„Nichts weniger als die komplette Veränderung der ostdeutschen Medienlandschaft ist möglich. Viel Erfolg dabei!“, gratuliert der prominente AFD-Bundestagsabgeordnete Maximiliam Krah auf X der an diesem Wochenende erschienenen „Ostdeutschen Allgemeinen“. Das mag ein wenig weit gegriffen sein, aber Krah trifft durchaus den Punkt: Mit der „Ostdeutschen Allgemeinen“ erhält die AFD bei den für sie so entscheidenden drei ostdeutschen Wahlen dieses Jahres zentrale mediale Unterstützung.
Dabei nimmt Verleger Holger Friedrich (Foto) mit der von ihm gegründeten OA eine sich in den letzten Jahren verdichtende ostdeutsche Grundstimmung auf, wie es bislang keinem anderen Medium trotz manchem Engagements ostdeutscher Journalisten gelungen ist, wenn es denn überhaupt versucht wurde, und leitet sie politisch der AFD zu. Genau darum geht es Krah, wenn er beschwört: „Selten waren mit dem Start einer Zeitung solche Hoffnungen verbunden.“
So überrascht es nicht, dass der wichtigste Text der ersten Ausgabe ein grosses Porträt des AFD-Vorsitzenden Tino Chrupalla ist, das Gegenstück zum hässlichen Miosga-Verhör vor zwei Wochen (https://www.ostdeutscheallgemeine.com/…/tino-chrupalla…), einfühlsam fotografiert vom grossartigen Fotografen Markus Wächter.
Ein echtes Wahlkampf-Stück, das immer mal wieder ins Peinliche abgleitet, wenn der Redakteur zum Beispiel lobt, dass dieser Politiker selbst seine Essens-Bestellungen ohne Aufhebens vornimmt. Sieh mal an. Politik, gar kritische Themen wie die Finanzierung der Familienmitgliedern von AFD Politkern finden nicht statt bei solcher Art von parteipolitisch gefälligem Journalismus.
Die „Familienfinanzierung“ von AFD-Politikern hatte bereits die Politikchefin der ebenfalls von Friedrich heraus gegebenen „Berliner Zeitung“ in einem anrührenden Text unter der Überschrift „Warum sie oft keine andere Möglichkeit sehen“ damit gerechtfertigt, dass AFD-Abgeordnete angegriffen und beleidigt werden: „Personalentscheidungen innerhalb der AfD werden in einem Umfeld getroffen, das von politischer Polarisierung und realen persönlichen Risiken geprägt ist“ (https://www.berliner-zeitung.de/…/afd-politiker…).
Das zweite grosse Thema der OA ist Russland. „Wir besiegen Russland nicht auf dem Schlachtfeld“, titelt die OA ein Interview mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Das sieht Verleger Holger Friedrich genauso. Direkt aus Moskau zurück gekehrt, gibt er der „Welt“, in der nicht nur Elon Musk zur Wahl der AFD aufruft, ein grosses Interview für den Erscheinungstag seines neuen Blattes (https://www.welt.de/…/ostdeutsche-allgemeine-zeitung…).
Dort begleitet er ausführlich die russischen Drohungen, Europa anzugreifen, und erläutert das Verhalten Moskaus verständnisvoll als „Selbstbehauptung“: „Russland wird vom Westen etwas abgesprochen. Diese systematischen Kränkungen führen zu etwas: zur Bereitschaft, in den Konflikt zu gehen – egal zu welchem Preis. Diese Mechanik kann ich als Ostdeutscher gut verstehen“. Darum habe er die OA gegründet. Der Verleger betont, dass Russlands Drohungen Ernst gemeint sind: „Wir haben es euch gesagt, ihr wollt nicht hören – wir bereiten uns darauf vor, dass der nächste große Krieg kommt.“ Das „russische Nationalgefühl“ richte sich „gegen einen gemeinsamen Feind – und der spricht Deutsch“.
Daher bliebe den Deutschen keine andere Wahl, als sich zu verhalten „wie auf dem Schulhof, wenn der andere älter ist, größer ist und vielleicht eher zur Gewaltanwendung neigt.“ Da trifft sich Friedrich wiederum mit Chrupalla, der Sanktionen gegen Russland und Waffenlieferungen an die Ukraine ablehnt. Friedrich betont in der „Welt“: „Ich kenne den Herrn Chrupalla persönlich, ich kenne Herrn Siegmund (den AFD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt) persönlich. Siegmund kommt aus einer kleinen, strukturgebeutelten ostdeutschen Stadt an der Elbe, ist seit 10 Jahren in der Lokalpolitik. Der folgt einem Impuls, irgendwas für seine Leute tun zu wollen. Ich kann da nichts Unanständiges entdecken. Und bei Chrupalla ist es dasselbe.“ Was will die AFD mehr?
Quelle: Facebook
