Christian Sünderwald: Verlassene Orte in Mitteldeutschland

lost places dorf immerath verlassen verlassene orte, Quelle: Tama66 Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Christian Sünderwald: Verlassene Orte in Mitteldeutschland. Faszination Industriekultur, Sutton Verlag, Erfurt 2020, ISBN: 978-3-96303-245-5, 29,99 EURO (D)

In diesem Bildband zeigt der Fotograf Christian Sünderwald beeindruckende Industriebauten in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen, die sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in geheimnisvolle Lost Places verwandelt haben.

In der Einleitung geht Sünderwald auf den Wandel in der Industrie und Wirtschaft, die Hinterlassenschaften der Montanindustrie, verlassene Industrieanlagen allgemein und deren Ästhetik ein.

Danach folgen Bilder von verlassenen Industriekulturen mit Namen und Ort. Dort dokumentieren vier oder fünf großformatige Schwarz-Weiß-Bilder den Zustand von außen und innen. Manchmal werden Details gezeigt, die Aufnahmen sind aus verschiedenen Blickwinkeln gemacht. Die Bilder sind durch Hell-Dunkel-Kontraste und dem Spiel mit dem Licht gekennzeichnet, sie vermitteln eine geheimnisvolle, historische Aura.

In einem kleinen Text wird auf die ehemalige Bedeutung der Industrieanlage, den Zeitpunkt der Eröffnung und der Schließung sowie auf historische Entwicklungen eingegangen.

Dies ist zum Beispiel das Alte Mühlenwerk in Bad Lausick, das vom Kaiserreich bis kurz nach der Wende unter verschiedenen Namen existierte. Oder die frühere Werkmaschinenfabrik in Chemnitz, die im Zuge der Privatisierung durch die Treuhand aufgegeben wurde. Interessant ist auch das ehemalige Automobilwerk in Eisenach, das in der Weimarer Republik von BMW übernommen wurde, in der DDR verstaatlicht wurde, wo ab 1955 die Marke Wartburg hergestellt wurde. Kurz nach der „Wiedervereinigung“ schließlich wurde es als unrentabel angesehen und geschlossen.

Hier werden verlassene und oft vergessene Orte der Industriekultur in Mitteldeutschland und Ostdeutschland mit einem Blick auf Architekturgeschichte gezeigt. Mit seinen Bildern will Conrad die Geschichte dieser Orte erzählen und ihren aktuellen Zustand dokumentieren. Dabei stehen die Bilder leerer Denkmäler vergangener Zeiten mit einer bizarren Schönheit des Vergänglichen im Mittelpunkt, deren Aussagekraft dazu dienen soll, dem Leser sich emotional und vorstellungsmäßig auf diese Orte einzulassen.

Über Michael Lausberg 412 Artikel
Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.