Söder, von der Leyen, Wadephul und Rutte: Europa rüstet auf – Transatlantik-Treffen in München setzt klares Signal

Johann Wadephul, Bundesaußenminister, Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, und Mark Rutte, NATO-Generalsekretär (v. l. nach r.), Foto: Dr. Dr. Stefan Groß-Lobkowicz

Beim Transatlantischen Forum der CSU verdichtete sich noch vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz die strategische Debatte Europas. Führende Vertreter aus EU, NATO und Bundesregierung betonten mehr sicherheitspolitische Eigenständigkeit bei gleichzeitiger Bindung an das transatlantische Bündnis. Im Mittelpunkt standen Verteidigungsfähigkeit, industrielle Souveränität und die fortgesetzte Unterstützung der Ukraine. Europa positionierte sich damit als aktiver Gestalter einer neuen sicherheitspolitischen Ordnung. Ein Beitrag von Stefan Groß-Lobkowicz

Noch bevor im Bayerischen Hof die erste Sitzung der Münchner Sicherheitskonferenz begann, verdichtete sich im Rahmen des Transatlantischen Forums der Christlich-Soziale Union in Bayern bereits jenes Thema, das die kommenden Tage bestimmen sollte: Europas strategische Selbstverortung zwischen Bündnistreue und wachsender Eigenverantwortung.

Nicht die Chronologie der Redebeiträge prägte den Vormittag, sondern eine gemeinsame Grundlinie. Europa verstand sich nicht länger als sicherheitspolitischer Juniorpartner, sondern als Akteur mit eigenem Gestaltungsanspruch.

Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaats Bayern und Parteivorsitzender der CSU (Markus Söder), stellte diesen Anspruch in einen transatlantischen Rahmen. Spannungen mit den Vereinigten Staaten, so seine Einordnung, bedeuteten keine Abkehr vom Bündnis, sondern seien Ausdruck einer Phase politischer Neujustierung. Europa müsse Geschlossenheit zeigen – institutionell wie strategisch. Bayern wolle sich dabei nicht auf die Rolle eines Beobachters beschränken. Mit einem landeseigenen Gesetz zur Förderung der Verteidigungsindustrie beanspruchte der Freistaat eine aktive Funktion im Ausbau der deutschen Sicherheitsarchitektur.

Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission (Ursula von der Leyen), verschob den Fokus auf die strukturelle Dimension. Transatlantische Partnerschaft bleibe Grundpfeiler europäischer Sicherheit, doch ihre Stabilität setze eine handlungsfähige Europäische Union voraus. Ein gestärktes Europa, so ihre Argumentation, erhöhe die Schlagkraft der NATO. Die von der EU mobilisierten Finanzmittel für Verteidigung überträfen frühere Anstrengungen deutlich. Dabei gehe es nicht nur um militärische Systeme, sondern um industrielle Wertschöpfung, technologische Innovation und strategische Resilienz innerhalb Europas.

Mark Rutte, Generalsekretär der NATO (Mark Rutte), beschrieb die Lage aus bündnispolitischer Perspektive. In Europa habe ein sicherheitspolitisches Umdenken eingesetzt, das sich in steigenden Verteidigungszusagen niederschlage. Deutschland komme hierbei eine besondere Verantwortung zu. Hinsichtlich des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine verwies er auf die hohen personellen Verluste Russlands und unterstrich die Notwendigkeit fortgesetzter Unterstützung für Kiew. Ausdauer bleibe ein strategischer Faktor.

Johann Wadephul, Bundesaußenminister der Bundesrepublik Deutschland (Johann Wadephul), formulierte daraus eine politische Schlussfolgerung. Europa befinde sich in einer Phase sicherheitspolitischer Neuausrichtung, die sich bereits in konkreten Zielvorgaben zeige – etwa in der Bereitschaft, höhere Verteidigungsquoten im Bündnisrahmen zu erfüllen. Deutschland wolle darüber hinaus Verantwortung in geopolitisch sensiblen Räumen wie der Arktis übernehmen und seine Rolle als zentraler Unterstützer der Ukraine fortführen.

So entstand noch vor dem offiziellen Konferenzbeginn ein konsistentes Bild: Europa suchte nicht die Abkehr vom transatlantischen Bündnis, sondern dessen Neujustierung unter veränderten globalen Bedingungen. Das Transatlantische Forum wurde damit weniger zu einer Vorveranstaltung als zu einem programmatischen Auftakt – sachlich im Ton, strategisch in der Zielrichtung.

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Dr. Dr. Stefan Groß-Lobkowicz, Magister und DEA-Master (* 5. Februar 1972 in Jena) ist ein deutscher Philosoph, Journalist, Publizist und Herausgeber. Er war von 2017 bis 2022 Chefredakteur des Debattenmagazins The European. Davor war er stellvertretender Chefredakteur und bis 2022 Chefredakteur des Kulturmagazins „Die Gazette“. Davor arbeitete er als Chef vom Dienst für die WEIMER MEDIA GROUP. Groß studierte Philosophie, Theologie und Kunstgeschichte in Jena und München. Seit 1992 ist er Chefredakteur, Herausgeber und Publizist der von ihm mitbegründeten TABVLA RASA, Jenenser Zeitschrift für kritisches Denken. An der Friedrich-Schiller-Universität Jena arbeitete und dozierte er ab 1993 zunächst in Praktischer und ab 2002 in Antiker Philosophie. Dort promovierte er 2002 mit einer Arbeit zu Karl Christian Friedrich Krause (erschienen 2002 und 2007), in der Groß das Verhältnis von Metaphysik und Transzendentalphilosophie kritisch konstruiert. Eine zweite Promotion folgte an der "Universidad Pontificia Comillas" in Madrid. Groß ist Stiftungsrat und Pressesprecher der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung. Er ist Mitglied der Europäischen Bewegung Deutschland Bayerns, Geschäftsführer und Pressesprecher. Er war Pressesprecher des Zentrums für Arbeitnehmerfragen in Bayern (EZAB Bayern). Seit November 2021 ist er Mitglied der Päpstlichen Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice. Ein Teil seiner Aufsätze beschäftigt sich mit kunstästhetischen Reflexionen und einer epistemologischen Bezugnahme auf Wolfgang Cramers rationalistische Metaphysik. Von August 2005 bis September 2006 war er Ressortleiter für Cicero. Groß-Lobkowicz ist Autor mehrerer Bücher und schreibt u.a. für den "Focus", die "Tagespost".