TOUCHED – Sebastian Unterrainer zeigt seine Tierwelten in der Fabrik der Künste in Hamburg

TOUCHED – Sebastian Unterrainer zeigt seine Tierwelten in der Fabrik der Künste in Hamburg

In den aktuellen Bildwelten des Hamburger Künstlers Sebastian Unterrainer rücken Tiere zunehmend in den Mittelpunkt. Dabei geht es Unterrainer nicht allein um ihre äußere Erscheinung oder um die ästhetischen Möglichkeiten ihrer Darstellung. Tiere sind für ihn vielmehr ein Zugang zu einer anderen, ursprünglicheren Wahrnehmung der Welt.

Dabei bewegt er sich auch auf den Spuren von Franz Marc, der Tiere als Wesen betrachtete, die eine eigene, von menschlichen Konventionen unabhängige Sicht auf die Welt ermöglichen. Der Gedanke, die Welt durch die Augen des Tieres zu sehen, bildet einen wichtigen Bezugspunkt für Unterrainers Arbeit.

TOUCHED – Sebastian Unterrainer zeigt seine Tierwelten in der Fabrik der Künste in Hamburg

Tiere begegnen uns unmittelbar und unverstellt. Ihre Körpersprache, ihre Aufmerksamkeit und ihr Verhalten ermöglichen eine Form der Verständigung, die häufig ohne Worte auskommt. Für Unterrainer liegt gerade darin eine besondere Ehrlichkeit. Im Kontakt mit Tieren kann schneller Vertrauen entstehen, weil die Begegnung weniger von gesellschaftlichen Rollen, Erwartungen oder Vorurteilen geprägt ist. Diese unmittelbare Beziehung interessiert ihn auch als Künstler. Er möchte nicht nur wissen, wie ein Tier aussieht, sondern sich vorstellen, wie sich seine Welt anfühlen könnte. Wie nimmt ein Tier seine Umgebung wahr? Welche Bedeutung haben Licht, Geräusche, Bewegung, Nähe oder Gefahr aus seiner Perspektive?

Die Tierdarstellungen werden so zu einem Versuch, die eigene menschliche Perspektive für einen Moment zu verlassen. Sie eröffnen einen Perspektivwechsel und stellen zugleich die Frage, wie selbstverständlich wir den Menschen ins Zentrum unserer Welt setzen.

Die Tiere in Unterrainers Arbeiten erscheinen in unterschiedlichen Bildsprachen. Seine farbigen Darstellungen entwickeln eine intensive, nuancenreiche Wirkung. Die hohe Leuchtkraft der Farben erzeugt eine eigene Atmosphäre und lässt die Figuren zwischen Natur, Fantasie und urbaner Wirklichkeit erscheinen.

Die Tiere stehen dabei nicht losgelöst von ihrer Umgebung. Sie tragen Spuren einer Welt in sich, die zunehmend durch den Menschen geprägt wird. Urbane Einflüsse, grafische Zeichen und künstlich anmutende Farbwelten treffen auf organische Formen. Aus dieser Verbindung entsteht eine Spannung zwischen ursprünglicher Lebendigkeit und einer zunehmend künstlich gestalteten Umwelt.

Die Farbe wird zu einem eigenständigen Ausdrucksmittel. Sie schafft emotionale Tiefe, lässt unterschiedliche Bedeutungsebenen entstehen und verleiht den Figuren eine starke Präsenz. Die Tiere werden zu Trägern von Stimmungen und Empfindungen, die über ihre bloße Darstellung hinausgehen. Einen bewussten Gegenpol bilden Unterrainers Schwarz-Weiß-Arbeiten. Hier stehen klare Kontraste, Linien und Konturen im Vordergrund. Die Bildsprache wirkt unmittelbarer und konzentriert sich stärker auf Form, Ausdruck und Haltung.

