Forschungsgruppe Wahlen: 51 Prozent der muslimischen Befragten wählten in Berlin die Linke

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Nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl wurde besonders über das Wahlverhalten muslimischer Berliner diskutiert. Eine Befragung der Forschungsgruppe Wahlen sah die Linke in dieser Gruppe bei 51 Prozent. Die Zahl beschreibt eine Stichprobe und erlaubt keine Aussage über ein einheitliches politisches Milieu.

Linke gewinnt deutlich in einer Teilgruppe

Die Linke erreichte bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl insgesamt 25,7 Prozent und wurde stärkste Kraft. In einer Nachwahlbefragung der Forschungsgruppe Wahlen gaben 51 Prozent der muslimischen Befragten an, die Linke gewählt zu haben. Der Anteil lag damit deutlich über dem Gesamtergebnis. Die Zahl wurde nach der Wahl in mehreren Medien aufgegriffen.

Solche Auswertungen beruhen auf Befragungen und nicht auf amtlichen Stimmzetteln. Die Religionszugehörigkeit wird bei Wahlen nicht registriert. Aussagen über muslimische Wähler sind daher Schätzungen auf Basis einer Stichprobe und unterliegen größeren Unsicherheiten als das amtliche Gesamtergebnis. Hinzu kommt, dass Muslime in Berlin sozial, ethnisch, religiös und politisch sehr unterschiedlich sind.

Junge Wähler als zweite starke Gruppe

Der hohe Wert überschneidet sich mit einem zweiten auffälligen Muster. Die Linke schnitt bei jungen Menschen besonders stark ab. Unter Frauen unter 30 Jahren erreichte sie nach Angaben der Forschungsgruppe Wahlen 54 Prozent, bei Männern unter 30 Jahren 40 Prozent. Bei den über 60-Jährigen waren es nur 13 Prozent. Ein Teil der muslimischen Wählerschaft gehört zugleich zu jüngeren Altersgruppen, weshalb beide Merkmale nicht getrennt voneinander interpretiert werden können.

Der Bericht über junge Berlinerinnen und die Linke beschreibt diesen Altersunterschied. Hinzu kommen politische Themen wie Mieten, soziale Sicherung, Bildung, Migration und der Nahostkonflikt. Welche dieser Fragen für den einzelnen Wähler ausschlaggebend war, lässt sich aus der Religionszugehörigkeit nicht ableiten.

Einbürgerung verändert die Wählerschaft langfristig

Nach der Wahl wurde auch über den Zusammenhang von Einbürgerung und Wahlverhalten diskutiert. Wer die deutsche Staatsangehörigkeit erhält, besitzt grundsätzlich dieselben politischen Rechte wie andere Staatsbürger. Dass sich die Zusammensetzung der Wählerschaft durch Einbürgerungen verändert, ist eine Folge des Staatsangehörigkeitsrechts. Daraus folgt jedoch kein festes Wahlverhalten neuer Staatsbürger.

Der Beitrag Einbürgerung ist kein Stimmenhandel behandelt diese Frage gesondert. Für die Berliner Wahl lässt sich festhalten, dass die Linke in mehreren jüngeren und urbanen Gruppen überdurchschnittlich stark war. Der 51-Prozent-Wert bei muslimischen Befragten ist ein Teil dieses Befundes, aber keine vollständige Erklärung des Wahlsiegs.

Bundesweite Vergleichszahlen sind nur begrenzt übertragbar

Bei der Bundestagswahl 2025 zeigten Nachwahlbefragungen ebenfalls eine überdurchschnittliche Zustimmung muslimischer Wähler zu linken Parteien. Solche bundesweiten Werte lassen sich aber nicht direkt auf Berlin übertragen. Die Hauptstadt hat eine andere Altersstruktur, andere Herkunftsgruppen und eine besondere lokale Parteienlandschaft. Hinzu kommen landespolitische Themen, die bei einer Bundestagswahl keine gleiche Rolle spielen.

Für die Analyse ist deshalb entscheidend, Religionszugehörigkeit nicht als alleinige Ursache zu behandeln. Viele muslimische Berliner sind zugleich Mieter, Arbeitnehmer, Studierende, Selbstständige oder Rentner. Ihre politischen Entscheidungen können von denselben wirtschaftlichen und sozialen Fragen geprägt sein wie die anderer Wähler. Die 51 Prozent sind eine auffällige statistische Größe, aber keine vollständige Beschreibung einer Bevölkerungsgruppe.