Papst Benedikt XVI. – Ein mutiger Streiter gegen den Missbrauch

Schweizer Gardist auf dem Petersplatz in Rom, Foto: Stefan Groß

Bei kath.net las ich jetzt, was Franziskus während der fliegenden Pressekonferenz aus Panama kommend wohl sagte:

In dem Zusammenhang würdige Franziskus auch seinen Vorgänger, Benedikt XVI. und lobte seinen Mut. „Man erzählt sich eine Anekdote: er hatte alle Informationen über eine religiöse Kongregation, in der sexuelle und wirtschaftliche Verderbtheit herrschte. Er versuchte, darüber [mit dem damaligen Papst Johannes Paul II.] zu sprechen aber es gab Filter und er konnte nicht an ihn herankommen. Am Ende hat der Papst, der klar sehen wollte, eine Sitzung einberufen und Joseph Ratzinger ist mit all seinen Unterlagen dorthin gegangen. Als er zurückkam, hat er zu seinem Sekretär gesagt: lege das ins Archiv, die andere Seite hat gewonnen. Wir dürfen nicht allzu entrüstet sein darüber, das sind Schritte eines Prozesses. Aber sobald er Papst geworden ist, war das erste, was er gesagt hat: Bring mir das Dossier aus dem Archiv.“

Wer die völlig absurden und bösen Gerüchte im Blick auf die Missbrauchskonferenz demnächst im Vatikan kennt, fragt sich unweigerlich, was denn hinter dieser sogenannten Anekdote steckt und was damit gesagt werden soll. Und: von wem? Aber vor allem: gegen wen?

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendjemand versuchen würde oder könnte, ausgerechnet Johannes Paul II. diesbezüglich – posthum und nachdem er heilig gesprochen wurde – etwas anzuhängen. Dieser Papst war garantiert nicht „die andere Seite“, denn der Jahrhundertpapst und sein oberster Glaubenshüter haben niemals gegeneinander gearbeitet, sondern – nach allem, was mir bekannt ist – ausgesprochen vertrauensvoll und gut miteinander. Beide, der damalige Papst und sein Kardinal, der sein Nachfolger wurde, wollten Klarheit. Also bitte keine Missverständnisse auf Kosten des einen oder anderen!

Und weil mich jetzt schon einige Interessierte angesprochen haben, ob es da wohl einen wesentlichen Dissens zwischen Kardinal Ratzinger und Papst Johannes Paul II. gegeben haben könnte, scheint mir dieser Hinweis wichtig und der Fairness geboten. Und ich bin absolut sicher, dass Franziskus daran auch keinen Zweifel hat und auch keinen Zweifel daran aufkommen lassen würde.

Tags: Papst Benedikt XVI. Missbrauch, Missbrauchsskandal, Papst Franziskus, Kirche, katholische Kirche, Rom, Vatikan

Finanzen

Über Martin Lohmann 44 Artikel
Martin Lohmann studierte Geschichte, Katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften in Bonn. Er war Redakteur der Wochenzeitung "Rheinischer Merkur", Ressortleiter "Christ und Welt", stellv. Chefredakteur des "Rheinischen Merkur", Chefredakteur der Rhein-Zeitung, Moderator der TV-Sendung "Münchner Runde" und war u.a. Chefredakteur des Fernsehsenders K-TV. Er ist Autor zahlreicher Bücher zur Gesellschaftspolitik, Familienpolitik sowie Kirche und Ethik. Martin Lohmann ist Mitglied des Neuen Schülerkreises Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. und Geschäftsführer der Akademie für das Leben gUG Bonn (www.akademiefuerdasleben.de)