Interview mit dem ARD-Vorsitzenden Tom Buhrow

WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLN Tom Buhrow WDR-Intendant und ARD-Vorsitzender (2020) © WDR/Annika Fußwinkel, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im Rahmen einer engen, unternehmensbezogenen Berichterstattung im ARD-/WDR-Zusammenhang bei Nennung "Bild: WDR/Annika Fußwinkel" (S1+), WDR Kommunikation/Redaktion Bild, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildredaktion@wdr.de

die 1950 gegründete „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“ – kurz ARD – besteht aus neun selbstständigen, staatsunabhängigen Landesrundfunkanstalten sowie der Auslandsrundfunkanstalt Deutsche Welle. Seit Januar 2020 führt der Journalist und amtierende WDR-Intendant Tom Buhrow (61) als neuer Vorsitzender die Geschäfte der ARD. Sven Lilienström, Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie, sprach mit dem gebürtigen Troisdorfer über demokratische Werte, die Verpflichtung der öffentlich-rechtlichen Medien in Zeiten der Corona-Krise und die Zukunft des Journalismus in Deutschland.

Das Interview finden Sie hier oder nachfolgend. Ein Pressefoto können Sie hier herunterladen – Credit: WDR/Annika Fußwinkel. Bitte beachten Sie, dass das Interview in Gänze oder in Teilen ausschließlich mit Hinweis und Verlinkung auf die Quelle verwendet werden darf: Initiative Gesichter der Demokratie.

Herr Buhrow, als leidenschaftlicher Journalist mit mehr als 40 Jahren Berufserfahrung möchten wir auch Sie fragen: Welchen Stellenwert haben Demokratie und demokratische Werte für Sie ganz persönlich?

Demokratie und demokratische Werte haben für mich persönlich einen sehr zentralen Stellenwert. Ohne Freiheit ist alles nichts. Und das bedeutet auch, dass es nicht darauf ankommt mit seiner eigenen Meinung Recht zu behalten, sondern vielmehr die Vielfalt der Meinungen zu respektieren.

In Krisenzeiten sehnen sich die Menschen nach Orientierung und verlässlichen Informationen. Erleben die öffentlich-rechtlichen Medien durch die Corona-Pandemie eine „Renaissance“? Was können die Medien aus der Krise lernen?

In Deutschland und auf der gesamten Welt steigt das Bedürfnis sich schnell und verlässlich durch einen vertrauten medialen Begleiter zu informieren. Auch deshalb übernehmen öffentlich-rechtliche Medien in diesen Zeiten eine besonders wichtige Funktion der Versorgung und Verbindung. Wir begleiten die Menschen in dieser schweren Zeit. Wir bringen die Angebote direkt in ihre Wohnzimmer. Es freut uns, dass sich die Menschen durch uns gut versorgt und informiert fühlen. Wir nehmen das auch als Verpflichtung.

In diesen Ereignislagen ist die Tagesschau eine wichtige Informationsquelle: Im Ersten Quartal 2020 schalteten täglich über 12 Millionen Menschen die Tagesschau ein. Hinzu kommen viele weitere Nutzerinnen und Nutzer, die die Tagesschau online über Apps und Mediatheken abrufen. Darüber hinaus fragen viele Sondersendungen wie „ARD extra“ oder auch Politiksendungen extrem nach. Das zeigt, wie groß der Informationshunger ist. Was mich besonders freut: Wir sind auch für die Jüngeren ein wichtiger Begleiter während der Krise. Wir tun unser Bestes sie grundsätzlich für uns zu begeistern – zum Beispiel indem wir ihnen unsere Mediathek nahebringen.

Bezogen auf die Corona-Pandemie sagten Sie: „Wir sehen eine Verpflichtung, den Menschen in dieser Ausnahmesituation zur Seite zu stehen.“ Inwieweit haben die öffentlich-rechtlichen Medien ihr Programm angepasst?

Wir haben die Angebote rund um Corona zum Beispiel am Vormittag ausgeweitet und auf die aktuelle Situation angepasst. In Zeiten, in denen Kitas und Schulen geschlossen sind, hat die ARD ihr Bildungsangebot für Kleinkinder sowie Schülerinnen und Schüler fortlaufend erweitert, um die Zeit zu Hause vor den Bildschirmen und an den Kopfhörern möglichst sinnvoll zu nutzen. Oder nehmen Sie die Kultur: Gerade, wenn Kinos geschlossen sind, Konzerte ausfallen und Publikumsveranstaltungen nicht stattfinden, machen wir den Menschen alternative Angebote von der „Kulturambulanz“ bis hin zu digitalen Konzerten auf „Arte Concert“.

Mit speziellen Service- und Ratgeberformaten bietet die ARD darüber hinaus aktuelle Unterstützung und praktische Hilfe diese Zeit gut zu überstehen. Wir sind für die Menschen da. Wir sind für sie alle da.

Journalismus soll die Wirklichkeit objektiv abbilden. Augenscheinlich fällt es jedoch vielen Menschen schwer – insbesondere in den sozialen Netzwerken – zwischen Meinung und Nachricht zu unterscheiden. Was tun?

