- Ausbildungszahlen in Bund und Freistaat branchenübergreifend leicht rückläufig
- Ausbildungsverträge in der bayerischen M+E Industrie gingen 2025 um 10,9 Prozent zurück – Prognose für 2026: Minus acht Prozent
- Übernahmesituation bleibt weiter auf hohem Niveau
- Praktikumsangebot stabil – Gewinnung von Nachwuchskräften bleibt wichtige Zukunftsaufgabe
Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Bund und Freistaat ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr branchenübergreifend leicht gesunken. Mit 13.398 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen verzeichnete die bayerische Metall- und Elektroindustrie als Schlüsselbranche in Bayern einen deutlichen Rückgang um 10,9 Prozent. Die Prognose für 2026 sieht mit einem erwarteten Minus von acht Prozent ebenfalls negativ aus. Geschuldet ist die Entwicklung in den Unternehmen der angespannten wirtschaftlichen Lage und den strukturellen Problemen am Standort. Diese hinterlassen inzwischen auch am sonst so stabilen Ausbildungsmarkt und insbesondere in der M+E Industrie ihre Spuren. Ein weiterer Grund für den Rückgang ist und bleibt der Bewerbermangel. Das geht aus der aktuellen Frühjahrsumfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm zur Ausbildungslage in den Mitgliedsunternehmen hervor.
bayme vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt erläutert die Umfrageergebnisse: „Das hohe Niveau aus den Vorjahren konnte 2025 nicht gehalten werden. Trotz der zurückgehenden abgeschlossenen Ausbildungsverträge haben Jugendliche im Freistaat aber weiter gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. So stehen jeder Bewerberin und jedem Bewerber in Bayern branchenübergreifend momentan etwa 1,5 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Die Lage bleibt jedoch angespannt. Die Unsicherheiten durch den Iran-Konflikt und die US-Zollpolitik dämpfen die Stimmung erneut. Wäre die wirtschaftliche Lage besser, würden die Unternehmen insbesondere im M+E Bereich mehr ausbilden. So geben derzeit 39 Prozent der Unternehmen an, dass sich die Standortprobleme auf die Ausbildungssituation auswirken. Dieser Wert hat sich seit dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung jetzt endlich für mehr Planungssicherheit sorgt. Wir brauchen einen Wirtschaftsumschwung mit echten Reformen. Gelingt dies, könnten auch die Ausbildungszahlen wieder steigen.“
Neben der wirtschaftlichen Lage bleibt die Suche nach passenden Azubis für die M+E Unternehmen bei der Besetzung ihrer offenen Ausbildungsplätze mittel- und langfristig eine zentrale Herausforderung. Von den Betrieben, die einen Rückgang verzeichnen, nannte mit 49,4 Prozent weiterhin die Mehrheit das Fehlen geeigneter Bewerberinnen und Bewerber als stärkste Ursache für den Rückgang an abgeschlossenen Verträgen, 48,1 Prozent gaben an, dass zu wenig Bewerbungen eingingen. Brossardt ergänzt: „Das Matching zwischen Unternehmen und Azubis bleibt eine Herausforderung. Finden die Jugendlichen aber ihren Weg in die Betriebe und schließen dort ihre Ausbildung erfolgreich ab, warten auf sie dort sichere und gute Zukunftsperspektiven.“
So bleibt die Übernahmesituation in der bayerischen M+E Industrie ungeachtet der äußeren Umstände weiter gut. Im vergangenen Jahr wurden 89,2 Prozent der Azubis befristet oder unbefristet übernommen. Erfolgte keine Übernahme, geschah dies meist auf Wunsch des Azubis. Für 2026 verbessert sich die Übernahmequote noch einmal voraussichtlich auf knapp 93 Prozent. Brossardt macht klar: „Der hohe Übernahmewille zeigt das Interesse der Unternehmen, ihre ausgelernten Azubis langfristig an sich zu binden. Gleichzeitig bemühen sie sich auch weiterhin, die Azubis früh auf sich aufmerksam zu machen und für eine Ausbildung zu begeistern. So geben 94,3 Prozent der befragten Unternehmen an, ihr Praktikumsangebot auch 2026 stabil halten zu wollen.“
Die Vergütung in der bayerischen M+E Industrie ist für Jugendliche traditionell sehr attraktiv. Das Durchschnittsgehalt über alle Ausbildungsjahre hinweg ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt seit dem 01. Januar 2025 bei 1.347 Euro. Zum 01. April 2026 steigt das Gehalt noch einmal auf durchschnittlich 1.389 Euro an. Brossardt fasst zusammen: „Langfristig bleibt die Nachwuchsgewinnung für die Unternehmen eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben. Gleichzeitig bleibt das Gelingen der Transformation eine Herausforderung und der Arbeitsmarkt befindet sich im Wandel. Darum kommt Künstliche Intelligenz auch in der Ausbildung immer mehr zum Einsatz. Das bestätigt mit 35,6 Prozent inzwischen über ein Drittel der befragten Unternehmen. Insgesamt 71,2 Prozent der Azubis lernen in einem dieser Betriebe. Die Firmen wissen, dass die Ausbildung den Grundstein legt, um den Jugendlichen den Umgang mit digitalen Inhalten als Schlüsselkompetenz am Arbeitsmarkt der Zukunft zu vermitteln.“
