R.Matyssek/J. Fromm/H. Rennenberg/A. Roloff: Biologie der Bäume. Von der Zelle bis zur globalen Ebene

Garten, Foto: Stefan Groß

R.Matyssek/J. Fromm/H. Rennenberg/A. Roloff: Biologie der Bäume. Von der Zelle bis zur globalen Ebene, Ulmer UTB, Stuttgart 2010, ISBN: 978-3-8252-8450-3

Dieses Lehrbuch für die Baumbiologie erklärt den Baum von seiner Zellebene bis hin zum Bestand auf globaler Ebene. Dabei wird dem Klimawandel und den ökologischen Veränderungen Rechnung getragen: „Hierfür ist eine Einführung in globale, biogeochemische Stoffkreisläufe ebenso erforderlich wie in intrazelluläre, biochemisch-physiologische Prozesse und morphologisch-anatomische Grundlagen. Besonderer Wert wird auf die Darstellung der Einheit von Struktur und Funktion in der pflanzlichen Physiologie und Ökologie gelegt.“ (S. 8)

Das Buch beginnt mit einem Abkürzungsverzeichnis, weiterführender Literatur und empfohlenen Lehrbüchern zur Allgemeinen Botanik. Dann wird der Aufbau der Zelle und der Zellorganellen, die Zell- und Gewebetypen sowie eine kurze Molekularbiologie der Holzpflanzen vorgestellt. Anschließend geht es um die Organebene: Blatttypen, der Stamm und die Wurzel sowie Früchte, Samen, Blüten und die Keimung werden erläutert.

Dann folgt die nächste größere Ebene der gesamten Pflanze. Dabei kommen die Kronen- und Wurzelarchitektur, die Allokation, die Allometrie, die Prinzipien der Baumontogenese, deren Stressreaktionen und die vegetative Vermehrung zur Sprache. Der Bereich der Ökonomie wird auch angesprochen, vor allem der Langstreckentransport von Bäumen nach der Abholzung. Die Bestands- und Ökosystemebene ist anschließend das Thema. Die Transpiration und Wasserbilanz auf Systemebene, die Ökosystemproduktivität und die Stoffflüsse auf Systemebene werden dabei angesprochen. Die Bedeutung der Holzpflanzen für die globale Ebene, vor allem als Kohlenstoffspeicher, wird dann präsentiert. Wie sich der Klimawandel und die zunehmende Abholzung von Regenwäldern auf das Klima insgesamt auswirken, wird anhand des Kyoto-Protokolls nachgezeichnet. In einem kurzen Fazit folgt eine Zusammenfassung, die zeigt, welchen Nutzen Bäume und Wälder für uns Menschen und das gesamte Ökosystem haben. Im Anhang findet sich noch ein Sachregister zum schnellen Nachschlagen von wichtigen Begriffen.

Die Zielgruppe dieses Buches sind Bachelor- und Master-Studenten aus den Bereichen Biologie, Pflanzenökologie, Forst- und Agrarwissenschaften, Landschaftsökologen, Dozenten, Lehrer, Baumpfleger, Stadt- und Landschaftsplaner und ökologisch Interessierte.

Vom weltweit in der Vegetation gespeicherten Kohlenstoff sind ca. 75% in Bäumen und Waldbeständen gebunden. Allein im tropischen Regenwald und in den Nadelwäldern der nördlichen Hemisphäre sind insgesamt 50% gebunden. Daher wäre es spannend gewesen zu erfahren, welche Projekte in der Gegenwart und Zukunft helfen würden, den Wald als solchen zu erhalten. Nur vom Kyoto-Protokoll auszugehen, ist zu abstrakt. Sonst lässt das Lehrbuch auch wegen den zahlreichen Abbildungen keine Wünsche offen und ist weiter zu empfehlen.

 

Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.