Im Journalismus gelten – unabhängig von Ausspielwegen – klare Regeln für Nachrichten und Kommentare. Ein Kommentar gibt eine persönliche Meinung und eine individuelle Sicht auf ein Thema wieder und er ist als solcher gekennzeichnet. Im Netz verschwimmen diese Grenzen oft. Da ist es oft für Userinnen und User schwer, den Überblick zu behalten. Auch deshalb ist es wichtig, dass wir die nachrichtlichen Angebote der ARD möglichst klar und eindeutig kennzeichnen. Mit einem klaren Absender. Denn so können die Menschen einordnen und wissen, das sind Nachrichten von einer unabhängigen Quelle.

Zunehmend werden auch in Deutschland Journalistinnen und Journalisten bedroht. Erleben wir ein Erodieren unserer Wertebasis und brauchen wir eine neue „Respekt-Kultur“ – auch im Umgang mit den Medien?

Wir haben den Anspruch, in unseren Programmen wahrhaftig und fair zu sein. Alle Seiten zu Wort kommen zu lassen. Mit verlässlichen Informationen befähigen wir die Menschen, sich eine Meinung zu bilden und an den Debatten in unserer Gemeinschaft teilzuhaben. Das muss nicht immer allen gefallen, das ist klar. Wenn aber Journalistinnen und Journalisten wegen dieser wichtigen Arbeit bedroht werden, dann sind Grenzen überschritten.

Journalismus im Wandel: Zwischen „Clickbait“ und sorgfältig kuratiertem Inhalt. Wie geht es der Medienbranche heute und was wünschen Sie sich ganz konkret für die Zukunft des Journalismus in Deutschland?

Es ist stürmischer geworden. Das Klima in unserem Land ist gereizter und rauer geworden. Sie merken das, wenn Sie die Themen in der Tagesschau sehen, wenn Sie die Kommentarspalten in sozialen Netzwerken lesen, aber auch morgens beim Bäcker oder im Straßenverkehr. Auseinandersetzungen werden scharf geführt, Werte wie Respekt, Miteinander, Fairness und Wahrhaftigkeit sind ins Wanken geraten. Jetzt muss sich der unabhängige und kritische Journalismus in Deutschland beweisen. Ich wünsche mir eine offene, von Respekt geprägte, differenzierte und auf Fakten basierende öffentliche Debatte. Gegensätzliche Positionen können, müssen mit Leidenschaft ausgetauscht und medial begleitet werden, aber das Ziel sollte immer ein besseres Miteinander sein.

Herr Buhrow, seit Jahresbeginn sind Sie Vorsitzender der ARD. Wie hat sich Ihr Alltag, auch bedingt durch die Corona-Krise, verändert und was haben Sie sich für das Jahr 2020 vorgenommen – beruflich und privat?

Den größten Teil des Tages bin ich mit unseren ARD-Zielen beschäftigt: zu helfen, dass wir in den nächsten Jahren mit dem Rückhalt der Menschen in Deutschland weiter in der Lage sind, gutes Programm für alle zu machen. Dazwischen ist es wichtig, einfach mal Luft zu holen.

Vielen Dank für das Interview Herr Buhrow!

Pressekontakt:

Sven Lilienström
Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie
Broicherdorfstraße 53
41564 Kaarst
Telefon: +49 (0) 2131-5978299
Mobil: +49 (0) 177-3132744
E-Mail: presse@faces-of-democracy.org
Web: www.faces-of-democracy.org

Über die Initiative Gesichter der Demokratie:

Seit Gründung der Initiative Gesichter der Demokratie im Februar 2017 haben bereits mehr als 600.000 Menschen die Selbstverpflichtung zum Schutz und zur Stärkung der demokratisch-zivilgesellschaftlichen Grundwerte unterzeichnet. Mediale Aufmerksamkeit erhält die privat organisierte Initiative durch zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft – darunter der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Norwegens Premierministerin Erna Solberg, die Staatspräsidentin der Republik Estland Kersti Kaljulaid, der Bundesminister des Auswärtigen Heiko Maas, Generalbundesanwalt Dr. Peter Frank und OSZE-Generalsekretär Thomas Greminger. Alle gemeinsam setzen mit ihren persönlichen Statements ein nachhaltiges und öffentlichkeitswirksames Signal für mehr Toleranz, Pluralismus, Diversität und Meinungsfreiheit.

Über die Initiative Gesichter des Friedens:

Die Initiative Gesichter des Friedens wurde im Jahr 2019 als friedensförderndes Äquivalent der Initiative Gesichter der Demokratie gegründet. Unserem Leitmotiv „Sign for Peace and Security!“ entsprechend möchten wir ein Zeichen zum Schutz und zur Stärkung von Frieden, Sicherheit und Stabilität setzen. In der Rubrik Sieben Fragen an stellen wir zudem regelmäßig interessanten Persönlichkeiten sieben Fragen zu den Themen Friedensschaffung und Friedenserhaltung, Sicherheitspolitik sowie Konfliktprävention. Die ersten „Gesichter des Friedens“ sind SIPRI-Direktor Dan Smith, der Vorsitzende der Atlantik-Brücke Sigmar Gabriel, der OSZE-Vorsitzende 2019 und Minister für Auswärtige Angelegenheiten der Slowakei Miroslav Lajčák, der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) Prof. Dr. Volker Perthes und der Stabschef der 69. U-Boot-Brigade der Nordmeerflotte Wassili Archipow.

