der 18. August liefert deshalb weniger einen Durchbruch als ein widersprüchliches Bild: Washington spricht von Fortschritten, Teheran droht bei einem Scheitern der Diplomatie mit Eskalation. Ob aus den Gesprächen tatsächlich ein belastbares Abkommen entsteht, wird sich daran zeigen, ob beide Seiten bei den konkreten Streitpunkten – vor allem Hormus, Sanktionen und Sicherheitsgarantien – eine überprüfbare Vereinbarung erreichen.
