Das Berliner Kupferstichkabinett besitzt eine herausragende Sammlung moderner Kunst wie etwa die Bestände an Werken von Edvard Munch, Käthe Kollwitz oder Ernst Ludwig Kirchner. Kaum bekannt ist, dass auch die Künstler*innen des Blauen Reiters mehr als bemerkenswerte Spuren hinterlassen haben. Erstmalig widmet das Kupferstichkabinett der Kunst des Blauen Reiters daher eine umfassende Ausstellung und stellt die Blaue-Reiter-Bestände des Museums anhand von 90 Werken unter thematischen Aspekten vor. Hinzu kommen ausgewählte Leihgaben aus der Kunstbibliothek, dem Museum Europäischer Kulturen und der Neuen Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin sowie aus Berliner Privatbesitz.
Dass nicht nur die Malerei, sondern auch die Zeichnung und die Druckgraphik im Blauen Reiter eine wichtige Rolle spielten, bezeugt die Anfang 1912 in München eröffnete zweite Ausstellung „Der Blaue Reiter. Schwarz-Weiß“. Hier nahmen mit André Derain, Natalja Gontscharowa, Michail Larionow, Ernst Ludwig Kirchner oder Emil Nolde Künstler*innen teil, die – im Unterschied etwa zu Gabriele Münter, Alfred Kubin oder Paul Klee – nicht zum engeren Münchner Kreis des Blauen Reiters gehörten.
Dies ist die offizielle Publikation der Ausstellung, die vom 1.3. bis zum 15.6.2025 zu bewundern ist.
Die Publikation besteht sowohl aus Essays und den dazugehörigen Werken, die auch in der Ausstellung vertreten sind. Eingeleitet wird dies von den Verbindungen des Kupferstichkabinetts mit dem Kosmos des Blauen Reiters und die museumseigenen Werke. Kandinskys Abstraktion wird an verschiedenen Holzschnitten analysiert, bevor die Beschäftigung mit Franc Marc im Vordergrund steht. Danach werden Tiere in der Graphik von Marc und Heinrich Campendonk behandelt.
Die so poetische Bild-Korrespondenz zwischen Franz Marc und der Dichterin Else Lasker-Schüler wird danach gewürdigt. Werke aus der Tunesienreise von Franz Marc und die darin enthaltenen Implikationen kommen dann zur Sprache.
Danach gibt es einen Überblick über die Sammlungs- und Verlustgeschichte des Blauen Reiters in der Nationalgalerie. Ein Kapitel erhellt die vielen Facetten der Bildwelt des Almanachs „Der Blaue Reiter“ und der „Schwarz-Weiß“-Ausstellung. Danach werden die oft am Rande stehenden Künstlerinnen im Blauen Reiter wie Gabriele Münter oder Natalja Gontscharowa präsentiert.
Danach geht es um die Berliner Avantgarde-Galerie „Der Sturm“. Sie war 1912
mit einer Ausstellung des Blauen Reiters und von Oskar Kokoschka eröffnet worden. In der gleichnamigen Zeitschrift war Heinrich Campendonk mit Holzschnitten prominent vertreten. Die Verbindung des Blauen Reiters und auch als Wegbereiter von futuristischer Kunst und Dada wird im letzten Kapitel dargestellt.
Hinter allen Essays gibt es ein Literaturverzeichnis und die Anmerkungen. Im Anhang gibt es noch weiterführende Literatur.
Hier wird ein anderer Blick auf die Kunst des Blauen Reiters geboten, nämlich auf Zeichnung und die Druckgraphik. Positiv ist, dass auch Künstlerinnen mehr Gewicht gegeben wird. Die Essays sind zwar kurz, aber haben Substanz und ergänzen dies mit guten Abbildungen. Der einzige Makel ist das spärliche Verzeichnis für weiterführende Literatur, vielleicht hätte auch eine Zeittafel noch ergänzt werden können.
Kupferstichkabinett Staatliche Museen zu Berlin: Kosmos Blauer Reiter. Von Kandinsky bis Campendonk, Deutscher Kunstverlag, Berlin 2025, ISBN: 978-3-422-80308-4, 30 EURO (D)
