Die bayerische Wirtschaft zeigt wieder eine Aufwärtsbewegung, sie verlässt ihr Dauertief aber nur langsam. Der BIHK-Konjunkturindex holt den im Frühjahr mit dem Beginn des Iran-Kriegs verzeichneten Rückgang wieder auf und legt um vier Punkte auf 105 Zähler zu. Der Index erreicht aber nur den Stand vom Herbst 2025 und bleibt weiter unter dem langjährigen Durchschnitt von 111 Punkten. Spürbar über diesem Wert lag der Index zuletzt zu Jahresbeginn 2022. An der aktuellen Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) haben sich 3.200 Unternehmen aus allen Wirtschaftszweigen beteiligt.
Betriebe zögern weiter bei Investitionen und streichen Jobs
„Die Talsohle scheint durchschritten. Von einem echten Aufschwung kann aber keine Rede sein“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage zwar wieder etwas besser. Gleichzeitig fehlen aber Reformen und dadurch ausgelöste Investitionen, die für eine dauerhafte wirtschaftliche Dynamik notwendig wären“, so Gößl.
Geschäftslage verbessert sich
Die Geschäftslage der bayerischen Unternehmen hat sich aufgehellt. Der Saldo aus guten und schlechten Lageurteilen steigt auf 14 Punkte und gewinnt damit sowohl gegenüber dem Frühjahr als auch gegenüber dem Herbst 2025 jeweils fünf Zähler. Er liegt aber weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt von 17 Punkten.
Für Rückenwind sorgen vorübergehend die schuldenfinanzierten Staatsausgaben sowie eine leichte Belebung der Auslandsnachfrage.
Erwartungen bleiben gedämpft
Die Geschäftserwartungen fallen zwar etwas weniger pessimistisch aus als noch im Frühjahr, bleiben aber insgesamt schwach. Der Erwartungssaldo steigt um drei Zähler auf minus drei Punkte und liegt damit sogar unter dem Niveau des Herbstes 2025. Seit nahezu fünf Jahren unterschreiten die Erwartungen den langjährigen Durchschnitt von sieben Punkten.
Investitionsschwäche trotz besserer Geschäfte / Stellenabbau setzt sich fort
Besonders kritisch sehen zwei Drittel der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Die Unzufriedenheit erreicht damit einen neuen Höchststand. Trotz der verbesserten Geschäftslage bleiben die Inlandsinvestitionen daher außergewöhnlich schwach. In der Industrie nimmt die Bereitschaft zu Investitionen am heimischen Standort sogar weiter ab, während Investitionen im Ausland deutlich zulegen. Auch am Arbeitsmarkt gibt es keine Trendwende. Der Beschäftigungsabbau in der bayerischen Wirtschaft hält an, wenngleich sich die Dynamik zuletzt etwas verlangsamt hat.
Vertrauen in den Standort stärken / Einjährige Bürokratiepause gefordert
„Die Unternehmen spüren einen Aufwind, investieren aber nicht. Das ist ein Warnsignal für den Standort“, so BIHK-Präsident Peter Inselkammer. „Die Rekordunzufriedenheit mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zeigt, dass Wachstum und Investitionen weiter durch strukturelle Probleme gebremst werden. Die Unternehmen leiden unter hohen Arbeitskosten, steigenden Energiepreisen und einer immer größeren Regulierungsdichte“, so Inselkammer.
Damit aus der derzeitigen Stabilisierung ein echter Aufschwung werden kann, sei ein entschlossener Reformkurs dringend notwendig. Der BIHK fordert bei den Lohnnebenkosten einen Deckel der Sozialversicherungsbeiträge bei 40 Prozent, Entlastung bei den Energiekosten sowie eine konsequente Entbürokratisierung auf nationaler und europäischer Ebene. Als Sofortmaßnahme sei eine mindestens einjährige Bürokratiepause nötig, die zum Vereinfachen und Streichen vorhandener Regularien genutzt werden sollte. Gleichzeitig müsse die Politik die öffentlichen Finanzen auf eine tragfähige Grundlage stellen, staatliche Mittel effizienter einsetzen und die zusätzlichen Schulden gezielt für Wachstum und Zukunftsinvestitionen verwenden.
