Das Blockmodell ist die mit Abstand beliebteste Form der Altersteilzeit: Beschäftigte arbeiten zunächst weiter und gehen anschließend in eine bezahlte Freistellungsphase. Die Rentenkommission will dieses Modell abschaffen und den frühestmöglichen Beginn der Altersteilzeit von 55 auf 58 Jahre anheben. Die Linke warnt vor Folgen für ältere Beschäftigte.
Altersteilzeit ist für viele Beschäftigte der planbare Übergang aus dem Berufsleben in den Ruhestand. Besonders beliebt ist dabei nicht die klassische Halbierung der täglichen Arbeitszeit, sondern das Blockmodell: In der ersten Phase wird weiter gearbeitet, in der zweiten folgt die Freistellung.
Nach einem Bericht der WELT nutzten im langfristigen Durchschnitt rund 82 Prozent der Beschäftigten in Altersteilzeit dieses Modell. 2023 machten rund 284.000 ältere Arbeitnehmer von Altersteilzeit Gebrauch. 189.000 davon waren Männer, 95.000 Frauen.
Die Rentenkommission empfiehlt nun, das Blockmodell abzuschaffen. Zugleich soll Altersteilzeit erst ab 58 statt wie bisher ab 55 Jahren möglich sein. Die Vorschläge stehen im größeren Zusammenhang einer Reform, mit der die Bundesregierung das Rentensystem und den Übergang älterer Beschäftigter in den Ruhestand verändern will.
Vor allem große Unternehmen nutzen die Regelung
Altersteilzeit ist keineswegs gleichmäßig über den Arbeitsmarkt verteilt. Nach den vom Sozialministerium genannten Zahlen arbeitet fast die Hälfte der Nutzer in Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten. Besonders verbreitet ist das Modell in der Energieversorgung, im Finanz- und Versicherungssektor sowie im verarbeitenden Gewerbe.
Gerade dort wurde das Blockmodell häufig auch als Instrument des Personalumbaus eingesetzt. Unternehmen konnten Stellen sozialverträglicher abbauen, Beschäftigte erhielten einen planbaren Übergang. Kritiker sehen darin allerdings einen Widerspruch zur politischen Forderung, angesichts des demografischen Wandels mehr ältere Menschen länger im Erwerbsleben zu halten.
Die Rentenkommission setzt an diesem Punkt an. Wenn Beschäftigte über Jahre in einer Freistellungsphase bleiben, obwohl sie formal noch in Altersteilzeit sind, steht ihre Arbeitskraft dem Betrieb nicht mehr zur Verfügung. Die Abschaffung des Blockmodells soll diesen frühen vollständigen Ausstieg erschweren.
Die Linke warnt vor Entlassungen statt Übergängen
Die Linken-Abgeordnete Sarah Vollath kritisiert den Vorschlag scharf. Sie bezeichnet die Abschaffung als „mehr als fahrlässig“ und warnt, Unternehmen könnten bei notwendigem Personalabbau künftig eher zu Kündigungen greifen. Besonders ältere Beschäftigte könnten dann schlechter abgesichert sein.
Das Bundesarbeits- und Sozialministerium weist zugleich darauf hin, dass Altersteilzeit als solche nicht abgeschafft werden soll. Auch andere tarifliche oder betriebliche Vereinbarungen sowie Wertguthabenmodelle könnten Übergänge in den Ruhestand ermöglichen. Der Streit dreht sich also nicht darum, ob ältere Beschäftigte überhaupt ihre Arbeitszeit reduzieren dürfen, sondern um die spezielle gesetzliche Konstruktion des Blockmodells.
Politisch ist die Frage deshalb heikel, weil zwei Ziele kollidieren. Die Regierung will mehr Menschen länger in Arbeit halten und damit Fachkräfte sichern sowie Sozialkassen entlasten. Gleichzeitig brauchen Unternehmen und Beschäftigte flexible Instrumente, wenn körperliche Belastung, Umstrukturierungen oder Stellenabbau einen frühen Übergang sinnvoll machen.
Dass vier von fünf Altersteilzeit-Beschäftigten ausgerechnet das Modell wählen, das die Kommission streichen möchte, zeigt, wie tief der Eingriff wäre. Ob die Empfehlung Gesetz wird, hängt vom politischen Verfahren ab. Die Koalitionsspitzen haben signalisiert, die Vorschläge der Rentenkommission möglichst umfassend umzusetzen. Damit ist das Blockmodell nicht nur Gegenstand einer Expertenempfehlung, sondern Teil einer konkreten rentenpolitischen Auseinandersetzung.
