Goethes Erbe gegen Trumps Drohungen: Warum der Iran mehr ist als eine Landkarte – Ein offener Brief an die Politiker der Welt

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„Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.“
— Johann Wolfgang von Goethe

Ich schreibe Ihnen, um meine tiefe Besorgnis über die jüngsten, erschütternden Drohungen von Donald Trump gegen den Iran zu teilen. Trumps aggressive Rhetorik, den Iran „in die Steinzeit zurückzuversetzen“, zeugt nicht nur von historischer Ignoranz, sondern ist ein direkter Affront gegen das kulturelle Erbe der Menschheit.

Hier prallt ein junges politisches Gebilde auf eine Zivilisation, deren Wurzeln bis in die Morgendämmerung der Geschichte zurückreichen. Der Iran ist kein bloßes Konstrukt auf einer Landkarte; er ist eine über 6.000 Jahre alte Identität. Diese Kulturnation hat Invasionen von Alexander dem Großen bis hin zu Dschingis Khan überdauert und sich immer wieder erhoben. Während die moderne westliche Welt in ihrer heutigen Form noch jung war, wurden im Iran mit Institutionen wie der Akademie von Gondischapur bereits die ersten Universitäten und Krankenhäuser der Welt errichtet.

Trumps eindimensionale Sichtweise verkennt die zivilisatorische Resilienz dieses Volkes. Drei Punkte sind hierbei entscheidend:

  1. Wahlkampfgetriebener Populismus: Diese Drohungen dienen oft nur der Inszenierung hohler Stärke vor radikalen Wählern.
  2. Verkennung der nationalen Kohärenz: Wer von der „Steinzeit“ spricht, ignoriert die Kraft einer Nation, deren Zusammenhalt tiefer reicht als jedes aktuelle Regime. Es ist ein fundamentaler Fehler, das iranische Volk mit seiner jeweiligen politischen Führung gleichzusetzen.
  3. Die Sackgasse der Aggression: Diese Sprache der Gewalt ist ein Zeichen diplomatischer Hilflosigkeit, wenn „maximaler Druck“ nicht zum gewünschten Ziel führt.

Wie tiefgreifend die persische Kultur die Welt bereichert hat, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe. In seinem Meisterwerk, dem „West-östlichen Divan“ – wobei „Divan“ der persische Begriff für eine Gedichtsammlung ist –, setzte er dem persischen Dichter Hafez ein unvergängliches Denkmal. Goethe wählte Hafez als sein geistiges Idol und schuf damit eine zeitlose Brücke zwischen den Kulturen.

Die Geschichte lehrt uns: Zivilisationen gehen nicht durch Drohungen unter. Persönlichkeiten wie Trump kommen und gehen, aber das kulturelle Fundament des Iran bleibt bestehen. Es ist der ewige Kontrast zwischen einer tief verwurzelten Geisteskultur und einer kurzfristigen, oft barbarisch anmutenden Machtpolitik.

Ich appelliere an Sie, die Diplomatie nicht der Rhetorik der Zerstörung zu opfern und die kulturelle Tiefe von Nationen als Brücke, nicht als Zielscheibe zu begreifen.

Über Hossein Zalzadeh 47 Artikel
Hossein Zalzadeh ist Ingenieur, Publizist und politisch Engagierter – ein Mann, der Baustellen in Beton ebenso kennt wie die Bruchstellen von Gesellschaften. Zalzadeh kam Anfang zwanzig zum Studium nach Deutschland, nachdem er zuvor in Teheran als Lehrer und stellvertretender Schulleiter in einer Grundschule tätig gewesen war. Er studierte Bauwesen, Sanierung und Arbeitssicherheit im Bereich Architektur sowie Tropical Water Management an mehreren technischen Hochschulen. An bedeutenden Projekten – darunter der Frankfurter Messeturm – war er maßgeblich beteiligt. Seine beruflichen Stationen führten ihn als Ingenieur auch in verschiedene afrikanische Länder, wo er die großen sozialen Gegensätze und die Armut unserer Welt ebenso kennenlernte wie ihre stillen Uhrmacher – Menschen, die im Verborgenen an einer besseren Zukunft arbeiten. Bereits während des Studiums engagierte er sich hochschulpolitisch – im AStA, im Studierendenparlament sowie auf Bundesebene in der Vereinten Deutschen Studentenschaft (VDS) – und schrieb für studentische Magazine. In diesem Rahmen führte er Gespräche mit Persönlichkeiten wie Willy Brandt und Herta Däubler-Gmelin über die Lage ausländischer Studierender. Seit vielen Jahren kämpft er publizistisch gegen das iranische Regime. Geprägt ist sein Schreiben vom Schicksal seines Bruders – Jurist, Schriftsteller und Journalist –, der vom Regime ermordet wurde. Derzeit schreibt er an seinem Buch Kampf um die Menschlichkeit und Gerechtigkeit – ein Plädoyer für Freiheit, Würde und den Mut, der Unmenschlichkeit zu widersprechen.