Im Zentrum der Ausstellung TOUCHED stehen Tiere, die Sebastian Unterrainer aus Finger- und Handabdrücken entwickelt. Jeder Abdruck ist eine unmittelbare Spur des Menschen – individuell, körperlich und nicht reproduzierbar. Aus diesen Spuren entstehen Tierfiguren, die sich zwischen Natur, Mensch und urbaner Welt bewegen. Die Technik wird dabei selbst zum Inhalt: Der Künstler versucht, sich der ursprünglichen Wahrnehmung des Tieres anzunähern und hinterlässt dabei zugleich seine eigene menschliche Spur. Der Fingerabdruck steht für Berührung, Identität und Nähe, aber auch für den Einfluss des Menschen auf seine Umwelt. So erhält der Titel TOUCHED eine doppelte Bedeutung: Die Tiere werden vom Menschen berührt – und berühren ihrerseits den Betrachter.

TOUCHED – Sebastian Unterrainer zeigt seine Tierwelten in der Fabrik der Künste in Hamburg

Künstler-Vita

 Sebastian Unterrainer, geboren 1983 in Trier, lebt und arbeitet in Hamburg. Er ist Maler, Zeichner, Grafiker und Songwriter. Unterrainer studierte Bildende Kunst und Biologie. Die Verbindung von Kunst und Naturwissenschaft prägt bis heute seine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch, Tier und Umwelt. Seit über einem Jahrzehnt arbeitet er als Kunstlehrer an einer Hamburger Schule.

Seine künstlerische Arbeit verbindet gesellschaftliche Reflexion mit einer eigenständigen, oftmals spielerischen Bildsprache. Im Mittelpunkt stehen Themen wie das Verhältnis von Mensch und Tier, Natur, Urbanität und soziale Verantwortung. In Werkserien wie URBAN ZOO, Humanimals, Visitors, Voyage en Vinyl und Babylon 2.0 entwickelt er Bildwelten, in denen figurative Motive, grafische Elemente und urbane Einflüsse aufeinandertreffen.

Seit 2007 präsentiert Unterrainer seine Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. Zu seinen Ausstellungsstationen zählen unter anderem die Millerntor Gallery und die Fabrik der Künste in Hamburg sowie zahlreiche Ausstellungen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Luxemburg und Australien. 2024 präsentierte er in der Fabrik der Künste die Ausstellung HUMANIMAL. 2026 folgten weitere Ausstellungsprojekte, darunter eine Ausstellung in der Galerie 21 in Güstrow sowie die Beteiligung an der Ausstellung „Systemfehler Mensch?“ im Kunsthaus Hamburg.

 

Weitere Infos zur Ausstellung:

 Fabrik der Künste

TOUCHED

Vernissage Donnerstag, den 15. Oktober 2026 ab 18 Uhr

Einführungsrede: Martin Tschechne (Journalist und Publizist)

Live-Musik ab 19:30 Uhr von Harbour Violet

Midissage Sonntag, 01. November 2026 ab 14 Uhr

Kinderkonzert mit Sebó und Kindermalen

Finissage Sonntag, 15. November 2026

Ausstellung vom 16. Oktober bis 15. November 2026

Öffnungszeiten Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Der Künstler ist während der Öffnungszeiten anwesend.

https://www.fabrikderkuenste.de/exhibition/touched

Über Marc Peschke 51 Artikel
Marc Peschke, 1970 geboren, Kunsthistoriker, Texter, Kulturjournalist und Künstler, lebt in Wertheim am Main, Wiesbaden und Hamburg. Er hat in Mainz Kunstgeschichte, Komparatistik und Ethnologie studiert. Seitdem schreibt der gebürtige Offenbacher unter anderem über Bildende Kunst, Fotografie, Fotokunst und Popmusik. Gelegentlich arbeitet er auch als freier Kurator, war Mitinhaber und Mitbegründer der Fotokunst-Galerie KUNSTADAPTER in Wiesbaden und Frankfurt am Main – sowie der Kultur-Bar WAKKER in Wiesbaden. In Wertheim am Main ist er Kurator des exklusiven Kunstraum ATELIER SCHWAB. Seit 2008 zahlreiche eigene Ausstellungen im In- und Ausland. Marc Peschkes künstlerische Arbeiten entstehen zumeist auf seinen zahlreichen Reisen und sind in verschiedenen nationalen und internationalen Sammlungen vertreten. Seit 2020 ist Marc Peschke unter dem Namen MASCHERA auch wieder als Musiker aktiv. Im Jahr 2022 wird er kuratorisch die Wiesbadener Fototage unterstützen. www.marcpeschke.de