Die 84 Gesichter der Demokratie in alphabetischer Reihenfolge:

Jean Asselborn, Minister für auswärtige und europäische Angelegenheiten in Luxemburg
Dr. Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC)
Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen
Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Katarina Barley, Spitzenkandidatin der SPD zur Europawahl
Gabriela Cuevas Barron, Präsidentin der Interparlamentarischen Union (IPU)
Dominik Bartsch, Repräsentant des UNHCR in Deutschland
Holger Beeck, Vorstandsvorsitzender McDonald’s Deutschland
Jörg Biallas, Chefredakteur „Das Parlament“ und „Heute im Bundestag“
Stef Blok, Außenminister der Niederlande
Wolfgang Bosbach, CDU-Innenexperte
Dr. Peter Brandt, Historiker und ältester Sohn von Willy Brandt
Michael Bröcker, Chefredakteur der „Rheinischen Post“
Tom Buhrow, Vorsitzender der ARD
Giovanni Buttarelli, EU-Datenschutzbeauftragter
Stephan-Andreas Casdorff, Herausgeber „Der Tagesspiegel“
Dr. Piotr Cywinski, Direktor der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau
Shirin David, YouTube-Star und ehemalige DSDS-Jurorin
Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV)
Dr. Peter Frank, Generalbundesanwalt am Bundesgerichtshof
Leonard Freier, EX-RTL-Bachelor
Fabrice Fries, Präsident der Nachrichtenagentur AFP
Prof. Dr. Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts
Yvonne Gebauer, Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen
Thomas Geisel, Oberbürgermeister der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf
Tom Gerhard, Schauspieler und Kölner Kultkomiker
Kolinda Grabar-Kitarović, Staatspräsidentin der Republik Kroatien
Thomas Greminger, Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
Maria Großbauer, Organisatorin des Wiener Opernballs
Christiane Grün, Managing Director der DACH-Region bei 3M
Dr. John Hamre, Präsident des Center for Strategic and International Studies
John Harris, Co-Founder and Editor-in-Chief of POLITICO
Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt
LTG Ben Hodges, Ehem. Oberbefehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa
Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)
Katrín Jakobsdóttir, Premierministerin der Republik Island
Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der stern-Chefredaktion
Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission
Dr. Bruno Kahl, Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND)
Kersti Kaljulaid, Staatspräsidentin der Republik Estland
Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Daniela Katzenberger, Kultblondine und Doku-Soap-Star
Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)
Dr. Hubertus Kolster, Managing Partner von CMS Deutschland
Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
Annegret Kramp-Karrenbauer, Vorsitzende der CDU Deutschlands
Dr. Norbert Lammert, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung und Bundestagspräsident a.D.
Martina Larkin, Head of Europe and Member of the Executive Committee of the World Economic Forum Davos
Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
Dr. Jürgen Linden, Vorsitzender der Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen
Christian Lindner, Bundesvorsitzender der Freien Demokraten
Christian Lutz, Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn AG
Heiko Maas, Bundesminister des Auswärtigen
Sandra Maischberger, Moderatorin und Fernsehjournalistin
Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland
Prof. Dr. Rudolf Mellinghoff, Präsident des Bundesfinanzhofs
Ralf Martin Meyer, Polizeipräsident der Polizei Hamburg
Clover Moore, Oberbürgermeisterin von Sydney
Benigna Munsi, Nürnberger Christkind 2019/2020
Namika, Sängerin und Songschreiberin
Dr. Irfan Ortac, Vorsitzender des Zentralrats der Jesiden in Deutschland
Boris Palmer, Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen
Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier, Staatsrechtswissenschaftler und ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts
Dr. Ulf Poschardt, Chefredakteur der WELT
Prof. Dr. Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung
Ernst Primosch, Chief Executive Officer von Edelman Deutschland
Q2/Jahrgangsstufe 12 – Albert-Einstein-Gymnasium Kaarst
Alfred Theodor Ritter, Inhaber und Vorsitzender des Beirats der Alfred Ritter GmbH & Co. KG
Dr. Daniel Röder, Gründer Pulse of Europe
Annika Savill, Executive Head of the United Nations Democracy Fund (UNDEF)
Thomas Schnalke, Vorsitzender der Geschäftsführung des Düsseldorf Airport
Olaf Schubert, Comedian und Kabarettist
Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD 2017
Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland
Erna Solberg, Prime Minister of the Kingdom of Norway
Prof. Dr. Anja Steinbeck, Rektorin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Gabor Steingart, Gründer der Media Pioneer Publishing GmbH
Dr. Johannes Teyssen, Vorsitzender des Vorstands der E.ON SE
Pia Tillmann, Schauspielerin und Influencerin
Prof. Dr. Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts
Dagmar Wöhrl, Investorin der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“
Joshua Wong, Gesicht der Demokratiebewegung in Hongkong
Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie