Der Wahlkampf in Rheinland-Pfalz ist kommunikativ ungewöhnlich leise. Das liegt vor allem an den beiden Hauptakteuren: Weder Alexander Schweitzer noch Gordon Schnieder gelten als klassische Wahlkämpfer mit großer Strahlkraft. Beide verfügen über vergleichsweise geringe Bekanntheitswerte, beide sind eher Verwaltungs- als Mobilisierungspolitiker.
Und doch hat einer von ihnen einen klaren Vorteil: den Amtsbonus. Würde der Ministerpräsident direkt gewählt, läge Schweitzer laut Umfragen von Infratest dimap deutlich vorne. 38 Prozent der Befragten würden ihn wählen – nur 21 Prozent Schnieder.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Landesregierung besonders beliebt wäre. Im Gegenteil: Die Bewertungen der Landespolitik fallen erstaunlich zurückhaltend aus. Die SPD erhält für ihre Regierungsarbeit nur leicht positive Noten. Die Koalitionspartner von Bündnis 90/Die Grünen und Freie Demokratische Partei werden sogar deutlich kritischer beurteilt.
Doch auch die Opposition kann aus dieser Skepsis kaum Kapital schlagen. Die Christlich Demokratische Union Deutschlands liegt in den Bewertungen nur knapp im positiven Bereich. Der Eindruck eines politischen Pattzustands drängt sich auf: viel Skepsis – aber wenig Begeisterung für Alternativen.
Das Risiko der kleinen Parteien
Für mehrere kleinere Parteien wird die Wahl damit zur Existenzfrage. Die Grünen bewegen sich stabil bei rund neun Prozent und dürften den Einzug in den Landtag sicher schaffen. Für die FDP hingegen steht deutlich mehr auf dem Spiel: In den Umfragen taucht sie bereits unter „Sonstige“ auf. Sollte sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, würde ihre Regierungsbeteiligung in Mainz enden. Und der Ruf nach personellen Konsequenzen im Bundesvorstand noch größer werden.
Besonders interessant ist der Blick auf zwei andere Parteien. Die Die Linke könnte erstmals den Sprung in den rheinland-pfälzischen Landtag schaffen. Die Freie Wähler kämpfen dagegen um den erneuten Einzug.
Für sie ist diese Wahl ein strategischer Lackmustest. Die Partei um ihren Bundesvorsitzenden Hubert Aiwanger hat bislang vor allem in Bayern nachhaltige Erfolge erzielt. Gelingt der Wiedereinzug in Rheinland-Pfalz, wäre das ein wichtiges Signal für ihre bundespolitische Ambition, auch außerhalb des bayerischen Kernlands parlamentarisch dauerhaft relevant zu sein.
Bemerkenswert ist allerdings, dass Aiwanger im rheinland-pfälzischen Wahlkampf bislang nicht sichtbar ist. Stattdessen trat sogar Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zur Unterstützung der CDU auf – ein ungewöhnlicher Kontrast.
Die AfD und der gedeckelte Protest
Die Alternative für Deutschland liegt derzeit bei rund 19 Prozent. Damit verbessert sie sich zwar deutlich gegenüber der letzten Landtagswahl, doch ihr Wachstum scheint aktuell begrenzt.
Das hat unmittelbare Folgen für die Regierungsbildung. Rein rechnerisch spricht vieles für eine große Koalition aus CDU und SPD.
Damit verschiebt sich die zentrale Machtfrage dieses Wahlkampfs. Es geht weniger darum, ob beide Parteien gemeinsam regieren könnten – sondern wer am Ende den Ministerpräsidenten stellt.
Ein Wahlkampf ohne Feindbilder
Diese Perspektive prägt auch den Ton der Kampagne. Das Duell zwischen Schnieder und Schweitzer blieb bislang auffallend höflich. Persönliche Angriffe oder harte Polarisierung sind selten.
Die strategische Logik dahinter ist offensichtlich. Beide Kandidaten wissen, dass sie wenige Wochen nach der Wahl möglicherweise gemeinsam am Kabinettstisch sitzen könnten.
Die entscheidende Frage der letzten Wahlkampfwoche lautet daher: Entwickelt sich noch ein echtes „Horse Race“? Ein solches Kopf-an-Kopf-Rennen könnte taktisches Wählen auslösen – und kleinere Parteien massiv unter Druck setzen. Ein ähnlicher Effekt war zuletzt bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg zu beobachten.
Ob sich eine solche Dynamik wiederholt, ist jedoch offen. Denn eines unterscheidet den rheinland-pfälzischen Wahlkampf von anderen. Alexander Schweitzer ist kein politischer Mobilisierer wie Cem Özdemir.
Und genau deshalb könnte am Ende weniger die Kampagne entscheiden – als die politische Trägheit eines Landes, das seit mehr als drei Jahrzehnten von einer Partei geprägt wird.

