250 Jahre J. J. Winckelmann – Ein gigantisches Erbe aufgefächert in einem brillianten Symposium am 8. und 9. November 2018

Start des Symposiums mit einem Besuch der Walhalla (C) OMNIS TERRA MEDIA

Regensburg am Scheideweg

Wenn Professor Prof. Dr. Sigmund Bonk auf eine der ersten Büsten in der Walhalla deutet, dann offenbart sich  mit Johann Joachim Winckelmann ein Universum, das mit seiner geistig-wissenschaftlichen Lebendigkeit ein Spiegelbild unserer nach Erkenntnis strebenden Wissenschaften, Künste, des Lebens insgesamt ist.

Prof. Dr. Sigmund Bonk
(C) OMNIS TERRA MEDIA

Seine Maxime „Edle Einfalt – stille Grösse“ zieht sich wie ein klassisch gewebtes Muster durch das Regensburger Symposium „Johann Joachim Winckelmann (1717 -1768) und Bayern – eine europäische Dimension“, das mit 80 Gästen am 8. und 9.Nobember einen sehr regen Zuspruch gefunden hatte. Was das Team Dr. Edith Heindl und Dr. Susanne Biber mit dem Albertus Magnus Forum an Wissensschätzen via Experten- Vorträgen, Texten und Bildern vermittelt, lässt einem die bedeutende Wirkungsgeschichte einer genialen Persönlichkeit nachempfinden und mehr und mehr verstehen. So taucht man ein in eine grandiose Welt, die seit Hunderten von Jahren unser Denken und Handeln prägt: die Klassik in ihrer zeitlosen Dynamik. Winckelmanns Verdienst ist es, das Antikenbild somit zu revolutionieren und in der Kunstgeschichte wissenschaftlich zu begründen. Somit gab er entscheidende Impulse zur Erneuerung der Rezeptionsgeschichte. Denn die Nachahmung klassischer Vorbilder, indem das Wahre, Gute und Schöne als Idealbild der Gesellschaft postuliert wird, prägen die neue Epoche des Klassizismus. Kreative Schaffensprozesse und deren ästhetische Leitbilder emotional zu erleben, lassen das Gedankengut der Antike wieder auferstehen. Im Mittelpunkt stand hier die Laokoongruppe und deren Interpretationen.

König Ludwig I. versteht es sehr wohl, Winckelmanns Ideen konkret umzusetzen, ob mit den Bauten rund um den Königsplatz in München, in Aschaffenburg oder mit der Walhalla und Befreiungshalle:

„Es lebe die Kunst, es leben die Künstler!“ Warum so manche der Antikenerwerbungen in Bayern ohne Einfluß von Winckelmann nicht denkbar wären, haben die Vorträge eindrücklich herausgestellt.
J.J. Winckelmann selbst schätzte als Archäologe und Schriftsteller die Freiheit, „ohne Mühlräder um den Hals“. Er genoß die deutsche Künstlerkolonie, die ihn in Rom freudig aufgenommen hatte. Als Reisender zwischen zwei Welten fand er unter den christlich geprägten Nazarenern einen Gegenpol zu seiner eigenen Zerrissenheit. Deutschland blieb ihm wesensfremd. Im Jahre 1768 war er in einem unkalkulierbarem Gesundheitszustand. Es war die Stadt Regensburg, in der er die Deutschlandreise abbrach. „Alles ist nichts gegen Rom“. Doch seine Traumstadt erreicht er nicht mehr. In Triest wird er ausgeraubt und ermordet.

Was mit der diesjährigen Koinzidenz des 250. Todesjahres von Johann Joachim Winckelmann und dem 150. Todesjahres von König Ludwig I. bewirkt werden kann, hat das Symposium in Regensburg facettenreich gezeigt. Es ist der Blick in die Geschichte Bayerns, der uns – vergleichbar dem Baum der Erkenntnis – mit seinen Wurzeln nährt. Die großen Persönlichkeiten, die uns mit ihren Leistungen beispielhaft vor Augen führen, um welche Werte es im Leben geht, sollten eine Renaissance im digitalen Livestream erleben dürfen. Es war ja nur 80 Personen vergönnt, die spannenden Ausführungen zu erleben. Wie viele Menschen im In – und Ausland würden gerne an solch einem Symposium teilnehmen! Wenn nun Milliarden in Brüssel nicht abgerufen worden sind, wird es höchste Zeit, neue Strategien – last not least – im Sinne Winckelmanns zu generieren: mit einem Content, der Wissenschaft, Kunst und Kultur, Philosophie und Architektur in einem neuen interdisziplinären Zusammenhang stellt. Dazu gehört auch, die erste europäisch-bayerische Expedition (1817-1820), dokumentiert vorrangig von Carl Friedrich Philipp von Martius, neu herauszustellen. Es handelt sich um den einst weltberühmten Naturforscher, der das größte wissenschaftliche Werk verfaßte, unser bayerischer Humboldt, der zu diesem erlauchten Kreis gehört:
2018 ist auch sein 150. Todesjahr!

Prof. Dr. Sigmund Bonk

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Prof. Dr. Hannelore Putz

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Von li nach re Dr. Edith Heindl, Dr. Susanne Biber

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Referententeam ( in der Reihe ihres Auftritts)
Prof. Dr. Max Kunze, Dr. Edith Heindl, Dr. Florian Knauß, Prof. Dr. Sigmund Bonk, Dr. Hemut Hess,
Prof. Dr. Hannelore Putz, PD Dr. Mathias René Hofter, Prof. Hermann Leber, Dr. Susanne Biber

Moderatoren: Prof. Dr. Albert Dietl, Prof. Dr. Hans-Christoph Dittscheid, Prof. Dr. Max Kunze
Führung durch die Walhalle: Dr. Margareta Huber, Dr. Thorsten Marr, Dipl. Ing. Erhard Winklmann

Veranstalter und Förderer: Akademisches Forum ALBERTUS MAGNUS, Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Winckelmann Gesellschaft e.V. in Stendal,
Regensburger Universitätsstiftung Pro Arte, KATHOLISCHE AKADEMIE in Bayern, KEB

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Über Angelika Weber 18 Artikel
Angelika Weber, M.A., studierte Bayerische Geschichte, Anglistik, Theaterwissenschaft, Philosophie und Geschichte der Medizin. Sie arbeitet mit nationalen und internationalen TV – Anstalten zusammen. 1997 erhielt sie für ihre Film- und Dreharbeiten das Bundesverdienstkreuz.